Stadt macht Ernst mit der Wärmewende

Bruchsal ist erste Kommune im Land mit Fernwärme aus Geothermie

Als erster Energieversorger im Land werden die Stadtwerke Bruchsal Fernwärme aus Tiefengeothermie anbieten. Am Freitag wurde ein Liefervertrag mit der EnBW unterzeichnet.

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Von Autor/in Heiner Kunold, Johannes Stier

Bruchsal macht Ernst mit der Energie - und mit der Wärmewende. Als erste Stadt in Baden-Württemberg wird sie Fernwärme aus einer Tiefengeothermieanlage in ihr Netz einspeisen. Das Projekt soll zur nächsten Heizperiode, also im Herbst dieses Jahres, starten.

Wärme aus dem dienstältesten Geothermiekraftwerk im Land

Bereitgestellt wird die Wärme aus dem dienstältesten Geothermiekraftwerk im Land. Seit 2009 läuft die Geohtermieanlage der Energie Baden-Württemberg (EnBW) in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) störungsfrei, derzeit mit einer maximalen thermischen Leistung von knapp sechs Megawatt. Diese Leistung soll in den nächsten Jahren verdoppelt werden.

Bruchsal macht Ernst mit der Wärmewende

Parallel dazu wollen die Stadtwerke in Bruchsal ihr Fernwärmenetz ausbauen. Bis in zehn Jahren soll die gesamte Kernstadt angeschlossen sein. Dann soll eine Versorgung von rund 6.000 Haushalten möglich werden, das entspräche einem Viertel aller Haushalte in Bruchsal. Die Stadtwerke investieren nach eigenen Angaben rund hundert Millionen Euro in den Ausbau ihres Fernwärmenetzes.

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Fernwärmeanschluss gespeist durch Tiefengeothermie
Erstmals im Land, Fernwärmeanschluss der Stadtwerke in Bruchsal, gespeist durch Tiefengeothermie.

Schon heute versorgt das Geothermiekraftwerk der EnBW die benachbarte Landespolizeischule mit Fernwärme. Seit 2019 produziert das Kraftwerk die nötige Wärme dazu. In einer zweiten Ausbaustufe soll möglichst das gesamte Industriegebiet an der Autobahn bei Bruchsal mit Fernwärme versorgt werden. Dazu laufen entsprechende Verhandlungen.

Fernwärme als Baustein der Energiewende in Bruchsal

Fernwärme sei ein wichtiger Baustein der Energiewende in Bruchsal, betont auch der Chef der Stadtwerke, Sebastian Haag. Das Netz sei bis in zehn Jahren so weit, dass es rund ein Drittel des Wärmebedarfs in der Bruchsaler Kernstadt abdecken könne. Rund 65 Prozent der benötigten Wärme soll dann vom Geothermiekraftwerk am Ort bereitgestellt werden.

Für Baden-Württemberg ist es tatsächlich das erste Mal, dass Wärme aus Geothermie in ein Netz eingespeist wird.

Geothermie in Bruchsal seit 17 Jahren störungsfrei

Das Besondere an der Geothermieanlage in Bruchsal: sie läuft auch nach 17 Jahren absolut störungsfrei. Darauf verweist ihr Geschäftsführer Thomas Kölbel. Es habe in Bruchsal nie seismische Vorkommnisse, also Erderschütterungen, gegeben. Auch Anwohnerbeschwerden habe es nicht gegeben.

Erfolg durch langfristige Planung und Entwicklung der Geothermieanlage

Kölbel führt das auf eine gründliche Ingenieursarbeit am Standort zurück. Man habe sich mit der Entwicklung und mit der jetzt geplanten Erweiterung der Geothermieanlage Zeit gelassen. Auch einer Verdopplung der Wärmeleistung sieht Kölbel gelassen entgegen.

Tests dazu liefen seit 2008. Die im Umfeld der Anlage gemessen Erschütterungen kämen von LKW auf der nahen Autobahn, nicht von der Geothermieanlage, betont der Geschäftsführer. 

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