"Wenig Hoffnung auf Rettung"

Vor dem Absprung: Wie betroffene Erzieher die Karlsruher Kita-Insolvenz erleben

Die Kita-Betreiber Pro-Liberis und Lenitas in Karlsruhe sind insolvent. 1.400 Kinder sind betroffen. Die Verunsicherung bei Erzieherinnen und Erziehern ist riesengroß.

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Von Autor/in Mathias Zurawski

Die beiden privaten Kita-Träger Pro-Liberis und Lenitas in Karlsruhe sind insolvent. Geschäftsführung und Insolvenzverwalter sind optimistisch, dass der Betrieb der 29 Kitas aufrechterhalten und die Unternehmen gerettet werden können.

Erzieherinnen und Erzieher der beiden Träger stehen besonders unter Druck. Mehr als 600 Beschäftigte haben seit Wochen kein Geld bekommen. Sie arbeiten täglich mit verunsicherten Kindern und Eltern. Viele von ihnen sind frustriert.

Kita-Insolvenz: Erziehern fehlen die Antworten

Die zwei Erzieher sind bei den beiden insolventen Kita-Betreibern in Karlsruhe beschäftigt. Sie arbeiten seit vier Jahren mit großem Idealismus in ihrem Beruf. Es sei besonders schwer in diesen Tagen, sagen sie im Gespräch mit dem SWR. Sie wollen anonym bleiben.

Kinder fragen täglich, wie es weitergeht. Eltern natürlich auch, berichten sie. Aber die beiden kennen die Antwort selbst nicht.

Ich habe nicht im Traum daran gedacht, dass so etwas passiert. Dass ich arbeite und kein Geld bekomme.

Neben der täglichen Herausforderung bei der Arbeit mit den Kindern müssen die Kita-Beschäftigten jetzt viele persönliche Probleme lösen. "Woher kommt das Geld für die Miete?", fragen sich manche. Andere müssen sich Geld leihen, um ihre Familien zu versorgen, erzählen die beiden. Die Januar-Gehälter wurden nach wie vor nicht überwiesen, erst vor wenigen Tagen seien sie offiziell über den Engpass informiert worden.

Hinweis vor einer Pro Liberis-Kita in der Karlsruher Innenstadt.
Hinweis vor einer Pro Liberis-Kita in der Karlsruher Innenstadt.

Droht nach Kita-Insolvenz eine Kündigungswelle?

Erzieherinnen und Erzieher werden grundsätzlich von vielen Einrichtungen gesucht. Wer wochenlang kein Geld bekommt, denkt natürlich daran, sich anderswo zu bewerben. Man habe schon von ersten Kündigungen in der Firma gehört, sagen die beiden. Wer wirklich wolle, finde schnell einen neuen Arbeitsplatz, und zwar von einem Monat auf den anderen. Der Fachkräftemangel sei in dieser Branche deutlich spürbar.

Ich habe selten einen Tag, an dem ich den Beruf so ausüben kann, wie es für richtig halte. Ich bin verzweifelt!

Auch die beiden Karlsruher Erzieher denken darüber nach, zu gehen. Es wäre einfach, zu kündigen, betonen sie. Aber was dann? In anderen Kitas bei anderen Trägern sei es selten besser. Überall fehle das Geld, mittlerweile auch bei kommunalen Trägern. Überall werde auf dem Rücken der Kinder gespart.

Er glaube nicht, dass er in den kommenden Jahren unter diesen Bedingungen seinem pädagogischen Anspruch gerecht werden könne, sagt einer der beiden. Er denke konkret darüber nach, den Beruf zu wechseln und etwas anderes zu machen.

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Insolvenzverfahren: Kita-Mitarbeiter mit gemischten Gefühlen

Ob ihr Arbeitgeber durch das laufende Insolvenzverfahren gerettet werden kann? "Vielleicht gelingt das", sagen die beiden Erzieher. Aber sie glauben nicht an eine gute Zukunft. Jahrelang hätten sie bei der Arbeit gespürt, dass Geld fehlt. Die jetzige Krise habe sich abgezeichnet. Und künftig werde es nicht besser.

Jetzt geht es für die Karlsruher Kita-Beschäftigten aber zunächst darum, die kommenden Wochen finanziell zu überstehen. Man habe vergeblich die Hoffnung gehabt, das ausstehende Gehalt am Montag zu bekommen, sagen die beiden Erzieher. Jetzt könnte der kommende Freitag Zahltag sein.

Zusammen mit der Geschäftsführung gehen wir bei der Neuaufstellung der Pro-Liberis und der Lenitas so schnell wie möglich, aber auch so gründlich wie nötig vor.

Tatsächlich sei auch das nicht sicher, so der Insolvenzverwalter Schultze & Braun gegenüber dem SWR. Aufgrund der auszufüllenden Formulare und der großen Anzahl an Mitarbeitern könnte es mit der Auszahlung des Januar-Gehalts bis in die kommende Woche hinein dauern.

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