Johannes und Sarah Teschke wohnen mit ihren beiden kleinen Töchtern in Eppingen-Elsenz (Kreis Heilbronn). Im September werden dort die Krippen-Gebühren für die Teilzeitbetreuung auf bis zu 550 Euro monatlich steigen. Der Familienvater fürchtet, dass sich so bald immer weniger Eltern eine Kinderbetreuung leisten können. Mit dieser Sorge hat sich Teschke beim SWR gemeldet. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hatte der SWR gefragt, was die Menschen im Land bewegt.
Teschke fordert mehr Unterstützung vom Land. "Von der künftigen Landesregierung wünsche ich mir, dass Baden-Württemberg beim Zuschuss nicht weiter ganz hinten rangiert." Wer sein Kind zu Hause betreuen möchte, könne dies ja gerne tun. Doch keinem Kind solle aufgrund der finanziellen Situation seiner Eltern die Kita verwehrt werden, so der 34-Jährige.
Johannes Teschke arbeitet im Rechnungswesen, seine Frau Sarah ist Unternehmensberaterin und gerade in Elternzeit.
Wir sind in der glücklichen Lage, diese Gebühren zahlen zu können, andere nicht.
Stadt Eppingen: "Wir lassen Familien nicht allein"
"Ich weiß, dass viele Eltern mit Sorge auf die Entwicklung der Kita-Gebühren blicken", sagt Klaus Holaschke (parteilos). Er ist nicht nur Oberbürgermeister in Eppingen, sondern auch Vizepräsident des Gemeindetags Baden-Württemberg. Die Kitas stünden, wie viele Bereiche der Kommunalverwaltung, unter starkem finanziellen Druck. Er nennt deutlich gestiegene Personalkosten, höhere Energiepreise, Inflation und laufende Betriebskosten. Diese Last liege zu 80 Prozent auf den Schultern der Kommune.
In Eppingen sei eine moderate Erhöhung in Richtung des Landesrichtsatzes nötig, um die gute Betreuung langfristig zu sichern, so Holaschke. Ihm sei aber wichtig: "Wir lassen die Familien nicht allein." Das Finanzierungsmodell in Eppingen berücksichtige soziale Aspekte und biete gezielte Entlastungen und Hilfen für diejenigen, die Unterstützung benötigten. Beispielsweise gibt es Rabatte für Geschwister und eine Staffelung, welche sich nach dem Einkommen richtet.
Niemand soll aus finanziellen Gründen von guter Betreuung ausgeschlossen werden.
Situation in Baden-Württemberg
Wie hoch die Kita-Gebühren sind, kann jede Kommune in Baden-Württemberg selbst festlegen. Daher gibt es regional große Unterschiede. So kostet zum Beispiel ein Vollzeitplatz in Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) zurzeit 848 Euro, in Stuttgart 219 Euro. Auch der Landesrichtsatz von 20 Prozent der Gesamtkosten ist nicht verbindlich und schwammig formuliert. So ist nicht eindeutig geregelt, was alles in die Gesamtkosten gehört.
Altes Kindergartenjahr endet Hohe Kita-Gebühren, wenige Plätze: Stecken Kitas in BW in der Krise?
Viele Eltern haben mittlerweile erfahren, ob und wo sie ab September einen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen. Wir haben im Land nachgefragt, wie die Lage in Kitas, Kindergärten und in der Kindertagespflege ist.
Angesichts der angespannten Finanzlage der Kommunen ist aber davon auszugehen, dass die Gebühren tendenziell steigen. Schlagzeilen wegen einer Erhöhung machte im vergangenen Jahr unter anderem March im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Das Institut der Deutschen Wirtschaft hat die Bundesländer verglichen.
In der Studie lag Baden-Württemberg bei den Ausgaben für die frühkindliche Bildung auf dem letzten Platz. Vor allem, weil hier besonders wenig Kinder unter drei Jahren betreut würden, was an den hohen Gebühren liegen könne. Allerdings ist die Betreuung und Ausstattung der Kitas in Baden-Württemberg, laut einer neuen Bertelsmann-Studie, besonders gut.