Mindestens durchschnittlich, vielleicht sogar ein bisschen besser, könnte die Getreideernte dieses Jahr ausfallen. Zumindest die Winter-Braugerste steht richtig gut bei Landwirt Marco Schwedes im Gondelsheimer Ortsteil Dossental (Landkreis Karlsruhe). Dort hat am Dienstag die Getreideernte begonnen. Auf dem Acker stehen zehn Hektar reife Braugerste.
Braugerste: Getreideernte könnte gut ausfallen dieses Jahr
Die Spannung steigt, die Vorfreude ist groß. Jedes Jahr dasselbe. Es sei wie Weihnachten und mindestens genauso aufregend, sagt Marco Schwedes. Denn nichts ist so groß wie die Freude vor der Ernte. Es riecht nach reifem Getreide, Staub schwirrt in der heißen Luft und auf dem Hof steht ein nagelneuer und quietschgrüner John Deere Hillmaster und wartet auf seinen Einsatz.
Der Mähdrescher ist groß wie ein Haus und kostet auch ungefähr so viel. Daneben steht auf einem extra Hänger sein Mähwerk. Das ist imposante neun Meter breit und wird erst auf dem Getreidefeld montiert. Klar, sonst käme die 15 Tonnen schwere Maschine nirgends mehr durch.
Vor dem Drusch wird noch die Getreidefeuchte gemessen. Denn wenn das Korn noch zu viel Feuchtigkeit hat, darf der Mähdrescher nicht fahren. Aber heute stimmt alles. 12,5 Prozent Restfeuchte in der Braugerste ist ein guter Wert. Das Bier könnte gut werden dieses Jahr, grinst Marco Schwedes.
Von West nach Ost: Auf den Feldern sind die Mähdrescher unterwegs
Den Mähdrescher könnte der Landwirt zwar selbst fahren. Das Wunderwerk der modernen Landwirtschaftstechnik kommt aber komplett inklusive Fahrer aus Hohenlohe von einem Lohnunternehmer. Hannes Lex ist der Mähdrescherpilot. Er wird jetzt bis Ende August nichts anderes tun. Zum Glück geht die Saison langsam los.
20 Hektar Gerste, die schaffen Hannes Lex und sein Hillmaster in ein paar Stunden. Heute also keine Nachtschicht, meint der Drescherpilot gut gelaunt. Im Moment bekommt er noch genügend Schlaf, sagt er. Aber wenn dann später mal auch der Weizen reif wird, dann könnten auch die Nächte kürzer werden. Dann sind die Mähdrescher auch wieder bis weit in die Nacht hinein unterwegs. Aber das kommt erst noch.
Überhaupt ist der Zug der Mähdrescher quer durchs Land von West nach Ost ein Ritual, das sich, wie bei den Vögeln auch, jedes Jahr wiederholt. Die Ernte beginnt Ende Juni oder Anfang Juli in der Rheinebene. Hannes Lex hat dieses Jahr im Raum Heidelberg angefangen. Danach ziehen die Mähdrescher weiter nach Osten. Von der Rheinebene in den Kraichgau, weiter nach Hohenlohe und ganz zum Schluss auf die Schwäbische Alb.
SWR-Reporter Heiner Kunold war zum Start der Getreideernte auf dem Feld - und hatte die Möglichkeit, auf dem Mähdrescher mitzufahren. Das sind seine Eindrücke:
Hannes Lex zur Erntezeit: Nachsicht von Autofahrern wäre gut
Zeit ist Geld, das gilt auch auf dem Getreidefeld. Das Erntefenster ist kurz und die Felder sind groß. Jetzt darf nichts kaputtgehen am Mähdrescher und das Wetter muss auch noch passen. Mit leicht bangem Blick schauen die Ackerbauern im Kraichgau immer mal wieder in den Himmel. Nach den Starkregenereignissen im vergangenen Jahr sind sie besonders misstrauisch. Aber Marco Schwedes kann noch lachen. Bei ihm passt alles und die Ernte der Braugerste lässt sich gut an.
Was den Landwirten helfen könnte, bei der Getreideernte sind aber nicht nur Wetter und Temperaturen. Vielleicht wäre ein bisschen Nachsicht vonseiten der anderen Verkehrsteilnehmer jetzt nicht so schlecht, meint Mähdrescherfahrer Hannes Lex. Den Bauern pressiert es. Die Ernte muss eingefahren werden.