Landwirt Harald Beideck und sein Vater Herbert aus Hagsfeld (Karlsruhe) standen vor einem Problem, das viele aus ihrer Branche kennen: Die Kinder beziehungsweise Enkel wollten den Hof nicht übernehmen. Zusammen mit dem Parzival-Zentrum in Karlsruhe hat Harald Beideck den Fortbestand des Betriebs auf andere Weise gesichert: Der Hof ist jetzt ein Hilfsprojekt und soll Ausbildungsstätte für förderbedürftige Menschen werden.
Töchter hatten andere Pläne
Die beiden Töchter hätten andere Pläne gehabt, erzählt Harald Beideck. Eine Tochter sei nach München gezogen, die andere mache eine Ausbildung in der Region. Er sei sehr froh, dass der Betrieb auf diese Weise weitergeführt werde. Beideck bewirtschaftete Flächen, die an das Parzival-Zentrum grenzen. Hier gab es bereits den "Sonnenhof", einen Schulbauernhof mit Tieren und Landwirtschaft - auch für pädagogische Zwecke.
So lernte man sich kennen und ist ins Gespräch gekommen. Dann hatte Harald Beideck die Idee, den Hof an das Parzival-Zentrum zu übergeben.
Neuer Eigentümer des Hofes ist das Parzival-Zentrum Karlsruhe
Das Parzival-Zentrum in Karlsruhe ist ein freies pädagogisches Zentrum für Bildung, Förderung und Beratung auf Grundlage der Pädagogik von Rudolf Steiner (Waldorfpädagogik). Förderschwerpunkte sind nach eigenen Angaben emotionale und soziale sowie geistige Entwicklung und Lernen. Zum Zentrum gehören zahlreiche Einrichtungen, unter anderem Schulen, Kindergärten und eine Krippe.
Seit 2023 wurde die Übergabe des Hofs vorbereitet - jetzt hat das Parzival-Zentrum den Betrieb von Harald Beideck übernommen. Insgesamt rund 20 Hektar mit Grünflächen, die größtenteils von der Gemeinde gepachtet sind. Außerdem gehören Hühner und schottische Galloway-Rinder dazu.
Drei Viertel der Kaufsumme sind laut Achim Stoltz vom Parzival-Zentrum Spendengelder von Stiftungen. Für den Rest habe der Trägerverein des Parzival-Zentrums einen Kredit bei der Bank aufgenommen.
Mehr als die Zukunft des Betriebs gesichert
Sechs Ausbildungsplätze für förderbedürftige Menschen sollen auf dem Hof entstehen, außerdem sechs Plätze für Menschen mit Assistenzbedarf. Der erste Azubi hat zum 1. September angefangen: Haiko Lederle, 19 Jahre alt. Er hat eine Lernschwäche und macht auf dem Hof eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Fachpraktiker. Freitags und samstags arbeitet er ab und zu im Hofladen, der ans Parzival-Zentrum angeschlossen ist.
Wenn es nach Gartenbaulehrer und Agrarwissenschaftler Achim Stoltz geht, sollen bald weitere Azubis folgen - sobald die letzten bürokratischen und organisatorischen Hürden überwunden sind. Stoltz ist Ausbilder am Parzival-Zentrum.
Landwirt Beideck bleibt dem Hof in Hagsfeld erhalten
Harald Beideck hat hauptberuflich bei der Feuerwehr gearbeitet und ist im September mit 60 Jahren in Pension gegangen. Er bleibt dem Hof erhalten, ist beratend tätig und hilft, wo er kann. So einen Hof könne man nicht mal eben übergeben, sagt er. Trotzdem sei er froh, nicht mehr die Last der Verantwortung tragen zu müssen.
Auch sein Vater Herbert Beideck arbeitet auf dem Hof. 30 Jahre lang hat er die Hühner gefüttert und sich um die Eier gekümmert. Das wird er auch weiterhin tun. Mit 92 Jahren.
Die Töchter von Harald Beideck mögen den Hof nicht übernommen haben. Für andere junge Menschen ist der Betrieb dafür umso wichtiger. Ein schöner Gedanke - findet auch Harald Beideck.