Eine steile alte Treppe führt zu Horst Meisels Problem. Wer den Keller seines Hauses in Kehl-Leutesheim (Ortenaukreis) betritt, hört schon ein leises Surren. Es kommt von den zwei Pumpen, die der Rentner in Betrieb hat. Sie sorgen dafür, dass das Grundwasser nicht durch den Kellerboden nach oben drückt. "Das ist kein gutes Gefühl", sagt Meisel.
Grundwasser dringt in Keller in Rheinau und Kehl ein
Der Rentner ist einer von rund 30 betroffenen Eigentümern in Leutesheim. Dazu kommen nach Schätzungen der Stadt Rheinau etwa 100 bis 200 Haushalte in Honau und Diersheim. Zur Zeit sieht man nur einen schmalen feuchten Streifen, der sich auf dem Boden durch Meisels Keller schlängelt. Aber bei Dauerregen verstärke sich das Problem: "Im schlimmsten Fall schaffen es die Pumpen nicht mehr, dann stehen Kellerräume ein bis zwei Zentimeter unter Wasser".
Das Haus ist etwa 100 Jahre alt. Der Keller hat eine undichte Bodenplatte. Aber dass das Grundwasser schon fast direkt darunter beginnt und sich immer wieder seinen Weg nach oben bahnt, das sei erst 2019 aufgetreten, betont Meisel. Eine Jahreszahl, die in Leutesheim und in den angrenzenden Rheinauer Stadtteilen immer wieder als Beginn der Probleme genannt wird.
Der Grundwasserstand ist permanent hoch.
Die betroffenen Ortschaften liegen in unmittelbarer Nähe zum Rhein. Bei geplanten ökologischen Flutungen kam es hier auch früher zum kurzzeitigen Anstieg des Grundwassers. Die Flutungen wurden längst ausgesetzt, aber seit ein paar Jahren klagen Bewohner sogar über dauerhafte Probleme. Nur woher kommen sie?
Geothermie-Bohrungen im Elsass: Erdbeben als Ursache?
Bei Geothermie-Bohrungen im elsässischen Vendenheim bei Straßburg war es ab 2019 zu Beben gekommen. Die zuständige Präfektur ließ das Projekt daher stoppen. Nach den Beben stellten auch Hunderte Bewohner in der Ortenau Schäden an ihren Häusern fest, etwa in Rheinau. Sie kämpfen seitdem um Entschädigungen.
Haben die Beben auch zum Grundwasseranstieg geführt? Es ist eine Vermutung, die man in der Ortenau öfter hört. "Es gibt mehrere mögliche Erklärungen", sagt Rheinaus Bürgermeister Oliver Rastetter (CDU). Das Land müsse zeitnah zu einem Ergebnis kommen, auch damit Spekulationen aufhörten.
Grundwasseranstieg: Experten nehmen Rhein unter die Lupe
Seit März 2024 untersucht eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Regierungspräsidiums Freiburg in Abstimmung mit dem Umweltministerium BW das Problem. Einen Zusammenhang mit den Erdbeben im Raum Straßburg halte der Landeserdbebendienst für "unwahrscheinlich", heißt es auf SWR-Anfrage. Die Grundwasserstände im Bereich Rheinau und anderswo am Rhein seien "spätestens ab 2018" gestiegen, also deutlich vor Beginn der Beben.
Die Experten gehen aktuell davon aus, "dass der Rhein als Ursache der Grundwasseranstiege am wahrscheinlichsten ist." Eine genauere Erklärung hat das Regierungspräsidium noch nicht. Es handele sich nicht nur um ein lokales Phänomen in Rheinau und Kehl. Die genauen Zusammenhänge habe man aber noch nicht ermitteln können.
Hohes Grundwasser verursacht Kosten in Rheinau
Ist der Rheindamm möglicherweise undicht? Zumindest bei der Damminspektion wurden in den vergangenen 20 Jahren laut Regierungspräsidium keine vermehrten Sickerstellen gefunden. Man plane weitere Messungen, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Eine Antwort, die die Menschen in Rheinau und Kehl nicht beruhigen dürfte.
Wir sind einfach mit unserer Geduld am Ende. Wir fühlen uns allein gelassen.
Das hohe Grundwasser hat längst auch Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft. Teilweise könnten Maschinen nicht mehr auf den nassen Äckern ernten, sagt der Ortsvorsteher von Leutesheim, Heinz Faulhaber (SPD). In Rheinau-Honau musste bei der Sanierung des Hallenbades extra ein Technik-Anbau für die Filteranlage gebaut werden, die Mehrkosten: bis zu 30.000 Euro.
Horst Meisel fürchtet vor allem um den Wert seines Hauses. "Ich wollte es mal meinen Töchtern hinterlassen", sagt der 65-Jährige. Und eigentlich ohne akutes Grundwasserproblem.