Bisher hatten baden-württembergische Städte und Kommunen "nur" mit der Tapinoma magnum zu kämpfen, der sogenannten Kehler Ameise. Sie wurde berühmt, weil der Befall in Kehl so groß war, dass es zu Strom- und Internetausfällen gekommen war. Auch ein Spielplatz musste geschlossen werden, da er von den Ameisen unterhöhlt wurde. In Karlsruhe gibt es nun eine weitere Art, die Probleme macht.
Ameisen sind in Gärten und Wohnungen unterwegs
Im Karlsruher Stadtteil Knielingen ist jetzt eine zweite invasive Ameisenart entdeckt worden. Anwohner hatten schon länger über einen starken Befall ihrer Gärten und Wohnungen geklagt. Die Art, die dort gefunden wurde, heißt vergessene Wegameise (Lasius neglectus). Das klingt erst mal harmlos - ist es aber nicht.
Manfred Verhaagh steht an einem Baum in Knielingen, es ist früh am Morgen und die Sonne wirft erste Strahlen auf die Baumrinde. Der Ameisenexperte beobachtet ein emsiges Treiben auf dem Baumstamm: das große Krabbeln. Tatsächlich kann diese neue Ameisenart sogenannte Superkolonien gründen. Das sind miteinander verbundene Nester. Sie haben mehrere Königinnen und bewegen sich zwischen den Nestern. Das ist ausschlaggebend für ihren Erfolg.
Invasive Ameisen-Art Ameisenplage: Das hilft gegen Tapinoma magnum
Tapinoma magnum kann mit ihren Superkolonien großen Schaden anrichten. Die invasive Ameisen-Art breitet sich in Deutschland aus.
Die Gefahr: Superkolonien mit Millionen Ameisen
Eine solche Superkolonie in Budapest etwa umfasst zehn Milliarden Tiere und Millionen Königinnen. So extrem sei es in Knielingen zwar noch nicht, aber die Situation biete Grund zur Sorge, so Manfred Verhaagh. Er war vor seinem Ruhestand am Karlsruher Naturkundemuseum angestellt, doch auch jetzt lässt ihm die Ameise keine Ruhe. Als Experte berät er Kommunen, was im Ameisenfall zu tun ist.
Das sind so viele Tiere, das macht die Bekämpfung schwierig, da hat man noch keine wirkliche Lösung gefunden.
Ameisen in Karlsruhe: Art ist gebietsfremd und schwer zu bekämpfen
Vermutlich stammt diese neue invasive Art aus dem Schwarzmeerraum. Gerade in Gartencentern passiere es, dass hier nicht heimische Ameisen mit Pflanzen wie etwa Olivenbäumen eingeschleppt würden, so Verhaagh. Und dann breiteten sie sich schnell aus.
Karlsruhe ist nach Bad Säckingen (Kreis Waldshut), Pleidelsheim (Kreis Ludwigsburg) und Wehr (Kreis Waldshut) der vierte Ort in Baden-Württemberg, in dem Lasius neglectus nachgewiesen wurde. Ein Problem: Die Kolonien werden immer größer. Jedes Jahr kommen neue Königinnen hinzu.
Ameisenplage: Wie könnte eine Lösung aussehen?
Die Anwohner in Karlsruhe-Knielingen winken ab, wenn man von Ameisen spricht. Schlimm sei der Befall, sagen sie. Bei der Bekämpfung sind sie kreativ. So sieht man eine Art blauen Leim an einem Baum kleben, um ein Fenster herum sind ein Fliegengitter und Klebeband befestigt. Einzelne Tiere sind dort tatsächlich festgeklebt.
Eine Anwohnerin sitzt in ihrem Hof und schaut ihrer Tochter beim Bobbycar-Fahren zu. Sie zieht die Augenbrauen hoch, als sie das Wort "Ameise" hört. Das ganze Haus sei befallen, sagt sie.
Wir kamen aus dem Urlaub zurück und alles war voll. Sie waren überall: in der Küche, im Bad.
Sie will anonym bleiben, schämt sich für den Befall. Dabei hat das nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. "Wir haben alles probiert, Backpulver, Ameisenspray", so die Frau. Ameisenköder hätten schließlich geholfen. Die Stadt Karlsruhe kenne das Problem schon länger, so Verhaagh, nur das Ausmaß sei neu. Es kämen Beschwerden von Anwohner an die Stadt und die wiederum wendeten sich an ihn. So kam es überhaupt erst dazu, dass in Knielingen die zweite invasive Art entdeckt wurde.
Vereinzelt streuen Nachbarn Gift auf ihre Grundstücke. Aber wie soll das was bringen, wenn sich die Nester überall drumherum weiter ungestört vermehren können?
Genau das sei das Problem, so Verhaagh. Wenn die Tiere von einem Bereich vertrieben seien, wanderten sie einfach weiter. Heißes Wasser könne kurzfristig helfen. Gesetzlich sind die Kommunen nicht für private Grundstücke zuständig und so bleibt es jedem Anwohner selbst überlassen, die Ameisen zu bekämpfen. Klar ist für Verhaagh: Ganz loswerden werden sie die Tiere nicht. Es müsse eher eine Möglichkeit gefunden werden, sie zu "managen" und mit ihnen zu leben.