Mit Regenwasser und Fußbodenheizung kühlen

Hitze an Schulen lässt Planer kreativ werden: "Viele schauen auf unsere Lösungen"

Schulen in BW haben häufig dasselbe Problem: Sie sind schlecht auf kommende Hitzewellen vorbereitet. Den Kommunen fehlt das Geld, das zu ändern. Deswegen ist Kreativität gefragt.

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Von Autor/in Mirka Tiede

Inzwischen hat die Walter-Eucken-Schule in Karlsruhe eine frische, neue Fassade. Noch vor kurzem war das Gebäude völlig kahl. Wie ein Gerippe stand nur noch der Rohbau da. Aus verschiedenen Gründen wie der gefährdeten Statik, Defiziten im Brandschutz, der veralteten Elektronik oder verbauten Schadstoffen wird das Gebäude der Schule grundlegend modernisiert. Neben einer großen Herausforderung ist das aber auch eine Chance. Denn so können an dem Gebäude besondere Hitzeschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Die Walter-Eucken-Schule in Karlsruhe bis auf den Rohbau zurückgebaut
Die Walter-Eucken-Schule in Karlsruhe wurde für die Generalmodernisierung bis auf den Rohbau zurückgebaut. Dirk Altenkirch

Gegen Hitze: Regenwasser soll Schule kühlen

Herzstück des neuen Hitzeschutzes in der Walter-Eucken-Schule ist das Heiz- und Lüftungssystem. "Wir nutzen Wasser. Und zwar, wenn es geht, Regenwasser, das wir hier ohnehin über große Zisternen sammeln", erklärt der stellvertretende Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft, Thomas Gillich. Das Wasser könne durch seine Verdunstung Kälte an die Luft abgeben, die über die Lüftungsanlage in das Gebäude eingeblasen werde.

Die Lüftungsrohre in der Walter-Eucken-Schule. Die Lüftungsrohre für die kalte Luft sind isoliert. Die für die Luft, die nach draußen befördert wird, nicht.
Die Lüftungsrohre für die kalte Luft sind isoliert. Die für die Luft, die nach draußen befördert wird, nicht. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Rohbau mit einer offenen Fußbodenheizung in einer Schule. Sie kühlt im Sommer mit Regenwasser.
Die Fußbodenheizung in der Walter-Eucken-Schule kühlt im Sommer mit Regenwasser. Bild in Detailansicht öffnen
Die neue Fußbodenheizung in der Walter-Eucken-Schule in Karlsruhe
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Auf die Art soll im Sommer auch das Wasser der Fußbodenheizung gekühlt werden. "Von Decke und vom Boden kommen eine gewisse Kühle in den Raum hinein. Und wir können die Erwärmung, die es trotzdem durch Menschen und die Sonne gibt, reduzieren", so Thomas Gillich. Die Vorrichtung habe zusätzlich einen positiven Nebeneffekt. Sie biete auch einen Hochwasserschutz. Denn das Regenwasser werde bei Starkregen aufgefangen. Das entlastet zum Beispiel die Kanalisation.

"Es gibt keine Blaupause" bei den Schulgebäuden

Vor den Umbauten war ein Großteil der Fassade der Walter-Eucken-Schule aus Glas. Laut Thomas Gillich ist das ein typisches Problem für Schulen, die in der Nachkriegszeit gebaut wurden. Bei der Sanierung sei die Glasfläche um etwa ein Drittel minimiert worden - auch eine entscheidende Maßnahme für den Hitzeschutz. Denn Klassenzimmer heizen sich auf, wenn mehr Sonne hereinstrahlen kann.

Wenn man ein Gebäude wie ein Gewächshaus baut, ist es wie ein Gewächshaus.

Die Walter-Eucken-Schule wird grundlegend saniert und hat eine neue Fassade.
Damit die Sonne weniger in die Klassenzimmer scheinen kann, wurde die Glasfläche an der Fassade der Walter-Eucken-Schule minimiert.

Etwa 90 Schulen müssen nach Angaben des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft in Karlsruhe mit Hitzeschutzmaßnahmen nachgerüstet werden. Jedes der Gebäude ist unterschiedlich gebaut und hat dadurch unterschiedliche Ansprüche. "Es gibt keine Blaupause", sagt Thomas Gillich. Sein Amt suche deswegen einerseits nach großen Maßnahmen, die eine größere Wirksamkeit hätten. Aber auch nach Maßnahmen, die schneller umsetzbar seien und nicht gerade das große Budget bräuchten.

Wir fangen nicht bei Null an.

Bei den Maßnahmen fingen seine Mitarbeiter und Thomas Gillich aber nicht bei Null an. "Wir kopieren Lernprinzipien aus der Historie, aus anderen Kulturen", sagt er. Darunter seien auch Regionen in Europa, die von Anfang an mit einem anderen Klima im Sommer auskommen mussten. "Wir entwickeln jetzt für Karlsruhe eben unsere eigenen Lösungen, aber auf Basis dieser Vorbilder." Auch das Prinzip der Wasserkühlung sei eine Idee, die das Amt bei Lösungen aus anderen Kulturräumen abgeschaut habe.

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Hitzeschutz in Schulen: Das Geld ist ein großes Problem

Im vergangenen Sommer habe es für manche der Schulen in Karlsruhe bereits Sofortmaßnahmen gegeben, erzählt Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft. "Das kann sein, dass wir ganz schnell eine Sonnenschutzfolie auf- oder einen außenliegenden Sonnenschutz angebracht haben." Um den Bestand nachrüsten zu können, ginge das Amt aber auch systematisch vor. Die Gebäude der Schulen und Kindergärten seien mit 20 Kategorien bewertet worden. So soll entschieden werden, wo Maßnahmen dringend erforderlich sind.

Wir machen uns sofort daran, die Spitzen zu beseitigen.

Die Schulen würden dann Stück für Stück abgearbeitet werden. Dadurch, dass verschiedene Maßnahmen angegangen werden, will das Amt laut Thomas Gillich jeder Schule zeitnah ein Lösungsangebot machen können. Wegen der finanziellen Situation der Stadt Karlsruhe ist das aber gar nicht so einfach: "Zurzeit muss jeder Euro, der zusätzlich aufgenommen wird, kreditfinanziert werden", sagt Anne Sick. Dabei seien die jährlich zur Verfügung stehenden Mittel abnehmend, bei gleichzeitig höheren Anforderungen.

Keine Option sei es, die Schulen einfach mit Klimaanlagen auszurüsten. Allein in Karlsruhe müssen laut Anne Sick etwa 1.000 Gebäude nachgerüstet werden. "Wenn wir nur in die Hälfte der Gebäude Klimaanlagen einbauen würden, dann sind wir ganz schnell in einem Bereich von einer halben Milliarde Investitionskosten", sagt sie. "Das kann die Kommune natürlich nicht stemmen, auch gar keine andere." Und auch im Betrieb seien Klimaanlagen aufwendig und kosten viel Geld. In vielen historischen Gebäuden wäre ein Einbau laut Thomas Gillich auch wegen der baulichen Struktur nicht möglich.

Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe
Anne Sick, Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe Bild in Detailansicht öffnen
Thomas Gillich, Stellvertretender Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe
Thomas Gillich, Stellvertretender Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe Bild in Detailansicht öffnen

Karlsruhe als Vorreiter? "Viele schauen auf unsere Lösungen"

Anne Sick und Thomas Gillich bleiben trotz der Herausforderung optimistisch. Die Amtsleiter glauben, zumindest die schlimmsten Einwirkungen verhindern zu können und an den Schulen auch in Zukunft ein Lernen im Sommer zu ermöglichen. Die Stadt sei beim Hitzeschutz an den Schulen auf einem guten Weg, so Thomas Gillich. "Ich glaube auch, dass wir teilweise sogar führend sind", sagt er. "Denn Karlsruhe liegt im Deutschlandvergleich neben Mannheim in der heißesten Region des Landes. Insofern schauen auch sehr viele auf unsere Lösungen."

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Mirka Tiede
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