Das Krankenhaus in Neuenbürg wird laut Klinikleitung noch Ende September dieses Jahres schließen. Dazu hat sich der Kreistag Enzkreis Donnerstagnachmittag entschieden. Das medizinische Versorgungszentrum Neuenbürg soll hingegen ausgebaut werden. Die Pläne dazu muss der Kreistag in den nächsten Monaten erarbeiten.
Bürgermeister versuchte Krankenhaus zu retten
In den letzten Wochen war der Neuenbürger Bürgermeister Fabian Bader (parteilos) regelmäßig in seiner Gemeinde unterwegs und sammelte Unterschriften. Damit versuchte er noch das Krankenhaus vor der Schließung zu bewahren.
In vielen Gesprächen sei noch einmal deutlich geworden, wie wichtig eine gute Gesundheitsversorgung für seine Bürgerinnen und Bürger ist. Und auch die umliegenden Gemeinden wie Straubenhardt und Schömberg hätten vom Krankenhaus in der Nähe profitiert. Insbesondere für die Menschen im westlichen Enzkreis sei das Krankenhaus die erste Anlaufstelle.
Wir stellen fest, dass vor allem die ältere Generation das Krankenhaus vermissen wird. Die Wege werden einfach länger.
Bürgermeister Bader: Unterschriften haben einiges bewirkt
Insgesamt hatte Fabian Bader rund 8.700 Unterschriften eingesammelt - mehr als Neuenbürg Einwohner hat. Anschließend hatte er sie dem Landrat des Enzkreises, Bastian Rosenau (parteilos), übergeben. In den Augen den Bürgermeisters war das Engagement nicht umsonst.
Es war von Anfang an eigentlich unklar, ob überhaupt ein medizinisches Angebot in Neuenbürg kommt. Von daher haben die [fast] 9.000 Unterschriften schon einiges bewirkt.
Auch Bürgermeister Bader sitzt für die Freie Wähler Fraktion im Kreistag und konnte über die Zukunft der medizinischen Versorgung in seiner Gemeinde mitentscheiden. Schon seit Jahren schreibt das Krankenhaus Verluste. Für dieses Jahr hat der verantwortliche Klinikverbund ein Defizit von rund elf Millionen Euro prognostiziert.
Schließung Krankenhaus Neuenbürg: 210 Mitarbeiter betroffen
Das Krankenhaus in Neuenbürg gehört zum kommunalen Klinikverbund der RKH-Kliniken. Auch in Bruchsal, Ludwigsburg und Mühlacker gibt es Krankenhäuser, die zum Klinikverbund gehören. Laut Beschlussvorlage soll bei der Schließung des Standorts Neuenbürg das Krankenhaus Mühlacker weiter ausgebaut werden. Unter anderem soll ein neues Klinikgebäude gebaut werden.
Betroffen von der Schließung sind 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Etwa dreiviertel von Ihnen sollen in der RKH-Klinik Mühlacker oder im Medizinischen Versorgungszentrum Neuenbürg unterkommen.
Kleine Krankenhäuser fallen Bundespolitik zum Opfer
Bürgermeister Fabian Bader gibt auch der Bundespolitik eine Mitschuld an der Schließung in Neuenbürg. Die Klinikreform würde hauptsächlich kleine Krankenhäuser treffen, wie das in Neuenbürg, das nur 82 Planbetten habe. "Das ist etwas, was die große Politik im Bund so nicht mehr haben möchte", erklärt er. Der Trend gehe ganz klar zu großen, spezialisierten Kliniken.
Das kritisieren auch Bürgerinnen und Bürger aus Neuenbürg. Ein ehemaliger Arzt spricht davon, dass er sich ohne ein Krankenhaus in Neuenbürg kaum vorstellen kann, wie die medizinische Versorgung im Enzkreis gesichert werden soll. Eine andere Frau erzählt, dass erst im letzten Jahr die Notfallpraxis in Neuenbürg geschlossen wurde. Jetzt soll das Krankenhaus folgen, das sei nicht gut.
Laut der Baden-Württembergischen Krankenhaus-Gesellschaft nimmt die Zahl der Krankenhäuser in Baden-Württemberg kontinuierlich ab. Seit 2015 sollen ungefähr 30 geschlossen worden sein. Das macht sich auch bei den Krankenhausbetten bemerkbar. Im Jahr 2000 gab es laut Statistischem Bundesamt noch rund 64.000 aufgestellte Krankenhausbetten, 2024 waren es über 10.000 weniger.