Pforzheim kehrt zurück zu Tempo 50 in der Innenstadt. Zumindest tagsüber. Zumindest auf den Hauptverkehrsstraßen. Dadurch soll ein Flickenteppich vereinheitlicht werden. Derzeit gelten unterschiedliche Regelungen. Der Verkehr soll dann besser fließen. Die Stadt erhofft sich weniger Staus. Die Entscheidung ruft aber auch viele Kritiker auf den Plan. Denn die Regel ist ein Rückschritt für die Stadt in Sachen Verkehrswende.
Zurück zu Tempo 50 Pforzheim schafft 30er-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen ab
Pforzheim macht aus 30er-Zonen tagsüber wieder Tempo 50 Abschnitte. Dem hat der Gemeinderat am Dienstag zugestimmt. Kürzungen im Busverkehr erteilte der Gemeinderat eine Absage.
Tempo 50 ist ein erhöhtes Sicherheitsrisiko
Fahren die Autos auf den Straßen wieder 50, erhöht sich das Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer. Kinder, die die Straßen überqueren, müssen in Zukunft noch besser aufpassen, denn der Bremsweg bei Tempo 50 verlängert sich deutlich. Auch bei Unfällen zwischen zwei Autos wird der Aufprall härter.
Noch vor drei Wochen präsentierte die Stadt stolz ihren Fahrrad-Botschafter, der für ein radfreundliches Pforzheim werben soll. Auch für ihn könnte es in Zukunft gefährlicher werden. Vor allem an Straßen ohne ausgebauten Radweg kann es zu mehr gefährlichen Überholversuchen kommen. So werden sich bestimmt nicht mehr Menschen freiwillig aufs Fahrrad setzen.
Eigentlich geht es doch um Lärmschutz!
Ursprünglich wurde Tempo 30 in der Innenstadt aus Lärmschutzgründen notwendig. Die EU schreibt nämlich klare Grenzwerte für den Verkehrslärm vor. Kehrt man jetzt wieder zurück zu Tempo 50, muss die Stadt andere Maßnahmen zum Lärmschutz treffen. Ein lärmmindernder Asphalt ist die Wahl der Stadt. Das kritisiert auch das Regierungspräsidium Karlsruhe. Denn: Wann der neue Asphalt auf allen betroffenen Straßen liegt? Unklar.
Klar ist: Lärm macht krank. Das trifft vor allem die, die an den viel befahrenen Straßen wohnen. Glaubt man dem internationalen Beirat, dann sind das vor allem arme Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund.
All das spielte im Gemeinderat aber kaum eine Rolle. Wichtig schien für die meisten Gemeinderätinnen und -räte nur eins: Wie kommen sie schnell mit ihren Autos von A nach B?