Lange Wartezeiten wegen kurzfristiger Personalengpässe am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden verärgern immer wieder Reisende: Erst in der vergangenen Woche blieben wiederholt zahlreiche Passagiere am Boden, weil sie zu lange in der Sicherheitskontrolle feststeckten. Das hat das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart dem SWR bestätigt.
- Was fordern CDU und FDP?
- Wie groß ist das Problem?
- Wie soll das Problem behoben werden?
- Was müssen Reisende wissen?
Kritik wächst: Engpass bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden
Die CDU-Fraktion im Landtag fordert mit ihrem Antrag die Landesregierung dazu auf, die Probleme aufzuklären. "Wir dürfen den Standortvorteil des Flughafens Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) nicht verspielen", sagt Cornelia von Loga. Die CDU-Landtagsabgeordnete kennt den Flughafen gut, denn er liegt in ihrem Wahlkreis. Sie kritisiert damit die Regierungsarbeit in dieser Sache.
Von Loga hat für den Verkehrsausschuss ihrer Partei in der vergangenen Woche den Antrag an die Landesregierung gestellt, der dem SWR vorliegt. Damit sollen Lösungen für eine Verbesserung aufgezeigt werden. Der Antrag enthält 15 Fragen. Die CDU will unter anderem wissen, wie es um die Personalsituation und ständige Fachaufsicht durch das Regierungspräsidium steht - und ob es Reformbedarf gibt.
Es kann ja nicht sein, dass die Fluggäste das ausbaden müssen.
FDP erhöht Druck auf Landesregierung
Auch die FDP fordert Aufklärung und hat eine entsprechende Anfrage an die Landesregierung gestellt. "Ich kann einfach nur den Kopf schütteln. Wie kann es sein, dass die Sicherheitskontrollen am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden einfach nicht richtig funktionieren?", sagt Landtagsabgeordneter Christian Jung (Wahlkreis Bretten). "Der Luftverkehrsstandort Baden-Württemberg muss funktionieren. Verkehrsminister Hermann wäre gut beraten, wenn er sich als Chef des Aufsichtsrats konstruktiv zur Lösung der Probleme einbringt."
Auch der badische Landesteil hat es verdient, abzuheben. Nicht nur der Landesflughafen in Stuttgart.
Regierungspräsidium Stuttgart für Sicherheit zuständig
Anders als am Landesflughafen Stuttgart ist für die Sicherheitskontrolle am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden nicht die Bundespolizei, sondern das Regierungspräsidium Stuttgart zuständig. Dieses beauftragt dafür einen externen Dienstleister. Bei diesem kommt es laut Regierungspräsidium immer wieder vor, dass er wegen kurzfristiger Krankmeldungen nicht die angeforderte Anzahl von Luftsicherheitskontrollpersonal bereitstellen kann.
Dieser Engpass führt zu Problemen. Laut Regierungspräsidium Stuttgart haben allein im ersten Halbjahr diesen Jahres 346 Passagiere Ansprüche gegen das Regierungspräsidium geltend gemacht, weil sie wegen Engpässen bei der Sicherheitskontrolle am Boden bleiben mussten - im gesamten vergangenen Jahr waren es rund 450.
Die Zahl der Menschen, die nicht fliegen konnten, dürfte höher sein - nicht jeder stellt einen Entschädigungsantrag. Der Flughafenbetreiber schätzt, dass allein im ersten Halbjahr etwa 700 Passagiere auf Grund der mangelhaften Sicherheitskontrollen ihren Flug verpasst haben.
Flughafenbetreiber befürchtet Imageschaden
Uwe Kotzan ist Geschäftsführer des Flughafenbetreibers Baden-Airpark. Er sorgt sich um das Image des Flughafens: "Unsere FKB-Mitarbeiter und auch die Airlines sind nicht immer erfreut, wenn unser guter Service durch externes Verschulden in Misskredit gebracht wird", sagt er dem SWR.
Man sei in ständiger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium: Er fordert, dass das Regierungspräsidium mit dem beauftragten Dienstleister die angeforderten Kontrollspuren und eingesetzte Kontrolltechnik richtig plant und kontrolliert.
Ich bin zuversichtlich, dass da was passiert.
Regierungspräsidum Stuttgart wünscht sich Entzerrung des Flugplans
Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden wächst kontinuierlich. Allein im vergangenen Jahr sind rund 1,8 Millionen Menschen am FKB abgefertigt worden. Jetzt zur Hauptreisezeit im Sommer sind es jeden Tag rund 8.000 Passagiere.
Das Regierungspräsidium Stuttgart wünscht sich, dass der Flugplan am FKB entzerrt werde. Seinen Berechnungen zufolge sei die Grenze der in angemessener Zeit kontrollierbaren Passagiere erreicht beziehungsweise teilweise überschritten.
Fünf Kontrollspuren gibt es derzeit am FKB. Aus Sicht von Uwe Kotzan dem Passagieraufkommen angemessen, um fünf parallel abzufertigende Flüge zu bedienen. "Wenn alle Spuren rechtzeitig mit Personal besetzt sind, ist es ausreichend", so der Geschäftsführer. Selbst wenn der Flughafen weiter wächst, gebe es schon abgestimmte Maßnahmen, um weitere Kontrollpunkte zu schaffen, so Kotzan gegenüber dem SWR.
Mehr Personal bei der Sicherheitskontrolle aufbauen
Der Flughafen selbst hat eigenen Angaben zufolge keinen Einfluss auf die Kontrollstellen. Das Regierungspräsidium wiederum arbeitet daran, dass sich der Personalstamm beim Dienstleister vergrößert und bietet regelmäßig Prüfungstermine für Luftsicherheitspersonal an. "Mitursächlich für den Fachkräftemangel ist auch das industriestarke Umfeld in Baden-Baden", so das Regierungspräsidium Stuttgart auf SWR Nachfrage.
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Sieben zusätzliche Kontrollkräfte konnten demnach zum 1. April eingestellt werden und die Ausbildung von vier weiteren Kräften abgeschlossen werden, die ab Juli beginnen können. "Im Vergleich zum Anfang des Jahres hat sich die Personalsituation unseres Dienstleisters verbessert, sodass wir ihn für die Hauptreisezeit grundsätzlich gut gerüstet sehen", so das Regierungspräsidium Stuttgart.
Die Landesregierung hat jetzt zwei bis drei Wochen Zeit, auf die Anträge zu reagieren. Das wäre bis kurz vor den Sommerferien.