Die Stadt Karlsruhe steckt in einer tiefen Finanzkrise. In den kommenden zwei Jahren müssen mindestens 160 Millionen Euro eingespart werden. Dafür sind drastische Maßnahmen notwendig. Das Rheinstrandbad Rappenwört, landschaftlich eines der schönsten Freibäder in Deutschland, steht auf einer vorläufigen Streichliste. Zunächst für zwei Jahre soll es geschlossen werden. Die Pläne sorgen für einen Aufschrei bei Bürgerinnen und Bürgern. Aber es gibt auch Ideen für die Rettung des Freibads am Rheinufer.
Karlsruher sind mit dem Rheinstrandbad Rappenwört aufgewachsen
Badegäste genießen den Spätsommer auf den Liegewiesen zwischen Wellenbecken, Wasserrutschbahn und Rheinufer. Stammgäste haben mit ihren Liegestühlen feste Plätze auf dem Rasen mit Blick auf den Rhein. Ein paar Jugendliche pendeln zwischen Sprungbrett und Rutschbahn. Er habe von der drohenden Schließung gehört, sagt einer von ihnen. Das Aus wäre sehr traurig. Das Bad sei ein Treffpunkt für jedes Alter und nicht wegzudenken.
Im Sommer ist das Rheinstrandbad wie ein zweites Zuhause für mich!
Eine andere Besucherin kommt ins Grübeln beim Gedanken an die drohende Schließung. Seit vielen Jahrzehnten kommt sie regelmäßig hierher. Anstatt zu schließen müsste man doch viel mehr aus dem wunderschönen Bad mit Sportplätzen und Straßenbahnanschluss mitten im Wald am Rhein machen, sagt sie. Viele Erinnerungen sind mit dem Rheinstrandbad verbunden.
Ich und mein Mann, wir haben uns hier kennengelernt. Und jetzt sind wir 55 Jahre verheiratet.
Karlsruher Bäderchef kämpft gegen Schließung und kritisiert Sparpolitik der Stadt
Wenn der Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel durch das Rheinstrandbad läuft, wird er von den Gästen alle paar Meter auf die drohende Schließung angesprochen. Viele kritisieren ihn persönlich für die Pläne. Aber immer mehr ermutigen ihn, das Bad zu retten, erzählt er.
Die Stadtverwaltung hatte die Karlsruher Bäderbetriebe beauftragt, 900.000 Euro beizusteuern, um das Sparziel in der dramatischen Finanzkrise zu erreichen. Das Personal im Rheinstrandbad kostet jedes Jahr genau so viel. Mit der Schließung wäre das Ziel also ganz schnell erreicht. Aber so könne man nicht sparen, kritisiert der Bäderchef. Freibäder wie dieses hätten eine große soziale Funktion und seien wertvoller als vieles andere.
Mit dem Rasenmäher vorzugehen ohne zu unterscheiden, nach dem Motto 'jeder muss etwas bringen', das funktioniert hier nicht.
Das Rheinstrandbad sei tief im Bewusstsein der Menschen verankert, betont der Bäderchef, und es habe ein überregionales Einzugsgebiet. Das mit der geplanten vorübergehenden Schließung sei außerdem nicht so einfach. Er verweist auf Instandhaltungskosten von mehreren hundertausend Euro jährlich, die trotz Schließung fällig würden.
Es ist nicht so, dass wir abschließen und dann einfach in zwei Jahren wiederkommen!
Oberbürgermeister Mentrup "Auch Bäder müssen sparen!"
Kurz vor Ende der Freibadsaison hat Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) nochmals betont, wie dramatisch die finanzielle Lage der Stadt Karlsruhe ist. Im laufenden Jahr habe sich die Krise weiter zugespitzt, und das nach einer gerade überstandenen Haushaltssperre. Ein neues Finanzloch von bis zu 25 Millionen Euro drohe. Umso mehr müssten mit Blick auf die kommenden Jahre alle Bereiche der Stadt zu den notwendigen Einsparungen beitragen, auch die Bäderbetriebe. Der Oberbürgermeister sieht dort sowieso großes Sparpotential.
Ich habe kürzlich von einer Untersuchung gelesen, dass Karlsruhe von allen deutschen Städten die höchste Freibaddichte hat.
Das Rheinstandbad Rappenwört sei besonders personalintensiv und teuer, so Mentrup. Außerdem müsse dort in den kommenden Jahren auch einiges saniert werden. Sollte das Bad geöffnet bleiben, dann müsse entsprechend in einem anderen Freibad gespart werden, betont der Oberbürgermeister.
Rettung gesucht: Von Online-Petition bis Preiserhöhung
Eine Online-Petition für den Erhalt des Rheinstrandbads wurde bislang mehr als 12.600-Mal unterschrieben. Daniela Christ ist Initiatorin der Petition. Sie kämpft seit Wochen öffentlich gegen die Schließung. Man werde demnächst einen Förderverein für das Bad gründen, kündigt sie an. Unter anderem sollen Mitglieder des Fördervereins mit einer entsprechenden Ausbildung am Beckenrand aushelfen. Kostenlos.
Wir sagen: Nicht an Lebensqualität sparen!
Auch der Bäderchef sucht nach Ideen, um das Lieblingsbad vieler Karlsruher nicht schließen zu müssen. Mit einer Erhöhung der Eintrittspreise könnte man die notwendige Summe hereinholen, so Oliver Sternagel gegenüber dem SWR. Ein bis zwei Euro mehr pro Person bei jedem Besuch in jedem Karlsruher Bad, und die erforderlichen 900.000 Euro jährlich würden erreicht. So könnte man die Schließung des Rheinstrandbads abwenden. Er spricht von einem "Bäder-Soli".
Wir müssen unseren Beitrag zum Karlsruher Haushalt leisten. Ein oder zwei Euro mehr Eintritt zu bezahlen ist, glaube ich, das kleinere Übel.
Nach allem, was er in diesem Sommer gehört hat, gehe er davon aus, dass der Gemeinderat der Schließung des Rheinstrandbads nicht zustimmen wird. Deswegen müsse es auf jeden Fall alternative Lösungen gegeben, betont der Bäderchef.
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Bürger von Karlsruhe sollen mehr bezahlen, nicht nur für Bäder
Lösungen wie diese kosten Geld. Geld, das künftig häufiger von besser verdienenden Bürgerinnen und Bürgern aufgebracht werden soll, und weniger von der Stadt, so Oberbürgermeister Mentrup gegenüber dem SWR. Ohne zusätzliches Engagement aus der Gesellschaft sei die akute Finanzkrise nicht zu bewältigen.
Insgesamt ist es so, dass wir alle Karlsruher, die es sich leisten können, stärker an den Infrastrukturkosten beteiligen müssen. Sei das Kita, sei das Kultur oder seien das die Bäder.
Das Rheinstrandbad ist nur eine von über 400 Positionen auf der vorläufigen Streichliste der Stadt. Wird das angepeilte Sparziel für den anstehenden Doppelhaushalt in Höhe von mindestens 160 Millionen nicht erreicht, dann greift das Regierungspräsidium als Kontrollbehörde ein. Kurz vor Weihnachten entscheidet der Gemeinderat - nicht nur über die Zukunft des Rheinstrandbads.