Start ins Ausbildungsjahr 2026

Azubi-Boom im regionalen Handwerk: "Es war die beste Entscheidung"

Die Ausbildungszahlen in Baden-Württemberg gehen zurück - aber das Handwerk boomt. Warum sich Abiturienten für Fliesen statt Vorlesung entscheiden und welche Chancen dahinterstecken.

Teilen

Stand

Zum Ausbildungsstart meldet die Industrie- und Handelskammer (IHK) eine geringere Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in Baden-Württemberg. Technische Berufe sind weniger nachgefragt, gehören aber noch immer zu den beliebtesten.

Ein deutlicher Boom geht Richtung regionales Handwerk: drei Prozent mehr Azubis als im Vorjahr. "Die Lage im Handwerk ist gut", so Karsten Lamprecht, Präsidiumsmitglied Handwerk BW. "Das liegt vor allem daran, dass in der Industrie momentan eine Unsicherheit herrscht und das Handwerk als verlässlicher Partner in der Ausbildung und als Chancen-Garant gilt."

Das Ausbildungsjahr 2026 startet
Karsten Lamprecht, Präsidiumsmitglied Handwerk BW, sieht das Handwerk als verlässlichen Partner bei der Ausbildung und Jobsuche. Cornelia Stenull

Warum Handwerk bei jungen Menschen beliebt ist

Mehr junge Menschen mit Abitur oder Fachhochschulreife entscheiden sich für eine Ausbildung im regionalen Handwerk: rund 17 Prozent der Azubis laut Handwerkskammer Karlsruhe. So auch Lénárd Keppler aus Ettlingen (Landkreis Karlsruhe). Eigentlich hat er Baumanagement studiert, doch gemerkt, dass er das nicht weitermachen will. Heute ist der 23-jährige Azubi im dritten Lehrjahr zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. "An dem Beruf macht mir am meisten Spaß, dass er ziemlich kreativ ist", so Lénárd Keppler. "Ich sehe am Ende vom Tag, was ich geschafft habe."

Es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Handwerk hat goldenen Boden, sagt man. Ich bin fest überzeugt, dass es auch so ist.

In seinem Ausbildungsbetrieb Beutelsbacher Fliesen GmbH in Karlsbad-Ittersbach (Landkreis Karlsruhe) gibt es noch zwei weitere Azubis. Generell sei es schwierig, geeignete Lehrlinge zu finden, so der Betrieb. Dieses Jahr habe sich niemand beworben. Und das, obwohl die Auftragslage gut sei.

Ausbildungsstart 2026: Lehrling Lénárd Keppler macht eine Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
Azubi Lénárd Keppler macht eine Ausbildung zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Für ihn war es "die beste Entscheidung".

Ausbildung: Berufe durch KI bedroht?

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Arbeit vor allem in kaufmännischen und administrativen Berufen. Gerade Routineaufgaben können durch KI automatisiert werden. "Die handwerkliche Arbeit wird durch KI sicherlich nicht ersetzt werden", betont Karsten Lamprecht, Präsidiumsmitglied von Handwerk BW. Auch Lénárd Keppler macht sich wegen KI keine Sorgen. "Ich denke, in den nächsten Jahren wird sich da wenig tun. Bestimmt gibt es unterstützende Mittel, die da mal kommen, wie auch immer die aussehen im Büro."

Wenn man es rein auf die Baustelle bezieht, glaube ich nicht, dass mir da so schnell eine KI den Rang ablaufen kann - bei dem, was ich mit meinen Händen mache.

IHK: Rund 143.000 Fachkräfte fehlen in BW

In Baden-Württemberg sind Ende August noch 17.520 Ausbildungsstellen unbesetzt, während 11.690 Jugendliche eine Ausbildung suchen, so die Bundesagentur für Arbeit. Neun Prozent weniger Neuverträge gab es dieses Jahr laut Industrie- und Handelskammer (IHK). Landesweit sind nur 31.413 neue Ausbildungsverträge verzeichnet (Stand: 26. August 2026). Besonders in technischen Berufen ist der Rückgang deutlich.

Diese Zahlen sind ein deutliches Warnsignal. Wenn heute weniger junge Menschen ausgebildet werden, fehlen unserer Wirtschaft in wenigen Jahren genau diese Fachkräfte.

Rund 19 Prozent weniger als im letzten Jahr starten eine Ausbildung zum Fachinformatiker, so die IHK. In der Elektrotechnik sind es 15,6 Prozent weniger. Auch bei den kaufmännischen Berufen liegen die Neuverträge unter dem Niveau des Vorjahres. Im Gegensatz dazu bleiben die Ausbildungsberufe im Bank-, Hotel- und Gastgewerbe weiterhin stabil.

Ausbildung in Baden-Württemberg: 10 Prozent weniger Stellen

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es rund 10 Prozent weniger Ausbildungsstellen als im letzten Jahr. Insgesamt sind 65.010 Stellen in Baden-Württemberg verzeichnet. Laut IHK wirkt sich die wirtschaftlich schwierige Lage gerade auf Ausbildung und Neueinstellungen aus. Viele Unternehmen würden ihre Personalplanung kritisch überprüfen und zurückhaltender planen. Im Handwerk hingegen bleibe die Anzahl der Ausbildungsplätze stabil, so Handwerk BW.

Freie Ausbildungsplätze gibt es weiterhin in vielen Gewerken. Besonders gesucht wird Nachwuchs beispielsweise in technischen Berufen, im Elektro- und SHK-Handwerk, in Bau- und Ausbaugewerken, aber auch in weiteren klassischen Handwerksberufen.

Das Ausbildungsjahr 2026 startet
Das Handwerk verzeichnet im Raum Karlsruhe 15 Prozent mehr Auszubildende. Cornelia Stenull

Azubi-Boom im Handwerk: Mehr Azubis im Raum Karlsruhe

Im Gegensatz zum negativen Trend in BW meldet die Handwerkskammer Karlsruhe eine hohe Nachfrage nach Ausbildungsplätzen. Mehr als 2.200 junge Menschen beginnen im September ihre Ausbildung im Handwerk im Raum Karlsruhe. Das sind rund 15 Prozent mehr Azubis als im letzten Jahr (Stand August 2026).

Während große Konzerne Stellen abbauen und Werke verlagern, gibt es solche Schreckensnachrichten im Handwerk nicht.

Ausbildungsstart 2026: Das sind die beliebtesten Berufe in Karlsruhe

Besonders beliebt sind bei jungen Frauen die Berufe Friseurin, Augenoptikerin und Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk. Bei den jungen Männern führen KfZ-Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitärtechnik und Elektrotechniker.

Interessierte können auch nach dem 1. September 2026 noch eine Ausbildung im Handwerk beginnen. In der Region gibt es laut Handwerkskammer Karlsruhe noch offene Stellen unter anderem für Maler und Lackierer.

Start des neuen Ausbildungsjahres: Welche Perspektiven das Handwerk bietet

Das neue Ausbildungsjahr geht los. Im baden-württembergischen Handwerk sind mehr Lehrverträge abgeschlossen worden. Der Zuwachs betrage drei Prozent im Vergleich zu 2025, sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Stuttgart, im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler. Viele Ausbildungen hätten gute Berufschancen.

SWR Aktuell am Morgen SWR Aktuell

Karlsruhe

Karlsruher Betrieb hat noch offene Stellen Ausbildungsjahr 2025 in BW startet: "Bewerbern fehlt oft Motivation und Disziplin"

Anfang September startet das neue Ausbildungsjahr in BW. Doch auch dieses Jahr bleiben viele Stellen offen. Auch Betriebe in Karlsruhe haben Probleme.

Schwieriger Arbeitsmarkt für junge Menschen Arbeitsagentur: Fast 10 Prozent weniger Ausbildungsstellen

Die Krise der Wirtschaft schlägt auf den Ausbildungsmarkt in BW durch. Deutlich weniger Ausbildungsstellen wurden zuletzt gemeldet. Was bedeutet das für junge Menschen?

Pfalz

Auch Abiturienten setzen auf eine Ausbildung Immer mehr junge Pfälzer werden Handwerker

Die Angst vor KI ist bei den jungen Leuten groß. Auch in der Pfalz. Viele Schulabsolventen machen lieber auf eine klassische Handwerksausbildung als etwa auf ein Studium.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Elena Ferreira
Autorenprofil Elena Ferreira
Cornelia Stenull
Ein Foto von Cornelia Stenull

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!