Vor einer der blauen Katzenhütten sitzt Kater Skippy. Seine Augen sind geschlossen, entspannt schnurrt er vor sich hin. Neben ihm sitzt Paola Müller, die ihr Glück kaum fassen kann. Die 23-Jährige ist heute zum ersten Mal als Katzenstreichlerin im Tierheim, ihre Freude darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben.
"Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Aber als ich davon erfahren habe, war klar, dass ich auf jeden Fall herkommen muss!", sagt sie und lächelt. Paola Müller hat selbst kein Haustier, wünscht sich aber eigentlich einen Hund und eine Katze. Doch die Zeit dafür fehle im Alltag. Das Angebot des Tierheims sei ein schöner Kompromiss.
So geht es an diesem Tag noch anderen jungen Menschen, die zum ersten Mal als ehrenamtliche Katzenstreichler aktiv sind. Hier können sie eine Stunde lang die Nähe zu den Tieren genießen. Eine Win-Win-Situation - wohl für alle Beteiligten.
Tierheim in Karlsruhe: Katzen brauchen Beschäftigung
"Katzenstreicheln ist bei uns ein wichtiges Thema, genauso wie das Hundeausführen", sagt Heike Binz. Sie arbeitet seit 20 Jahren im Tierheim in Karlsruhe und ist für die Katzenpflege zuständig. Dass die Katzen beschäftigt werden, sei wichtig. Sie brauchen den Kontakt zum Menschen, sagt sie. Ist der nicht da, fehle den Tieren etwas. "Die zeigen dann auch schneller Verhaltensauffälligkeiten, dass sie gelangweilt sind", so Heike Binz.
Mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Tierheim kümmert sie sich um etwa 30 bis 40 Katzen pro Tag. Der Großteil sei in der Vermittlung, der Rest in Quarantäne untergebracht. Die kleinen Stubentiger leben in Kleingruppen in mehreren Häusern, die aussehen wie Gartenhütten. Dort gibt es alles, was das Katzenherz begehrt: Decken, Kratzbäume, Spielzeug, Futter und kleine Höhlen, um sich zurückzuziehen. Und ab und zu kommt dann noch ein Mensch vorbei.
Ehrenamtliche Hilfe ist für das Tierheim eine Entlastung
Fast 400 Katzen hat das Tierheim pro Jahr "im Durchlauf", erzählt Heike Binz. Das können Fundtiere sein oder solche, die von ihren Besitzern wegen fehlender Zeit abgegeben werden. Zuletzt habe das Tierheim 25 Katzen auf einen Schlag aufgenommen, weil diese aus einem Haus gerettet wurden.
Die ehrenamtlichen Katzenstreichler seien eine große Unterstützung, sagt Heike Binz. Denn im Alltag bleibe oft wenig Zeit, einfach mal mit den Katzen zu kuscheln und zu spielen. "Wir Tierpfleger haben da oft nicht die Zeit dafür, weil wir viel mit Reinigungsarbeiten beschäftigt sind in der Tierpflege. Und da freuen wir uns über die Ehrenamtlichen, die zum Katzenstreicheln kommen." Zudem helfe der Kontakt mit Menschen vor allem den ängstlichen Katzen, wieder etwas zutraulicher zu werden, sagt die Tierpflegerin.
Katzen streicheln als Ehrenamt: Wer kann das machen?
Um Katzenstreichler zu werden, braucht man laut Heike Binz keine besonderen Qualifikationen. "Wir wünschen uns, dass ein bisschen Katzenerfahrung zumindest schon da ist, dass man schon mal mit Katzen Kontakt hatte." Aber wichtiger sei die "Liebe zum Tier und Spaß dabei, den Tieren hier was Gutes zu tun."
Zum Streicheln und Spielen kommen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer mehrmals pro Woche: montags, mittwochs und freitags für eine Stunde. Zusätzliche Slots gibt es noch am Wochenende. Mindestens 14 Jahre alt sollten die Ehrenamtlichen sein, unter 18 Jahren muss eine erwachsene Person sie begleiten.
Für Paola Müller ist heute nach einer Stunde streicheln und spielen Schluss. Für sie ist klar: Sie möchte definitiv wiederkommen.