Es klingt wie ein Albtraum: Ein kleines Mädchen wurde aus dem Europa-Park-Bad Rulantica in Rust (Ortenaukreis) von einem Mann in den Wald gelockt und dort mutmaßlich sexuell missbraucht. Nach dem Tatverdächtigen wird nun international gefahndet. Das Mädchen ist laut Polizei mit großer Wahrscheinlichkeit traumatisiert.
Was können Eltern tun, damit so etwas nicht passiert? Experten geben Tipps, wie Eltern versuchen können, ihr Kind vorzubereiten und wehrhaft zu machen.
Kinder vor Missbrauch schützen: Frühzeitig stärken
"Versuchen Sie Ihr Kind frühzeitig und in klarer, altersgerechter Sprache zu stärken", rät Julia Wahnschaffe, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes Baden-Württemberg. Man solle dem Kind klarmachen, dass es gegenüber dem Fremden gar nichts tun muss und schon gar nicht mitgehen soll - egal, wie freundlich jemand wirkt oder welche Begründung derjenige nennt.
Kinder sollten verinnerlichen, dass es eine Lüge ist, wenn ihnen etwa Süßigkeiten oder niedliche Tiere fürs Mitgehen versprochen werden. So heißt es auf der Internetseite der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.
Über mögliche Notsituationen sprechen und aufklären
"Sprechen Sie regelmäßig über mögliche Situationen, ohne Angst zu machen, und zeigen Sie Ihrem Kind, an wen es sich im Notfall wenden kann, etwa an Ladenpersonal, Lehrkräfte oder die Polizei", sagt Wahnschaffe. Hilfe holen sei mutig und kein Petzen oder Verrat, betont auch die Initiative "Ich sag's!", die sich gegen sexuelle Belästigung im Schwimmbad richtet. "Das Kind soll auf sich aufmerksam machen - egal wie", sagt Hans Matheis, Leiter der Außenstelle der Opferschutz-Organisation Weisser Ring in Karlsruhe.
Kinder sollten zudem altersgemäß über sexuelle Gewalt aufgeklärt werden. "Sprechen Sie mit Kindern und Jugendlichen darüber! So brechen Sie das Tabu und erleichtern es jungen Menschen, sich anzuvertrauen", schreibt dazu das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch.
Schutz vor Kindesmissbrauch: Neinsagen muss man üben
Eltern sollten mit ihrem Kind üben, deutlich "Nein" zu sagen und sich Hilfe bei vertrauten Erwachsenen zu holen, sagt Wahnschaffe. Kinder müssten wissen, dass sie gegenüber Erwachsenen immer "Nein" sagen können und dürfen, betont auch die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. "Den Ausruf: 'Nein, das will ich nicht!', sollten Eltern mit ihren Kindern üben und auch sich selbst gegenüber akzeptieren."
Kinder sollten außerdem wichtige Notfallnummern wie die 110 oder die 112 kennen. Außerdem sollten Kinder die Telefonnummer der Eltern oder einer anderen Vertrauensperson parat haben oder aufgeschrieben bei sich tragen, heißt es bei der Initiative "Vermisste Kinder".