Schnelles Briefing, Blick in die Akten und schon ist Chefarzt Peter Oberst auf dem Weg zu einem Patienten. Visite bei Karlheinz Sobek. Er ist vor wenigen Tagen in die Klinik in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis) gekommen, weil er über Schwindel und Kopfschmerzen klagte. Außerdem war sein Blutdruck viel zu hoch.
Patient: Diskussion um Krankenhaus Mosbach ist absurd
Inzwischen weiß Chefarzt Peter Oberst, was dem Mann fehlt. "Sie haben Ablagerungen in den Halsarterien. Da müssen wir regelmäßig Kontrollen machen." Außerdem hat er den Schlaf des Patienten überprüfen lassen und dabei festgestellt, dass Karlheinz Sobek ein schweres Schlafapnoe-Syndrom hat. Ein Schlaflabor soll weitere Untersuchungen durchführen. Jetzt darf er aber erstmal das Krankenhaus verlassen. Denn seine Blutwerte sind stabil.
Karlheinz Sobek ist in der Mosbacher Klinik schon mehrfach operiert worden und war "unglaublich zufrieden", wie er sagt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ein solches Krankenhaus infrage stellt. Das ist für mich undenkbar." Dass trotzdem darüber diskutiert wird, ob es den Klinikstandort Mosbach wirklich braucht, findet er absurd.
Große Angst in der Belegschaft
In einem anderen Klinikzimmer bereitet Stationsleiterin Melissa Bauer Schmerzmittel vor. Sie schätzt die familiäre Zusammenarbeit in ihrem Team. Auch sie macht sich Sorgen um ihre Zukunft und die der Klinik.
"Es ist große Angst da. Was passiert, wenn der Standort schließt? Was passiert mit dem Team?" Melissa Bauer geht davon aus, dass dann ihr Team auseinandergerissen wird. Keine gute Aussicht für sie.
Klinik-Aus trotz neuester Technik?
Obwohl die Klinik in Mosbach keine Maximalversorgung bietet, gibt es viele Bereiche, die abgedeckt sind. Dazu zählt die Endoskopie. Dort werden beispielsweise Darm- oder auch Magenspiegelungen durchgeführt. Der Behandlungsraum ist in diesem Jahr gerade erst mit neuester Technik ausgerüstet worden.
Trotz bester Ausstattung wird über den Erhalt der Klinik diskutiert. Kornelia Kratzer hat die Gesamtleitung der Endoskopie unter sich. Bei ihr kommt dabei das Gefühl auf, dass ihre Arbeit nicht genüge: "Wir können uns abstrampeln, wie wir wollen. Unsere Problematik ist und bleibt die hohe Politik von ganz oben. Dass da einfach nichts getan wird - und das seit Jahren. Wir können so, wie es jetzt ist, unser Defizit nie ausgleichen. Und das ist sehr frustrierend."
Abbau läuft seit Jahren
Seit Jahren wird reduziert. Die Gynäkologie ist schon zu. Das Ausdünnen von Angeboten werde zum Problem, sagt Klinikgeschäftsführer Harald Löffler. "Zum einen fehlt unseren Ärzten die Übung für den Notfall und zum anderen werden wir als Arbeitgeber uninteressant." Beim Kampf ums Personal ist das nicht unwichtig.
Teure Kliniken im Neckar-Odenwald-Kreis
Um das Überleben der kreiseigenen Kliniken in Mosbach und Buchen zu sichern, hat der Neckar-Odenwald-Kreis in den vergangenen zehn Jahren mehr als 67 Millionen Euro an die Kliniken überwiesen. Das seien auf Dauer zu hohe Kosten, sagt der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Achim Brötel (CDU).
Ein kürzlich vorgelegtes Gutachten zur Zukunft der Neckar-Odenwald-Kliniken schlägt mehrere Möglichkeiten vor: den Standort Mosbach schließen und nur Buchen erhalten. Oder die Klinik Mosbach verkleinern und das Krankenhaus Buchen stärken. Bis hin zu beide Häuser schließen und zentral neu bauen.
Landrat Achim Brötel ist auch Präsident des Baden-Württembergischen und Deutschen Landkreistages. Obwohl er die Defizite für zu hoch hält: Beide Krankenhäuser seien wichtig, betonte er am Donnerstagabend in der Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg". Er sorge sich. "Es darf nicht mehr nur allein ums Geld gehen bei dem Thema. […] Krankenhäuser sind keine Wirtschaftsunternehmen. Das sind Einrichtungen der Daseinsvorsorge, die da sein müssen, wenn sie gebraucht werden."
Brötel verweist darauf, dass der Neckar-Odenwald-Kreis "ein typischer Flächenlandkreis" mit mehr als 1.100 Quadratkilometern mit weiten Wegen für alle Beteiligten sei: Patienten, Angehörige und auch den Rettungsdienst. Der Landrat befürchtet: "Wenn wir die beiden Krankenhaus-Standorte nicht halten können, die wir im Moment haben, dass da was verloren geht." Am Ende entscheidet der Kreistag.