Das Mannheimer Theresienkrankenhauses wird schrittweise geschlossen. Das teilte das Unternehmen dahinter, das Brüderklinikum Julia Lanz, vergangene Woche mit. Einige Abteilungen werden schon im kommenden Jahr in die Schwesterklinik, das Diakonissenkrankenhaus (Diako), ziehen.
Bis Ende 2027 sollen dann alle medizinischen Abteilungen des Theresienkrankenhauses geschlossen und umgezogen sein. Das Theresienkrankenhaus hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 29.600 Patientinnen und Patienten ambulant und 14.500 Fälle stationär versorgt.
Theresienkrankenhaus schließt - Betriebsbedingte Kündigungen
Nach Angaben des Klinikums werden bis zu 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Ende Oktober sollen die Sozialplanverhandlungen mit den Mitarbeitervertretungen starten.
Elke Faulhaber arbeitet seit mehr als 40 Jahren im Theresienkrankenhaus. Angefangen hat sie damals als Praktikantin, darauf folgte ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und die Ausbildung in der Pflege. Inzwischen arbeitet sie als Assistenz in der Pflegedirektion.
Das war 42 Jahre lang meine Welt. (...) [Das ist] meine zweite Heimat. (...) Hier wurde gelacht, geweint und gestorben. Das nimmt mich schon ein bisschen mit.
Zusammenlegung eigentlich bis 2029 geplant
"Aufgrund der wirtschaftlichen Situation ist die Zusammenführung der stationären Versorgung deutlich früher notwendig als geplant", teilte das Klinikum auf SWR-Anfrage mit. Ursprünglich sollte die Zusammenlegung der beiden Mannheimer Krankenhäuser bis 2029 erfolgen. Auch deshalb hätten die neuesten Pläne Elke Faulhaber nicht "so verwundert". "Ich habe im Vorfeld schon gesehen, was abgeht. Wenn es ausgesprochen ist, macht es aber trotzdem etwas mit einem persönlich", erzählt sie im SWR-Interview.
Das merkt man auch hier im Haus. (...) Jeder ist ängstlich.
Im Theresienkrankenhaus würden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel untereinander austauschen, so Faulhaber. Sie sprechen über ihre Sorgen, fordern Gespräche ein. Elke Faulhaber selbst geht in spätestens fünf Jahren in Rente. Sie wünscht sich, dass sie am Diako wie bisher eine gute Pflege im Lindenhof machen können. Sie möchte sich auf die Zukunft fokussieren, statt an der Vergangenheit festzuhalten. "Es muss weitergehen und es soll besser weitergehen", so Faulhaber.
Mannheims OB Specht: "Sehr traurige und schwierige Nachricht"
Von den schnellen Schließungsplänen sei Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) überrascht worden.
Für uns ist das eine sehr traurige und schwierige Nachricht.
Als eine von wenigen Städten habe die Stadt Mannheim nur noch zwei Krankenhausträger. "Wenn jetzt ein zweiter Träger in so einer schwierigen Lage ist, dann ist es auch unsere Aufgabe, mit dem Träger zu überlegen, inwieweit wir dort unterstützend tätig werden können," so Specht gegenüber dem SWR. Es gehe darum, die Arbeitsplätze zu erhalten und die Versorgung in Mannheim sicherzustellen.
Vertreter der Stadt Mannheim haben zusammen mit dem Sozialministerium eine Taskforce eingesetzt, um "die Gesundheitsversorgungsstrukturen - gerade auch in der Grund- und Regelversorgung - aufrecht erhalten und gewährleisten zu können", so Specht weiter.
Notfallversorgung am Diako in Mannheim soll ausgebaut werden
Auch die Verantwortlichen des Brüderklinikum Julia Lanz betonten auf Anfrage, dass es ihnen ein Anliegen sei, "die Notfallversorgung in Mannheim weiter auf einem hohen medizinischen Niveau für die Menschen in der Stadt sicherzustellen". Deshalb soll die Notfallversorgung am Diako ausgebaut werden. "Hierzu befinden wir uns bereits in Gesprächen mit der Stadt Mannheim und dem Ministerium Stuttgart. Die dazu erforderlichen Schritte bereiten wir gerade vor", so das Klinikum weiter.