Versorgung mit Hausärzten in Baden-Württemberg

Landarztquote für Medizin-Studenten: Fast jeder zehnte Platz nicht mehr besetzt

Mit einer Landarztquote bei Medizin-Studenten will die Landesregierung die Hausarztversorgung auf dem Land verbessern. Zahlreiche bestehende Quoten-Plätze sind aber nicht mehr besetzt.

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Von Autor/in Boris Bauer

Im baden-württembergischen Landarzt-Programm ist fast jeder zehnte geschaffene Platz nicht mehr mit Studierenden aus dem Programm besetzt. Das hat das Gesundheitsministerium auf SWR-Anfrage mitgeteilt.

Mit dem Landarzt-Programm kann man Medizin studieren auch ohne besonders guten Abi-Schnitt. Bedingung: Danach muss man zehn Jahre als Hausarzt in einer Gegend arbeiten, in der Hausärzte fehlen, meist in ländlichen Regionen.

Im Moment besonders vom Hausärztemangel betroffen sind etwa Landkreise wie Rottweil, Waldshut und Lörrach. Das geht aus dem Versorgungsbericht 2025 der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg hervor.

375 Landarzt-Studienplätze vergeben

Um solche Regionen künftig besser mit Hausärzten zu versorgen, wurden seit dem Jahr 2021 bisher 375 Landarzt-Studienplätze vergeben. Inzwischen sind 32 Studierende abgesprungen, gut 8,5 Prozent. Diese Abbrecher-Quote sei ähnlich wie im Medizinstudium insgesamt, erklärte das Regierungspräsidium Stuttgart, das die Plätze vergibt. Gründe für einen Abbruch könnten zum Beispiel nichtbestandene Prüfungen, Geldprobleme oder andere persönliche Gründe sein. Genau wisse man das im Einzelfall nicht. Eine Nachbesetzung der Studienplätze im Rahmen der Landarzt-Quote sei nicht vorgesehen. Die Plätze würden wie sonst im Medizin-Studium üblich von den Universitäten nachbesetzt.

Die Landarztquoten-Plätze verteilen sich auf die Medizin-Unis im ganzen Land: In Freiburg studieren im Moment 72 Landarzt-Studentinnen und Studenten, in Heidelberg 65, in Mannheim 54, in Tübingen 74 und in Ulm 76.

Özdemir und Hagel für Ausweitung des Programms

In der SWR-Sendung "Debatte" zur Landtagswahl hatten sich die Spitzenkandidaten von Grünen und CDU, Özdemir und Hagel, dafür ausgesprochen, das Landarzt-Programm auszuweiten. Özdemir schlug vor, das Programm auf Kinderärzte zu erweitern. Hagel stimmte ihm zu. Zahlen nannten beide nicht.

15 Millionen Euro Kosten pro Jahrgang

Auf SWR-Anfrage erklärte das baden-württembergische Wissenschaftsministerium, die Kosten für einen Medizin-Studienplatz der Landarzt-Quote seien mit 200.000 Euro kalkuliert worden, gerechnet über die gesamten sechs Jahre Studienzeit. Pro Jahrgang mit 75 Plätzen seien das 15 Millionen Euro. Die Kosten für zusätzliche Studienplätze müssten wegen der Preisentwicklung angemessen erhöht werden, so das Ministerium. Hinzu kämen zusätzliche Kosten für Hörsäle, Laborplätze etc. Alle fünf Medizin-Unis im Land seien in der Lage, Entscheidungen einer künftigen Landesregierung zügig umzusetzen. Voraussetzung: Der Landtag stelle das benötigte Geld dafür bereit.

Derzeit kann man sich wieder auf das Landarzt-Programm bewerben, die Frist endet am 31. März. Vergangenes Jahr kamen auf 75 Plätze mehr als 350 Bewerbungen, im Jahr 2024 waren es 390.

Ein großer Teil der Bewerberinnen und Bewerber hat nach Angaben des Regierungspräsidiums schon ein Ausbildung in einem gesundheitsnahen Beruf. Im vergangenen Jahr hatten etwa 30 Prozent so ein Ausbildung, im Jahr 2024 waren es sogar 43 Prozent.

Frühestens 2032 können Teilnehmer als Hausärzte arbeiten

Bis die ersten Hausärzte aus dem Programm arbeiten, wird es noch Jahre dauern. Nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart werden im laufenden Jahr die ersten Studierenden aus dem Landarzt-Programm ihr zweites Staatsexamen ablegen. Es folgt das Praktische Jahr, frühestens Ende 2027 legen Studierende dann das dritte Staatsexamen ab. Letztendlich werden Approbationen erteilt, die ehemaligen Studierenden dürfen dann als Ärzte arbeiten.

Danach steht aber noch die Facharzt-Ausbildung an. Als Hausärzte gelten Allgemeinmediziner und Internisten, die hausärztlich arbeiten. Die Ausbildung dazu dauert mindestens fünf Jahre, so die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Bedeutet: Frühestens 2032 werden die ersten Studierenden aus dem Landarzt-Programm tatsächlich als Hausärzte arbeiten können.

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Boris Bauer
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Lorenz Zeck
SWR-Redakteur Lorenz Zeck

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