Mehrere Tote aus BW bei Lawinenunglücken

Lawinengefahr: Was muss ich in den Bergen beachten?

Starke Schneefälle sorgen derzeit für Lawinengefahr in den Alpen. In der vergangenen Woche gab es mehrere Tote durch Lawinenabgänge. Wie können sich Wintersportler schützen?

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Stand

Von Autor/in Joana Kerschbaum

Meldungen von Lawinenunglücken haben in den vergangenen Wochen immer wieder für Bestürzung gesorgt. Am Wochenende verunglückten mehrere Personen in der Schweiz und in Norditalien. Auch Menschen aus Baden-Württemberg sind vergangene Woche bei Lawinenabgängen gestorben.

In den Alpen gilt teils immer noch die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Wir haben mit Experten gesprochen, worauf es ankommt, um bei der aktuell erhöhten Lawinengefahr Wintersport sicher genießen zu können.

Wo herrscht Lawinengefahr?

Lawinen entstehen laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe dann, wenn in Hanglagen neuer Schnee auf der abgelagerten Schneeschicht nicht genügend Halt findet. Der Neigungswinkel des Hangs und die Bodenbeschaffenheit, aber auch das Wetter können Lawinen begünstigen. Das ist aktuell in den Alpen der Fall. Starker Schneefall und Wind haben dort in den vergangenen Tagen für eine angespannte Lawinenlage in den Wintersportregionen gesorgt. Auch im Schwarzwald herrschte in der vergangenen Woche Lawinengefahr. Betroffen waren vor allem Gebiete rund um den Feldberg. Mittlerweile gab es hierfür aber ein Entwarnung der Bergwacht für das Lawinenrisiko.

Welche Lawinenwarnstufen gibt es?

In Europa gilt eine einheitliche Lawinengefahrenskala mit fünf Warnstufen. Diese reichen von Stufe 1 (gering) bis Stufe 5 (sehr groß). Bei Stufe 1 ist die Schneedecke allgemein stabil, Lawinen sind kaum zu erwarten. Ab Stufe 3 (erheblich) steigt das Risiko jedoch deutlich. Stufe 4 (groß) und Stufe 5 (sehr groß) stehen für akute Gefahr, bei der Lawinen spontan abgehen können.

Wie wird in Skigebieten vor Lawinen geschützt?

Vor Ort wird die Lawinenlage von Skigebietsbetreibern und Gemeinden jeden Tag eingeschätzt, sagt Raimund Wimmer von der Bergwacht Württemberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Entsprechend werden zum Beispiel Lawinenlageberichte herausgegeben, Warntafeln aufgestellt, Pisten freigegeben oder auch gesperrt. Wichtig sei es, dass Wintersportlerinnen und -sportler den Einschätzungen der Experten vor Ort vertrauen. Denn sie kennen die Gegebenheiten vor Ort und ziehen Faktoren wie Hangneigung, die Beschaffung der Schneedecke und das Wetter in Betracht.

Die Behörden in Vorarlberg in Österreich haben am Sonntag zusätzlich eine Lawinenwarnung über das Handynetz verschickt. So sollten auch Skitouristen vor Lawinen gewarnt werden, sobald sie die Landesgrenze überqueren.

Was sollte ich beim Skifahren und Snowboarden beachten?

"Im besten Fall den gesicherten Skiraum nicht verlassen", sagte Martin Burger, Leiter der Bergrettung Vorarlberg am Donnerstag. Skitourengänger sollten laut Wimmer die Touren vorher gut planen und sich mit dem Gelände sowohl vorab als auch vor Ort vertraut zu machen. Außerdem sei es sehr wichtig, sich gut über die aktuelle Wetter-, Schnee- und Lawinenlage des genauen Zielorts zu informieren.

Baden-Württemberg

Warnung für Wintersportler Lawinengefahr in den Alpen und im Schwarzwald: Wie verhalte ich mich richtig?

Nach mehreren Lawinenabgängen herrscht in Vorarlberg weiterhin große Lawinengefahr. Auch im Schwarzwald warnt die Bergwacht vor einem erhöhtem Risiko.

Was muss ich beachten, wenn ich abseits der Piste fahre?

Wer sich abseits der Piste bewegen will, sollte laut Wimmer vorsichtig sein - auch wenn der Bereich nicht gesperrt ist. Vor Ort könne man sich noch über die Gegebenheiten abseits der Piste informieren. Wichtig sei es, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen: "Mit Köpfchen Ski fahren gehen - das ist das A und O." Und von gesperrten Pisten, solle man sich fernhalten. Schließlich seien die nicht ohne Grund gesperrt.

Zudem sei eine Notfallausrüstung abseits der Piste ein "Must Have". Dazu gehört ein eingeschaltetes Lawinenverschütteten-Suchgerät (LVS), Sonde, Schaufel und, wenn möglich, ein Lawinenairbag-Rucksack. Der soll im Notfall bei einem Lawinenabgang den Auftrieb erhöhen, sodass die betroffene Person möglichst an der Oberfläche bleibt und ein vollständiges Verschütten verhindert wird. Das LVS sollte laut Wimmer am Körper getragen werden und nicht etwa in einem Rucksack, der bei einer Lawine weggerissen werden könnte.

Was tun bei einem Lawinenabgang?

Sollte man von einem Lawinenabgang betroffen sein, ist es laut Wimmer vor allem wichtig, sich erst mal selbst in eine möglichst sichere Lage zu begeben. Es könne jederzeit Nachlawinen geben, deswegen müsse man den Hang immer beobachten. Sollten Menschen bei der Lawine verschüttet worden sein, sei es besonders wichtig, sich den Verschwindepunkt möglichst gut zu merken. Also die Position an der die verschüttete Person zuletzt gesehen wurde, bevor sie von einer Lawine überrollt wurde.

Der Verschwindepunkt ist ein wichtiger Ansatz für die Suche nach Lawinenopfern. So schnell wie möglich sollte auch ein Notruf abgesetzt werden (112, europaweit). Erst dann sollte man verschütteten Personen helfen. Das Wichtigste dabei ist laut Wimmer sich nicht selbst in Gefahr zu begeben und den eigenen Fähigkeiten entsprechend zu handeln.

Sieht man einen Lawinenabgang von weitem, sollte man das den Behörden vor Ort melden und die Beobachtungen genau zu beschreiben.Wurden betroffene Personen gesehen oder deutet irgendetwas (z.B. Skispuren) auf die Verschüttung von Personen hin? Auch die Polizei appelliert: Wer abseits der Piste unterwegs ist, soll sich bei einem Lawinenabgang sofort melden. So könnten unnötige Suchaktionen vermieden werden.

Kann ich bei erhöhter Lawinengefahr Ski fahren gehen?

Grundsätzlich ja. Wenn man auf den freigebenen Pisten bleibt, müsse man in der Regel keine Angst haben, sagt Wimmer von der DRK Bergwacht Württemberg. Trotzdem solle man - vor allem bei einer erhöhten Lawinengefahr - immer aufmerksam und vorsichtig sein, auf die Lageberichte und Anweisungen vor Ort achten und gesperrte Gebiete und Pisten unbedingt meiden.

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Joana Kerschbaum
Bild von SWR-Redakteurin Joana Kerschbaum

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