Dass es manchmal lange dauert, pünktlich anzukommen, daran haben sich viele Bahnkunden längst gewöhnt. Doch dass man gar nicht vom Gleis wegkommt? Oder von der Feuerwehr gerettet werden muss? In Meckesheim kann das durchaus passieren. Bei der Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis häufen sich die Beschwerden über einen Aufzug der Deutschen Bahn, der immer wieder stecken bleibt. Der Bürgermeister hat jetzt die Notbremse gezogen.
"Hilflos und ohnmächtig" auf Gleis 3
Lucia Lanäus fährt häufig von Bammental (Rhein-Neckar-Kreis) mit der Bahn nach Meckesheim. Dort ist ihr Arzt und der Sanitätsdienst, der sich um ihren elektrischen Rollstuhl kümmert. Die 68-Jährige ist darauf angewiesen, als Kind hatte sie Kinderlähmung. Eigentlich, sagt sie, sei sie hart im Nehmen und ein fröhlicher Mensch. Kürzlich sei ihr aber der Kragen geplatzt. Denn der Aufzug der Bahn, den sie nehmen muss, um vom Gleis 3, wo sie ankommt, zum Arzt in Meckesheim zu kommen, war defekt - nicht zum ersten Mal. Mit dem schweren Rollstuhl und den steilen Treppen hatte sie keine Chance. Ihr Arzt, dessen Praxis direkt neben dem Bahnhof Meckesheim liegt, habe ihr aus dem Fenster zugewunken.
Dann habe sie die Servicenummer am Aufzug angerufen. Dort habe man ihr gesagt, sie müsse sich eben vorher informieren, ob der Aufzug funktioniert, bevor sie losfahre. Geholfen habe die Bahn nicht. Letztendlich habe sie unverrichteterdinge wieder nach Hause fahren müssen. "Hilflos und ohnmächtig" habe sie sich gefühlt, sagt die ausgebildete Informatikerin. "Da kämpft man darum, selbstständig zu sein, und dann wird man so hängen gelassen." Außerdem gebe es ja auch viele ältere Menschen mit Rollator, Reisende mit schweren Koffern, Kinderwagen, Fahrrädern.
Von der Feuerwehr aus dem Aufzug gerettet
Es geht aber noch schlimmer. Schon im letzten Jahr sei der Aufzug einige Male steckengeblieben, erzählt Maik Brandt (CDU), der Bürgermeister von Meckesheim. Ende des Jahres wurde er von der Bahn ausgetauscht, das habe aber nicht geholfen. Seit Januar seien schon wieder Menschen im Aufzug festgesessen. Drei Mal habe die Freiwillige Feuerwehr Meckesheim ausrücken und die Eingeschlossenen, darunter auch Jugendliche und Kinder, per Notentriegelung aus dem Aufzug holen müssen. Die 15-jährige S. berichtete dem SWR, dass es eine halbe Stunde gedauert habe, bis sie wieder frei kam. "Ich habe richtig Angst gehabt", sagt sie.
René Faul, der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Meckesheim, bestätigt, dass es immer wieder Einsätze wegen des defekten Aufzugs gegeben hat. Seine Kollegen würden schon Witze machen, dass das Schloss für die Notentriegelung allmählich ausgeleiert sei. Lustig sei das Ganze aber nicht, schon gar nicht für die Betroffenen. Manche würden Panik oder Luftnot bekommen, das könne bis hin zu medizinischen Notfällen gehen. Die Feuerwehr, sagt er, hilft gern. Aber sie sei ja nicht der Aufzugsservice der Deutschen Bahn.
Bürgermeister will Einsätze der Bahn in Rechnung stellen
Maik Brandt, der Bürgermeister von Meckesheim, will jetzt die Notbremse ziehen. Immer wieder habe man die Bahn gebeten - schriftlich und telefonisch - doch endlich den Aufzug reparieren zu lassen. Immer wieder habe es geheißen, das seien technische Probleme, man arbeite daran. Brandt meint, er wolle das den Menschen nicht länger zumuten. Weil die Feuerwehreinsätze im Aufzug von der Gemeinde bezahlt werden, will er sie der Bahn nun in Rechnung stellen. Auch rückwirkend. Alles in allem rechnet er mit Kosten von ein paar Tausend Euro.
Bahn bittet um Entschuldigung
Auf Anfrage des SWR räumt eine Sprecherin der Bahn schriftlich ein, dass der Aufzug in Meckesheim zeitweise nicht zuverlässig funktioniert habe. Hierfür bitte man die betroffenen Bahnkunden "vielmals um Entschuldigung". Der Hersteller habe die Fehlerquellen inzwischen "erkannt und behoben". Der Aufzug funktioniere jetzt störungsfrei. Zu den Feuerwehreinsätzen heißt es: "Die daraus resultierenden Kosten übernimmt die Bahn kulant." Wenn der Alarmknopf im Aufzug gedrückt werde, sei eine Eingreifszeit von 30 Minuten vorgegeben. Bis dahin müsse der beauftragte externe Dienstleister vor Ort sein, um die Personen zu befreien. Falls erforderlich könne die Feuerwehr hinzugezogen werden.
Feuerwehr musste schon wieder ausrücken
Und die musste bereits am vergangenen Sonntag (1. März) zu einem weiteren Fahrstuhl-Einsatz. Nach Angaben der Freiwilligen Feuerwehr Meckesheim ging es dieses Mal am späten Sonntagvormittag für einen männlichen Rollstuhlfahrer nicht mehr weiter.
Defekte Aufzüge auf Bahnhöfen kein Einzelfall
Auch bei Lucia Lanäus hat sich die Bahn schriftlich entschuldigt. Außerdem hat sie ihr die App Bahnhof.de empfohlen. Inzwischen lässt sich die Rollstuhlfahrerin per Push-Nachricht auf ihrem Mobiltelefon informieren, wenn ein Aufzug auf einem ihrer Zielbahnhöfe defekt ist. Dann weiß sie wenigstens vorher, dass sie dort mit der Bahn nicht hinfahren kann. Barrierefrei ist das nicht, sagt sie, und findet das frustrierend. Seit sie die App nutzt, hat sie nämlich festgestellt, dass nicht nur Meckesheim betroffen ist. Regelmäßig melden unter anderem auch die Bahnhöfe Sinsheim und Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis) defekte Aufzüge.