"Lohnbrauen" als Erfolgskonzept

Bier in der Krise: Wie zwei Heidelberger dem Trend trotzen

Der Biermarkt schrumpft - bundesweit und im Land. In der Region muss mit Eichbaum eine große Traditionsbrauerei schließen. Trotzdem setzen zwei junge Heidelberger auf Bier. Warum?

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Stand

Der Bierabsatz in Baden-Württemberg ist rückläufig: 2025 ist er um etwa 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Laut dem Landesverband der Bierbrauer gibt es dafür vor allem einen Grund: Ein verändertes Konsumverhalten in der Bevölkerung. Das sei einerseits auf die allgemeine wirtschaftliche Lage, andererseits auf Gesundheitstrends zurückzuführen. Für die Brauereien eine Belastung, die ergänzt wird durch gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Jüngstes Beispiel für die Bier-Krise: Das Ende der Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum. In Heidelberg drängen zwei junge Unternehmer trotzdem auf den Markt.

Bier-Start-up aus Heidelberg startet in der WG-Küche

"Heerlijk" ist niederländisch und bedeutet übersetzt herrlich. Und so heißt das Bier der beiden 29-jährigen Unternehmer Oliver Matlok und Moritz Stock, die sich im Lehramtsstudium kennengelernt haben. Angefangen in der WG-Küche und mit dem händischen Abfüllen einzelner Flaschen, versorgen sie damit mittlerweile etwa 60 Gastronomien und Einzelhändler in und um Heidelberg. Trotz Abwärtstrend in der Branche sind sie mit ihrem Konzept derzeit erfolgreich. Dabei setzen sie in der Herstellung auf das sogenannte "Lohnbrauen". Sie lassen sich ihr Bier nach eigenem Rezept von größeren Brauereien herstellen und nutzen deren freie Kapazitäten im Betrieb. Stock betont, dass das Unternehmen selbst nicht in der Lage sei, die Infrastruktur einer eigenen Brauerei aufzubauen. Deshalb konzentriere man sich auf die Marke selbst: "Wir sind keine gelernten Braumeister. Wenn wir selbst brauen würden, würde das Bier nicht besser werden."

Moritz Stock und Oliver Matlock von "Heerlijk"-Bier
Moritz Stock (links) und Oliver Matlok (rechts) von "Heerlijk" arbeiten seit 2018 zusammen.

Brauerei Welde als wichtiger Partner

Der wichtigste Partner für Matlok und Stock: Die Brauerei Welde in Plankstadt (Rhein-Neckar-Kreis). Der Familienbetrieb braut etwa 100.000 Hektoliter eigenes Bier im Jahr. Wenn der Plan der "Heerlijk"-Gründer aufgeht, lassen sie von Welde und weiteren Brauereien in diesem Jahr etwa 1.000 Hektoliter herstellen und abfüllen. Max Spielmann führt das Unternehmen in Plankstadt in neunter Generation. Für ihn sei die Zusammenarbeit mit Matlok und Stock ein Gewinn. Er betont aber auch, dass das Lohnbrauen nicht in jeder Konstellation Sinn ergebe: "Es kann einerseits dazu führen, dass Kapazitäten weiter ausgelastet werden und so ein Standort gesichert wird. Es kann aber auch sein, dass Brauereien sich in eine starke Abhängigkeit von einzelnen, großen Auftraggebern begeben."

Das Heidelberger Bier-Start-up sieht Spielmann als Partner und nicht als Konkurrenz. Man arbeite bewusst mit aufstrebenden Projekten aus der Region zusammen. Die "Heerlijk"-Gründer haben es laut Spielmann geschafft "in einem schwierigen Marktumfeld eine junge, zielgruppengerechte Marke zu platzieren". Als Familienbrauerei verstehe man das als Belebung der Bierkultur in der Rhein-Neckar-Region und damit als Bereicherung - auch in Hinblick auf den Erfolg internationaler Großkonzerne.

Max Spielmann, Geschäftsführer der Brauerei Welde
Max Spielmann führt die Brauerei Welde in neunter Generation.

Heidelberger Bier-Start-up: "Wollen nah an der Zielgruppe sein"

Die "Heerlijk"-Gründer setzen neben ihrem Bier auch auf zwei eigene Gastronomien, einen Shop und zahlreiche Events in Heidelberg. "Wir versuchen nah an unserer Zielgruppe zu sein und uns zu überlegen, was die Leute brauchen", so Oliver Matlok. "Unser Bier ist dann eigentlich nur der Begleiter dafür." Man versuche Orte zu schaffen, an den Menschen zusammenkommen. Eine weitere Erklärung für den Erfolg könnte laut Moritz Stock auch die Flexibilität der Unternehmer sein: "Wir versuchen nicht an Strukturen festzuhalten. Wenn wir merken, dass etwas nicht angenommen wird, schmeißen wir es raus." Ein Gegenmodell zu großen Brauereien, das wohl nur im kleinen Rahmen so radikal möglich ist.

Alkoholfreie Biere gehören zum Sortiment

Dass sie sich trotz schwierigen Zeiten für Bier entschieden haben, liegt laut Matlok und Stock nicht nur daran, dass sie selbst in ihrer WG gebraut haben. "Bier hat eine niedrige Einstiegsschwelle. Es ist nicht so teuer wie Cocktails, jeder kann da mitgenießen", so Matlok. Dass die jüngeren Generation ein stärkeres Bewusstsein für die Risiken des Alkoholkonsums haben, spüren die Heidelberger. Man habe deswegen mehrere alkoholfreie Biere im Sortiment und möchte sich laut eigener Aussage nicht verwehren, noch mehr alkoholfreie Angebote zu schaffen.

Reich werden sei laut Oliver Matlok und Moritz Stock nie die Motivation für das Projekt gewesen. Man plane zudem keine Expansion über die Region hinaus - der lokale Bezug sei laut den Heidelbergern ein zentraler Teil ihrer Philosophie. Innerhalb der Stadt nehmen immer mehr Supermärkte das Bier ins Sortiment auf. Von einer Bier-Krise ist bei "Heerlijk" noch wenig zu spüren.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Vuk Dajović
Vuk Dajović
Sarah Hennings
Sarah Hennings, SWR Studio Mannheim

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