Für Professor Frank Winkler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) war es ein normaler Arbeitstag, als er die E-Mail bekam, in der ihm mitgeteilt wurde, dass er mit dem Brain Prize ausgezeichnet wird. Seit mittlerweile 15 Jahren beschäftigt er sich zusammen mit seinem Team mit der Erforschung von Hirntumorzellen.
Die bahnbrechenden Erkenntnisse, die ihm jetzt den renommierten Forschungspreis einbringen, hat er vor sechs Jahren gemacht: Er hat herausgefunden, dass bösartige Tumorzellen mit gesunden Nervenzellen kommunizieren. Diese Interaktion zwischen Nerven- und Krebszellen beschleunigt das Wachstum der Tumore und macht eine Heilung nahezu unmöglich.
Winklers Erkenntnisse machen Hoffnung auf neue Behandlungsansätze. Die Idee: Die Kommunikation der bösartigen Tumorzellen wird gestört - und dadurch der Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar ganz gestoppt.
Durch die Entdeckung, dass unser Nervensystem einen ganz massiven Einfluss auf die Entstehung, Ausbreitung, Wachstum und Resistenzbildung von Krebserkrankungen hat, können neue Ideen und Ansätze für eine neue Säule der Krebstherapie entstehen.
Arzt, Lehrperson und Forscher in Heidelberg
Der Forscher arbeitet als Neurowissenschaftler an der Medizinischen Fakultät Heidelberg, am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD). Als wissenschaftlich tätiger Arzt betreut und behandelt er täglich Patientinnen und Patienten mit Hirntumoren.
Ich fühle mich unglaublich geehrt und bin dankbar, dass dieser zweigleisige Ansatz nun eine so großartige Anerkennung erfährt.
Krebszellen als "Taktgeber" im Gehirn
Frank Winkler und sein Team untersuchen vor allem hochgradig aggressive, tödliche Hirntumore - Glioblastome. Betroffene, die an diesem Tumor erkranken, sterben in der Regel innerhalb von zwei Jahren. 2015 hat Frank Winkler bereits entdeckt, dass die Tumorzellen wie ein Pilzgeflecht wachsen.
Vier Jahre später hat er mit seinem Team gezeigt, wie die Tumorzellen Kontakt mit gesunden Nervenzellen eingehen und von diesen Signale empfangen. Das beschleunigt das Wachstum der Tumore massiv. Einige von ihnen entwickeln sich als sogenannte "Taktgeber" und treiben die Ausbildung von pilzartigen Tumorgeflechten an. Dadurch ist das Tumornetzwerk stärker und widerstandsfähiger gegen Bestrahlungen und Chemotherapie. Diese Erkenntnisse lassen neue Therapiestrategien zu.
Verleihung des Brain Prizes vom dänischen König
Der Brain Prize gilt als der wichtigste neurowissenschaftliche und neuromedizinische Forschungspreis weltweit. Der Neurowissenschaftler teilt sich den Preis mit der Professorin Michelle Monje. Sie erforscht an der Stanford University in den USA irreparable Hirntumore von erkrankten Kindern.
Die Auszeichnung bekommen die beiden Wissenschaftler im Mai 2025 vom dänischen König Frederick X. in Kopenhagen verliehen. Frank Winkler plant, das Preisgeld für wohltätige Zwecke einzusetzen und hat gemeinsam mit seiner Frau die Aktion "Demokratie braucht Fakten. Wissenschaft braucht Demokratie" gegründet.
Diese Auszeichnung belegt erneut die Exzellenz unserer Forschenden im Land, gerade auch am Medizin-Standort Heidelberg: Hier wirken universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zum Wohle der Patientinnen und Patienten besonders erfolgreich zusammen.