Beim Internationalen Filmfestival Mannheim Heidelberg war am Donnerstag die Nacht der Preisverleihungen. Erstmals wurde innerhalb der feierlichen Zeremonie auch der Deutsche Dokumentarfilmpreis in drei Kategorien verliehen. Der Hauptpreis wird seit 2003 gemeinsam vom Südwestrundfunk und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) vergeben und ist mit 20.000 Euro dotiert. Er ging in diesem Jahr an den Filmregisseur Daniel Abma für den Dokumentarfilm "Im Prinzip Familie".
Der Dokumentarfilm ist die Königsklasse des Journalismus.
Hauptpreis geht an "Im Prinzip Familie"
Filmemacher Daniel Abma hat fünf Jahre lang für seinen Film recherchiert. Er dokumentiert den Alltag von zwei Erziehern und einer Erzieherin, die mit fünf Jungen in einem Haus am See - wo genau wird nicht gesagt - zusammen leben. Denn die Jungen, die zwischen 7 und 15 Jahre alt sind, können aus verschiedenen Gründen nicht bei ihren Angehörigen bleiben.
Es sind die Erzieher, die ihnen das geben, was sie am meisten brauchen: Geborgenheit, Orientierung, ein Zuhause. Sie sind "im Prinzip Familie". Der Film liefert einen seltenen und berührenden Einblick in das Leben in der Wohngruppe, zeigt Verzweiflung, Trauer und Wut, aber auch enormes Engagement und Momente großer Verbundenheit. Die Begründung der Jury: "'Im Prinzip Familie' zieht sein Publikum von der ersten Szene an in seinen Bann und lässt es bis zum Schluss nicht mehr los. Immer changierend zwischen Distanz und Nähe." Mitglieder der Hauptjury waren die Schauspielerin und Schriftstellerin Adriana Altaras, der Dokumentarfilm-Regisseur und Produzent Stefan Eberlein, die Filmproduzentin Saskia Kress, die Journalistin Dunja Ramadan und der Journalist Martin Thür.
Musikpreis des SWR für "Sisterqueens"
Den mit 5.000 Euro dotierten und vom SWR gestifteten Musikpreis bekam die Regisseurin Clara Stella Hüneke für ihren Dokumentarfilm über ein Rap-Projekt im interkulturellen Mädchenzentrum Mädea in Berlin.
Ich glaube, wir können ein wichtiges Zeichen setzen, dass dieses Genre uns unglaublich am Herzen liegt und dass es gefördert werden muss.
Bei "Sisterqueens" lernen die Mädchen und jungen Frauen unter Anleitung erfahrener Rapperinnen, eigene Texte zu schreiben, ihre Stimme zu nutzen und sich auf der Bühne auszuprobieren.
Der Film zeigt, wie viel Kraft, Selbstbewusstsein, Gemeinschaftsgefühl, aber auch politisches Bewusstsein die drei Protagonistinnen Jamila, Rachel und Faseeha daraus ziehen. In der Jury waren die Musikerin, Komponistin und Hochschuldozention Fola Dada, der Musiker, Dirigent und Komponist Rainer Homburg und der Preisträger des vergangenen Jahres Jan Heck. "Sisterqueens" inspiriere dazu, aus der eigenen Blase herauszutreten, sich selbst zu finden und einander zu unterstützen, heißt es unter anderem in der Begründung.
Förderpreis für "Tell them about us - Über uns von uns"
Den mit 3.000 Euro dotierten Förderpreis vom Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart erhielt Rand Beiruty für ihren Dokumentarfilm "Tell Them about us". Ein Film über sieben geflüchtete Mädchen und Einwanderinnen, die in Eberswalde ein neues Leben beginnen.
Sie verarbeiten ihre Erfahrungen kreativ durch Schreiben, Musik und Schauspiel. Die Hauptjury lobt, dass hier nicht über Geflüchtete gesprochen werde, sondern sie selbst die Erzählerinnen sind. "Die jungen Frauen wollen Raum in dieser neuen Welt für ihre eigenen Träume. Rand Beiruty gibt ihnen diesen Raum - vorbehaltlos, das macht diesen Film so wertvoll."