Weniger Zucker, mehr Bewegung

Diabetes-Herbsttagung in Mannheim: Wie Prävention gelingen kann

In Manheim haben sich am Freitag und Samstag mehr als 4.000 Expertinnen und Experten zur Diabetes-Herbsttagung getroffen. Sie diskutierten auch über Möglichkeiten der Prävention.

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Von Autor/in Dagmar Kwiatkowski

Gut neun Millionen Menschen leiden bundesweit an Diabetes, die meisten von ihnen an Diabetes Typ 2. Was kann jede und jeder selbst tun, um gar nicht erst an Diabetes zu erkranken? Das war eines der Schwerpunktthemen, mit denen sich über 4.000 Expertinnen und Experten am Freitag und Samstag bei ihrer Herbsttagung in Mannheim beschäftigt haben.

Bei Jowitha Reil begann es mit Schwangerschaftsdiabetes

Jowitha Reil ist bereits lange an Diabetes erkrankt. Begonnen hat für die 47-Jährige alles mit ihrem Schwangerschaftsdiabetes. Das ist jetzt über zwanzig Jahre her. Seit kurzem liegt sie wieder im Universitätsklinikum in Heidelberg.

Patientin Jowitha Reil mit Gespräch mit ihrer Ärztin Julia Szendrödi.
Patientin Jowitha Reil mit Gespräch mit ihrer Ärztin Julia Szendrödi.

Dort wird eine Wunde am Fuß versorgt, die einfach nicht heilen will - das Knochenmark ist entzündet. Fortbewegen kann sie sich derzeit nur mit ihrem elektrischen Rollstuhl, allenfalls ein paar wenige Schritte kann sie gehen. Diese Wundheilungsstörung ist eine Folge ihres Diabetes. Damit sich die Wunde nicht weiter vergrößert, wird Jowitha Reil demnächst ein Teil des betroffenen Fußes amputiert.

Diabetes mit Folgen: Ärzte setzen auf Prävention

Eine notwendige Amputation von Gliedmaßen ist eine von zahlreichen möglichen Komplikationen und Folgen der Diabeteserkrankung. Deshalb der Appell der Ärztinnen und Ärzte auch anlässlich der Herbsttagung im Mannheimer Congress Center Rosengarten: Ein gesunder Lebensstil ist die beste Prävention.

Am wichtigsten ist die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten selber, also dass Patienten selber wissen, wo ist mein Risiko und [...] welche Endpunkte kann ich damit dann auch wirklich verhindern.

Basis eines gesunden Lebensstils: die Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung bildet laut Tagungspräsident Karsten Müssig die Grundlage. Denn sie verhindert Übergewicht, stabilisiert den Blutzucker, verbessert die Wirkung des Insulins und sorgt dafür, dass man weniger Medikamente braucht.

Weniger Zucker und Fast Food, mehr Gemüse, Vollkorn und gesunde Fette.

Diabetes Typ 2: Immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen

Übergewicht und Adipositas als Risikofaktor für Diabetes nehmen auch bei Kindern zu. Knapp zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren haben Übergewicht, etwa sechs Prozent Adipositas. Rund 1.000 von ihnen waren demnach 2022 bundesweit von Typ-2-Diabetes betroffen.

"Abnehmspritze" schon für Zehnjährige

Jetzt ist die sogenannte Abnehmspritze auch für Kinder ab zehn Jahren zugelassen. Das zeige, wie ernst die Lage sei, teilte die Deutsche Diabetes-Gesellschaft mit. Sie fordert deshalb umso dringlicher verbindliche Maßnahmen der Prävention: von wirksamen Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel bis hin zu verbindlichen Standards für gesunde Schulverpflegung und Schulsport.

Perspektive trotz Amputation

Zurück zu Jowitha Reil. Die 47-Jährige hat trotz der bevorstehenden Amputation Hoffnung - und eine Perspektive für die Zeit danach. Sie will sich wieder mehr bewegen, sagt sie, zumindest wieder kürzere Strecken gehen können und den Rollstuhl stehen lassen.

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Prof. Jutta Dierkes, Ernährungswissenschaftlerin und Professorin für Klinische Ernährung an der Universität Bergen, Norwegen
Dr. Sieglinde Stähle, Lebensmitteltechnologin, Wissenschaftliche Leitung beim Lebensmittelverband Deutschland e.V.
Prof. Dr. Laura M. König, Psychologin und Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Wien

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Dagmar Kwiatkowski
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