Umbruch in Corona-Pandemie

Wallfahrt in Walldürn 2025: Warum immer weniger Pilger kommen

In Walldürn im Odenwald hat am Sonntag die jahrhundertealte Heilig-Blut-Wallfahrt begonnen. Im Vergleich zu früheren Jahren machen sich immer weniger Pilger auf den Weg dorthin.

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Stand

Von Autor/in Friederike Kroitzsch

Am Sonntag hat in Walldürn (Neckar-Odenwald-Kreis) die Hauptwallfahrtzeit begonnen. Noch vor 20, 30 Jahren platzte die Stadt in dieser Zeit schier aus allen Nähten. Innerhalb von vier Wochen kamen rund 100.000 Gläubige aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarstaaten in den kleinen Wallfahrtsort. In den schmalen Gassen gab es ständiges freundliches Gedrängel, eine Art frommer Ausnahmezustand, vor dem Portal der Basilka bildeten sich lange Schlangen.

Blutschrein in der Basilika in Walldürn
Der Blutschrein in der Basilika von Walldürn, zentraler Dreh- und Angelpunkt der gesamten Wallfahrt.

Wallfahrt in Walldürn: "Corona war der Umbruch"

Doch diese Zeiten sind lange vorbei. "Die Pandemie war der Umbruch", sagte der zuständige Walldürner Pater Josef Bregula dem SWR. Mit Beginn der Corona-Beschränkungen brachen die Pilger-Zahlen ein. Dieses Jahr hofft die Wallfahrtsleitung auf rund 20.000 Christinnen und Christen, die an der Hauptwallfahrt zum Heiligen Blut teilnehmen. Die Tendenz sei immerhin wieder leicht steigend.

Gläubige vor der Wallfahrts-Basilika in Walldürn
Gläubige vor der Wallfahrts-Basilika in Walldürn - ein Bild aus dem Jahr 2005. picture-alliance/ dpa/dpaweb | Ronald Wittek

Gläubige pilgern nach Walldürn: Fußgruppen aus Fulda und Köln

Viele Pilger kommen Jahr für Jahr über weite Strecken zu Fuß (Fußpilger) nach Walldürn, manche Gruppen legen mehrere hundert Kilometer zurück. Eine Strapaze aus unterschiedlichen Motiven, wie Pilger am Sonntag beim Eröffnungsgottesdienst erzählten:

Aber: "Viele der Unterkünfte entlang der Strecke gibt es nicht mehr", so Pater Josef Bregula. Die früheren Gastgeber seien zu alt oder verstorben, Ersatz gebe es kaum. Für die jeweiligen Wallfahrtsleiter macht das die Organisation umso aufwändiger. Auch die zunehmenden Sicherheitsvorkehrungen entlang der jahrhundertealten Pilgerwege erhöhten den - auch bürokratischen - Aufwand sehr, erklärt der Pater.

Der Brief an Papst Leo XIV. und das Goldene Buch der Stadt Walldürn. Bürgermeister Meikel Dörr (links), Pater Bregula
Rechts im Bild: Pater Josef Bregula (links: Walldürns Bürgermeister Meikel Dörr) Stadt Walldürn

Die größten Fußgruppen sind traditionell die aus Fulda und Köln. Die Fuldaer kamen früher mit mehr als 1.000 Gläubigen in Walldürn an. In diesem Jahr werden es nur rund 500 sein. Auch bei den Kölner Wallfahrern sind die Teilnehmerzahlen deutlich zurückgegangen: Von einst rund 700 Fußpilgern haben sich für die diesjährige Wallfahrt rund 200 angemeldet.

Wallfahrts-Pater Bregula: "Wir wollen modernisieren, aktualisieren!"

"Alle Wallfahrtsorte haben das gleiche Problem", analysiert Pater Bregula. Die Pilgerorte stehen in ständigem Austausch miteinander, überlegen gemeinsam, wie man Wallfahrten und das Pilgern wieder attraktiver gestalten könnte, wie man auch vermehrt junge Christinnen und Christen anzieht. "Wir wollen modernisieren, aktualisieren", erklärt er. So gibt es in Walldürn in diesem Jahr spezielle "Stay-and-Pray"-Andachten mit modernen Liedern, außerdem besondere Andachten für Familien, Kinder und Jugendliche. "Wir sehen da erste Erfolge", so Pater Josef Bregula. In einigen Pilgergruppen seien inzwischen deutlich mehr Jugendliche dabei als noch vor einigen Jahren. Für Bregula passt das auch zum Leitwort der diesjährigen Wallfahrt: "Freut Euch in der Hoffnung".

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