Das Katharinenstift Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis) liegt recht naturnah neben einem Park und dem Freibad. Für Geschäftsführerin Christina Langer ist das aktuell ein Grund zum Optimismus - man bekomme dadurch nämlich weniger Wärme ab als etwa in einer Stadt wie Heidelberg. "Die Lage ist gut, es zieht nachts durch", sagt sie dem SWR. Die hohen Temperaturen seien in den Räumlichkeiten des Pflegeheims insgesamt gut auszuhalten, über 25 Grad steige das Thermometer eigentlich nicht. Trotzdem findet sie die Hitzewellen, die nun schon mehrfach in der Region Station gemacht haben, insgesamt bedenklich.
Hitzemanagement ist für uns in diesem und den folgenden Jahren eine große Herausforderung. Viele Menschen sind hier schwer krank.
Auch die Pflegekräfte litten unter der Hitze, berichtet Jessica Kaiser, die die Pflege im Katharinenstift leitet. "Wir versuchen, das Beste draus zu machen". Die Mitarbeitenden geben sich auch in der jüngsten Hitzewelle alle Mühe, die Bewohner bei Laune zu halten und zu unterstützen. Etwa durch Bewegungstherapie am frühen Morgen, mit kühlen Fußbädern, kalten Tüchern, Ventilatoren und Limonade. Besonderer Höhepunkt: Eine Eiscafé-Sonderaktion in der Einrichtung. Das kam bei den Bewohnern sehr gut an. "Bananensplit" habe es da gegeben, schwärmt ein Senior: "Das sollte man wieder machen."
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Hohe Temperaturen gehen häufig mit mehr Sterbefällen einher. In diesem Jahr sind im Land aufgrund der Hitze bereits so viele Menschen gestorben wie seit Jahren nicht mehr.
Größtes Problem: Die Dauer der Hitzewelle
Problematisch sei vor allem die lange Dauer der Hitzewelle, sagt Bewohnerin Gudrun, 87 Jahre alt: "Allmählich wird man komplett mürbe, man kann nicht mehr denken."
Einmal haben wir die Hitze schon überstanden. Ich weiß nicht, ob ich das ein zweites Mal überstehe.
Für die 102-jährige Elisabeth Schorr ist die Hitze dagegen eigenen Angaben zufolge kein Problem. Sie sagt: "Ich nehme das an, wie es ist im Alter."
Klimaanlagen als Allheilmittel?
Wäre der sofortige Einbau von Klimaanlagen in den Zimmern der Bewohnerinnen und Bewohner die Lösung? Laut einer aktuellen Studie aus Kanada sterben in Alten- und Pflegeeinrichtungen mit Klimaanlage an extrem heißen Tagen acht Prozent weniger Menschen als in Einrichtungen ohne Kühlung. Die Stiftung Patientenschutz fordert, der Bund müsse endlich Geld für Hitzeschutz in die Hand nehmen. Hitzeschutzpläne hörten da auf, wo der Patientenschutz Geld koste, kritisieren sie.
Hitzeschutzkonzept: Jalousien runter, Fenster zu
Im Katharinenstift gilt ein seit zwei Jahren bestehendes Hitzeschutzkonzept. Das beinhaltet etwa, dass die Mitarbeitenden morgens die Fenster aller Räume mit Jalousien abdunkeln. Aber was, wenn manche Bewohner sie anschließend einfach wieder hochziehen? Ein paar von ihnen könnten mit Verdunkelung nicht gut umgehen - einige Stunden später seien zum Teil die Jalousien wieder oben oder Fenster offen und es werde warm, berichtet Katharinenstift-Leiterin Langer. Besonders schwierig werde es, wenn Bewohner kein Hitzeempfinden mehr besäßen oder an Demenz erkrankt seien.
Wer würde die Klimaanlagen in den Zimmern bezahlen?
Christina Langer würde sich zwar mehr klimatisierte Räume wünschen, aber keine "Komplett-Klimatisierung" anstreben. "Eher Kühlzonen oder vielleicht zwei Drittel der Räume klimatisiert, ein Drittel nicht. Damit man noch wählen kann, was man will und was nicht". Schließlich würden nicht alle eine Klimaanlage im Zimmer wollen. Aktuell sei die Finanzierung von Klimaanlagen jedoch sehr schwierig. "Das wäre eine Investition von rund 150.000 Euro." Das, so Langer, sei nicht nur für ihre Einrichtung ein Problem.
Ohne Refinanzierung wird sich die Pflegebranche das flächendeckend nicht leisten können - es sei denn auf Kosten der Bewohner mit noch höheren Eigenanteilen.
Und sie denkt auch: Es sollten nicht nur stationäre Einrichtungen im Fokus stehen. "Als Pflegeheim mit 24-Stunden-Personalpräsenz haben wir immer noch die Chance, adäquat auf den Gesundheitszustand jedes einzelnen Bewohners einzugehen." Bei alleine lebenden älteren Menschen, die daheim lediglich ambulant betreut würden, sei die Lage aus ihrer Sicht viel kritischer.