Frank Nürnberg vom NABU Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) steht der Schweiß auf der Stirn, an seinen Armen treten Muskeln und Adern hervor. Immer wieder schwingt er eine fast mannshohe Hacke über den Kopf und rammt sie mit Wucht in den Boden. Martialisch sieht das aus, aber nur so kriegt der Naturschützer eine Pflanze aus dem Boden, die ihm nicht nur den Schweiß auf die Stirn treibt, sondern auch Sorgenfalten.
Es geht um den Götterbaum. Ein Laubbaum, der ursprünglich aus China und Vietnam kommt, im 18. Jahrhundert in Europa eingeführt wurde und der nun Probleme macht. Denn die Pflanze verbreitet sich stark und unterdrückt dabei heimische Arten.
Wo der Götterbaum wächst, da wächst bald nicht anderes mehr.
Das ist vor allem in Naturschutzgebieten ein Problem. In der Nähe von Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) zum Beispiel gibt es ökologisch wertvolle Magerwiesen, auf denen seltene oder geschützte Pflanzen wachsen. Aber die haben keine Chance gegen den Götterbaum. Er überwuchert alles. "Wo der Götterbaum wächst, da wächst bald nicht anderes mehr", sagt Nürnberg. Und der schnell wachsende Baum hat keine natürlichen Feinde: Weil er bitter schmeckt, lassen Tiere die jungen Triebe links liegen. Die Pflanze kann ungestört wachsen.
Naturschützer versuchen einzudämmen
Deswegen kommen ehrenamtliche Naturschützer wie Frank Nürnberg regelmäßig auf die gefährdeten Flächen und reißen die Götterbäume heraus. Sind diese klein, geht das noch halbwegs gut. Sobald sie aber Hüfthöhe erreicht haben, wird es mühsam. Denn die Pflanzen haben lange und dicke Wurzeln. Sie herauszuhebeln ist schwer - und wenn nur der kleinste Wurzel-Rest im Boden bleibt, keimt daraus ein neuer Götterbaum.
Es ist eine Sisyphos-Arbeit. Aber wenn wir nichts machen, dann gibt es hier bald nur noch Götterbäume, eine Monokultur.
Invasive Pflanzen auch im Wald problematisch
Für Vielfalt kämpft auch Förster Wolfgang Pfefferle. Sein Revier liegt am Rande des Odenwaldes, zwischen Schriesheim und Wilhelmsfeld (beide Rhein-Neckar-Kreis). Hier versucht ebenfalls eine Pflanzenart, alle anderen zu unterdrücken: Die Kermesbeere. Sie wächst schnell, ist anspruchslos und setzt Stoffe frei, die die Entwicklung anderer Pflanzen hemmen.
Man weiß sogar, dass die Kermesbeere über ihre Wurzel Stoffe absondert, die dann andere Pflanzen beim Keimen hindern. So dass es dann irgendwann hier auf die große Monokultur Kermesbeere rausliefe.
Damit es nicht so weit kommt, ist der Förster regelmäßig mit einem Trupp von Arbeitern im Wald unterwegs, die die Kermesbeere herausreißen. Oder abschneiden. Das kostet viel Zeit, Kraft - und auch Geld.
Also es geht schon in die Tausende. Kulturpflege hat immer schon Geld gekostet. Aber das ist jetzt natürlich noch einmal ein zusätzlicher erschwerender Faktor und damit natürlich auch ein Kostenfaktor.
Kosten für Kampf gegen invasive Arten nehmen zu
Die Kosten zur Bekämpfung der Kermesbeere steigen stetig. Dazu kommt: Kermesbeere und Götterbaum sind nicht die einzigen invasiven Arten. Auch der Japanische Staudenknöterich, die Spätblühende Traubenkirsche, das Drüsige Springkraut, der Riesen-Bärenklau und andere verbreiten sich rasant. Wieviel der Kampf gegen die invasiven Pflanzenarten kostet, kann das baden-württembergische Umweltministerium auf SWR-Anfrage nicht genau beziffern. Aber es ist definitiv mehr geworden.
Das sind die häufigsten invasiven Pflanzenarten in Baden-Württemberg: