Bis zu 2.000 Arten, die eigentlich nicht hier heimisch sind, gibt es in Deutschland. Tendenz steigend. Schon seit vielen Jahrhunderten wandern Tier- und Pflanzenarten von anderen Kontinenten nach Europa. Das ist ein normaler Prozess. Mit der Globalisierung und dem Klimawandel verläuft er aber deutlich schneller. Und das bedeutet: Immer mehr fremde Arten verdrängen Pflanzen und Tiere, die hier eigentlich heimisch sind.
Fremde Arten landen erstmal in der Rheinebene
"In Baden-Württemberg landen sie in aller Regel erstmal in der Rheinebene und breiten sich dann teilweise auch nach Osten noch hinaus", sagt Mike Thiv, der sich im Naturkundemuseum in Stuttgart als Abteilungsleiter Botanik schon lange mit der Verbreitung invasiver Arten befasst.
Ein Beispiel ist das Schmalblättrige Greiskraut, das sich in den letzten 30 Jahren in Baden-Württemberg massiv vermehrt hat. Erst entlang der Autobahnen im Westen, dann nach und nach in der Fläche im ganzen Land.
Wenig beweglich, aber gefrässig
Weniger verbreitungsfreudig ist der nordafrikanische Ochsenfrosch, der sich bisher vor allem an Baggerseen im Raum Karlsruhe aufhält. Er hat nur einen Bewegungsradius von rund zwei bis vier Kilometern. Trotzdem kann er beträchtlichen Schaden anrichten, meint Margaret Eppli vom Kompetenzzentrum für Biodiversität und integrative Taxonomie der Uni Hohenheim, vor allem wegen seines großen Hungers: "Die sind sehr anspruchslos, was das Essen angeht." Bei einer Magenanalyse fanden die Forscher Schnecken, Käfer, Mäuse, Eidechsen und vieles mehr.
Wir haben die Mageninhalte der Ochsenfrösche analysiert. Wir haben von Nacktschnecken und Wasserkäfern bis hin zu Säugetieren, Mäusen, kleinen Vögeln, Reptilien und kleinen Eidechsen, alles gefunden. Wenn es in den Mund hereinpasst, dann wird es auch gegessen.
Ochsenfrosch verspeist auch Artgenossen
Der Ochsenfrosch frisst auch seine Artgenossen, also kleinere Frösche. Deshalb bringt er es auf das beachtliche Gewicht von einem Kilo und mehr. Dagegen ist ein ausgewachsener Grasfrosch mit 40 bis 50 Gramm geradezu schmächtig.
Kaulquappen-Kot: Gefahr für heimische Artgenossen
Selbst die Kaulquappen des Ochsenfroschs sind deutlich größer als ausgewachsene heimische Froscharten. Sie passen in einem späten Entwicklungsstadium auf einen Handteller. Auch sie machen ihren Mitbewohnern am See schon Stress, da die Kaulquappen in ihrem Kot parasitische Hefezellen ausscheiden, so Margaret Eppli. Diese Hefezellen beeinflussen das Wachstum der heimischen Kaulquappe: "Wenn es zu schlimm wird, dann können sie daran sogar sterben."
Ein Ochsenfroschweibchen kann bis zu 25.000 Eier in einem Rutsch ablaichen - im Vergleich: Bei der heimischen Gelbbauchunke sind es gerade mal 30. Das macht die Bekämpfung schwierig bis unmöglich. Bei anderen Arten aber konnte eine Ausbreitung erfolgreich verhindert werden.
Hexenkraut vor allem im Museum
Als das Großblütige Hexenkraut etwa im Jahr 2008 zum ersten Mal in Baden-Württemberg entdeckt wurde, reagierten, laut Mike Thiv, die Behörden sofort. Die Pflanze seien mechanisch entfernt worden. Die Fläche wurde noch mit Folien abgedeckt, damit dort nichts mehr nachwächst.
Ein getrocknetes Exemplar wurde aber im Museum deponiert. Die konsequente Bekämpfung ist von Anfang an wichtig, so Mike Thiv vom Naturkundemuseum in Stuttgart. Reagiere man zu spät, lasse sich eine Ausbreitung invasiver Arten kaum verhindern.
Invasive Arten bieten auch Chancen
Es gibt aber nicht nur Probleme mit eingewanderten Arten. Den im Prinzip bietet jede Art, die neu in unser Gebiet kommt, eine potenzielle Chance, so der Experte: "Irgendwann können neue Pflanzen zur Nahrung für andere Organismen werden, wenn die sich daran gewöhnt haben."
Dies könne aber Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern. Die Robinie etwa, ein Laubbaum, der aus Nordamerika eingewandert ist und in unseren Wäldern mehr und mehr der Buche Konkurrenz macht, zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch mit extremer Trockenheit, so wie in diesem Sommer, gut zurechtkommt. Das macht sie zu einer Klimawandel-Gewinnerin. Damit ist sie aber auch eine Chance für unsere Wälder.