Ein Jahr nach der tödlichen Messerattacke auf dem Mannheimer Marktplatz soll noch einmal Ruhe am Tatort einkehren. Der Bundes- sowie der Landesinnenminister, Vetreter der Stadt und der Polizei Mannheim, sowie Menschen der Stadtgesellschaft wollen am Samstagnachmittag an den verstorbenen Polizisten Rouven Laur erinnern. Er war dort von Sulaiman A. tödlich mit einem Messer verletzt worden. Außerdem hatte der Angreifer fünf weitere Menschen schwer verletzt.
Tod von Rouven Laur: Bei der Mannheimer Polizei nach wie vor präsent
Noch immer wird deutlich, wie sehr das Ereignis vom 31. Mai 2024 die Stadt Mannheim prägt: Am Marktplatz - dem Tatort - halten Menschen inne. Schauen auf niedergelegte Blumen und Fotos von Rouven Laur. Polizistinnen und Polizisten haben im laufenden Prozess erzählt, wie präsent der Einsatz und auch die Erinnerung an den verstorbenen Kollegen im Mannheimer Polizeipräsidium weiter sind.
Genau ein Jahr nach der Tat wird am Samstag am Marktplatz deshalb auch das Landespolizeiorchester spielen. Die Musiker hatten bereits die Trauerfeier für ihren Kollegen begleitet.
Gedenken an Rouven Laur - Dobrindt und Strobl werden erwartet
Auf dem Marktplatz werden am Samstag zudem eine Delegation der Mannheimer Polizei, Vertreterinnen und Vertreter der Stadt sowie der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) an Rouven Laur erinnern. Das teilte die Stadt Mannheim mit. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) wird an der Gedenkveranstaltung teilnehmen.
Bereits im vergangen Jahr war die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in Mannheim. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Marktplatz einige Tage nach der Tat Blumen niedergelegt.
Von der Gedenkfeier am Samstag ist auch der Nahverkehr in der Mannheimer Innenstadt betroffen. Die Bahnstrecken zwischen zwischen dem Paradeplatz und der Abendakademie sind zwischen 13:45 Uhr und 17:30 Uhr gesperrt, teilte die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv) mit.
Gedenkstein soll in Boden des Marktplatzes eingearbeitet werden
Rouven Laur war bei dem Angriff auf dem Mannheimer Marktplatz am 31. Mai vergangenen Jahres von einem mutmaßlichen Islamisten niedergestochen worden. Zwei Tage später starb der junge Polizist. Ihm zu Ehren soll ein Gedenkstein übergeben werden, der später im Boden des Platzes eingearbeitet werden soll. Auf dem dunklen Naturstein prangen drei Sterne aus Edelstahl, sie symbolisieren den im Dienst getöteten Polizisten und seine Arbeit. Bis der Stein verlegt wird, ist er mit einer Folie geschützt.
Die Idee dazu hatte der Ilvesheimer (Rhein-Neckar-Kreis) Steinmetz Detlef Kleineidam, der den Stein stiftet. Bei einem Spaziergang über den Marktplatz kam dem gebürtigen Mannheimer die Idee. Daraufhin hatte er Kontakt zu Stadt Mannheim aufgenommen. So entstand unter Einbindung der Familie des Polizisten diese Form der langfristigen Erinnerung an Rouven Laur.
Polizei, Stadt und Marchivum gestalten "Stadtpunkt"
Die öffentliche Gedenkveranstaltung startet am Jahrestag (31. Mai) um 15 Uhr. Zuvor findet vor Ort - wie fast jeden Samstag - der Markt statt, der allerdings um eine Stunde verkürzt wird und nur bis 13 Uhr geht. Alltag und Gedenken verschmelzen an einem Tag.
Neben dem Gedenkstein für Rouven Laur wird es einen sogenannten "Stadtpunkt" geben: Der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) wird diesen enthüllen. Die Infotafel aus Plexiglas, wie man sie auch an Gebäuden in Mannheim finden kann, wurde von der Polizei, der Stadt Mannheim sowie dem Mannheimer Stadtarchiv Marchivum gestaltet, heißt es von der Stadt. Auf ihr soll über das Ereignis des 31. Mai 2024 informiert werden.
Der Marktplatz, Ort der Tat, wird zum Platz des stillen Erinnerns – eingebettet in das Herz unserer Stadt.
Anwältin der Familie Laur: "Spendet auch Trost"
Das Symbol auf dem Mannheimer Marktplatz sei ein "absoluter Ausdruck von Respekt und Anteilnahme", sagt die Anwältin der Familie Laur im Interview gegenüber dem SWR. Sie vertritt die Familie im laufenden Verfahren in Stuttgart-Stammheim. Die Familie sei dankbar für diese große Anteilnahme. Sie könne sich vorstellen, dass das auch ein wenig Trost spenden könne, so Julia Mende im Vorfeld des Jahrestags des tödlichen Messerangriffs.
Mahnwache von Pax Europa abgesagt
Der Angriff auf dem Marktplatz hatte dem Islamkritiker Michael Stürzenberger gegolten. Das hat der Angeklagte im Prozess bereits ausgesagt. Stürzenberger wurde vor einem Jahr ebenfalls schwer verletzt. Die Bürgerbewegung Pax Europa (BPE) hatte zunächst eine Mahnwache auf dem Marktplatz geplant. Nachdem es unter anderem von der Polizeigewerkschaft Kritik daran gab, wurde dieses Vorhaben zurückgenommen.
Marktplatz Mannheim: Erinnerungen in den Köpfen der Menschen
"Diese Tat hat die Stadt verändert". Das ist ein Satz, der seit dem 31. Mai 2024 in Mannheim immer wieder zu hören ist. "Dieses Gefühl wird nie weggehen, das ist eine schreckliche Tat gewesen. Das hat alle berührt," so beschreibt es ein Mann, dessen Restaurant direkt an den Marktplatz grenzt. Auf dem Platz sei es seit der Tat sehr viel ruhiger geworden, Menschen seien zurückhaltender, sagt der Gastronom. Es sei nicht mehr so wie früher, vor der Tat.
Wie so etwas passieren kann - man fragt sich das immer noch.
Bei Passantinnen und Passanten, die am Marktplatz in Mannheim vorbeikommen, klingt das ganz ähnlich. "Es macht viel mit einem, wenn man in der Innenstadt ist", sagt eine Frau, die in der Mitte des Platzes innehält. Man sei aufmerksamer und auch bedrückt. So beschreibt es auch ein Mann, der ganz in der Nähe des Marktplatzes lebt. Seit der Tat sei er "viel vorsichtiger" geworden.
Ich war immer mit gutem Gefühl in der Stadt. Aber man fühlt sich nicht mehr so sicher.