Der angestrebte Verbund der beiden Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim soll zum Jahreswechsel umgesetzt werden. Der lange umstrittene Verbund war am Dienstag Thema im Ministerrat. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von einem guten Tag für Baden-Württemberg und einem wichtigen Schritt für die Rhein-Neckar-Region.
Mit dieser Entscheidung stärke man die Universitätsmedizin im Land und den Standort Mannheim, so Kretschmann. Außerdem werde damit die internationale Spitzenstellung des Landes als Gesundheits- und Medizinstandort als Teil des Innovationscampus "Health und Life Science Alliance" weiter ausgebaut.
Neue Position geschaffen: Sechsköpfiger Verbundvorstand
Laut Staatsministerium wird es unter anderem einen sechsköpfigen Verbundvorstand geben. Dieser soll von einem oder einer Vorstandsvorsitzenden geführt werden. Sie oder er trägt dann die Gesamtverantwortung für den engen Klinikverbund und ist vor allem für den medizinisch-strategischen Bereich verantwortlich. Ein Vorstand Medizin werde dann für den Klinikbetrieb beider Universitätskrankenhäuser zuständig sein.
Der Verbund ist laut Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne) eine große Chance, zu den Topkliniken in Berlin und München weiter aufzuschließen.
Mutter-Tochter-Modell: Heidelberg übernimmt 90 Prozent der Anteile
Fest steht, dass das Heidelberger Uniklinikum fast 90 Prozent der Anteile der Mannheimer Universitätsmedizin übernehmen soll. Bei der Stadt Mannheim sollen rund zehn Prozent verbleiben. Das sogenannte "Governance-Modell" ermögliche eine enge Vernetzung von Mutter- und Tochter-Unternehmen, so , so Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne). Außerdem sei dadurch eine "stringente Führung des Verbundes durch das Universitätsklinikum Heidelberg" möglich.
Entscheidung des Landes-Sozialministeriums Klinikverbund Heidelberg-Mannheim kann kommen
Der Weg für den Verbund der beiden Universitätsklinika Mannheim und Heidelberg ist frei. Das Solzialministerium BW hält den Zusammenschluss für erforderlich.
Mannheimer Uniklinikum soll durch Verbund weiter gestärkt werden
Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) erklärte, mit dem jetzt vereinbarten Verbund der beiden Klinika sichere man langfristig die Zukunft der universitären Krankenversorgung für die Menschen in Mannheim und der Region. Außerdem ermögliche man den weiteren Ausbau der medizinischen Forschung und Lehre. Attraktive Arbeitsplätze können erhalten bleiben. Auch für Start-ups in der Medizintechnik bieten sich neue Chancen, so Specht.
Klinikverbund Heidelberg - Mannheim: "Harvard am Neckar"
Eckart Würzner (parteilos), Oberbürgermeister von Heidelberg, erklärte laut einer Mitteilung, mit der Entscheidung sei ein weiterer Schritt getan für ein "Harvard am Neckar". Durch den Klinikverbund entstehe das mit Abstand größte Medizinzentrum in Deutschland. Das stärke sowohl die Patientenversorgung als auch Forschung und Innovation in der Metropolregion.
CDU: "Meilenstein für die Spitzenforschung"
Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Manuel Hagel, bezeichnete den Klinikverbund laut einer Mitteilung als "Meilenstein" - und zwar für die Spitzenforschung, die Lebenswissenschaften und die medizinische Versorgung im Land. Gemeinsam stärke man damit die Standorte Heidelberg und Mannheim und setze vor allem in der Krebsmedizin neue Maßstäbe. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz betonte in einer Stellungnahme, der Verbund sei ein großer Gewinn für den Gesundheitsstandort Baden-Württemberg.
Verbund statt Fusion: Lange Vorgeschichte
Seit fünf Jahren wird an einem Verbund der beiden Klinika gearbeitet. Das Bundeskartellamt hatte zwischenzeitlich sein Veto dagegen eingelegt. Doch das neue Krankenhausgesetz ermöglichte es, dass das Land sich darüber hinwegsetzen konnte. Am Nachmittag steht das Thema auch auf der Tagesordnung im Mannheimer Gemeinderat.