Rund 1.500 Menschen sind am Montagmittag nach der Amokfahrt laut Polizei auf dem Paradeplatz zusammengekommen, um sich gegenseitig Trost zu spenden. Dazu eingeladen hatten Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) und das Forum der Religionen. Das interreligiöse Gebet begann um 12:14 Uhr - genau zu der Uhrzeit des ersten Notrufs, der am vergangenen Montag bei der Polizei einging. Am Rosenmontag war ein Mann mit seinem Auto durch die Mannheimer Fußgängerzone gerast. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben. Mehrere Personen wurden zum Teil schwer verletzt.
Vertreter verschiedener Religionen gedenken der Opfer in Mannheim
Kirchenglocken läuteten zum Auftakt des Gebets auf dem Paradeplatz. Danach hielten Vertreter der christlichen Kirchen, der jüdischen, alevitischen und muslimischen Gemeinden inne und fanden in ihren Ansprachen tröstende Worte. Angesichts der entsetzlichen Gewalt wolle man "für die Opfer und für Frieden in der Stadt beten", sagte Ralph Hartmann, evangelischer Dekan in Mannheim.
Lasst uns zusammenstehen in diesen schwierigen Zeiten und auf das Gute vertrauen.
Auch Einsatzkräfte nahmen an Gedenkveranstaltung teil
Im Anschluss an das Gebet legten Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht und die baden-württembergische Justizministerin Marion Gentges (CDU) weiße Rosen auf dem Paradeplatz nieder. Unter den Teilnehmenden waren auch zahlreiche Polizeibeamte und Rettungskräfte.
Außerdem waren viele Bürger gekommen, um ihre Anteilnahme zu zeigen und gemeinsam für die Opfer zu beten. Einige umarmten sich oder standen still beisammen. Die Amokfahrt sei nicht nur ein Schock für die Augenzeugen gewesen, sondern "für alle Menschen, die in unserer Stadt leben", sagte die Mannheimerin Kati Field. Jeder sollte jetzt in sich gehen und die richtigen Schlüsse aus der Tat ziehen.
Wir müssen wieder mehr auf unsere Mitmenschen achten, dann lassen sich solche Tragödien vielleicht schon im Vorfeld verhindern.
Auch die ehrenamtliche Notfallseelsorgerin Isabel Gürel hielt auf dem Paradeplatz inne. Sie hat in den vergangenen Tagen zahlreiche Gespräche mit Bürgern geführt, die teils unter Schock standen. Die Gedenkveranstaltung am Montag sei für viele extrem wichtig, erklärte Gürel, um das Erlebte verarbeiten und damit abschließen zu können. Wegen des großen Zulaufs ist das Angebot der Notfallseelsorge weiter verlängert worden. Bis einschließlich Samstag (15. März) von jeweils 11 bis 17 Uhr sind die Seelsorger auf dem Paradeplatz ansprechbar.
Tatverdächtiger wahrscheinlich psychisch krank
Ein 40-jähriger Deutscher aus Ludwigshafen war vor einer Woche mit seinem Kleinwagen durch die Fußgängerzone gerast. Die Ermittlungen dazu, warum er das getan hat, dauern an. Die Staatsanwaltschaft geht bisher davon aus, dass der Mann psychisch krank ist.
Motiv weiter unklar Nach Amokfahrt in Mannheim: Haftbefehl wegen Mordes erlassen
Nach der Amokfahrt in der Mannheimer Fußgängerzone mit zwei Toten hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 40-jährigen Fahrer erlassen. Er sitzt in Untersuchungshaft.
Strobl will Umgang mit psychisch auffälligen Menschen thematisieren
Nach der Amokfahrt in Mannheim und ähnlicher bundesweiter Fälle möchte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der nächsten Innenministerkonferenz über den Umgang mit psychisch auffälligen Tätern sprechen. Dabei gehe es konkret um den Umgang mit psychisch auffälligen Menschen, die potenziell gefährlich sind oder werden könnten.