In Baden-Württemberg gibt es immer weniger Buchhandlungen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren es im Jahr 2018 noch 656 Einzelhändler. 2023 ist die Zahl auf 425 im Land gesunken. Obwohl der Branchenumsatz laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2024 im Vorjahresvergleich um knapp zwei Prozent gestiegen ist, kämpfen Buchhandlungen mit steigenden Kosten und veränderten Kaufgewohnheiten, etwa durch den Online-Handel. Auch das wird auf der Frankfurter Buchmesse thematisiert, die noch bis Sonntag läuft. Ein Mannheimer Familienunternehmen, das dieser Entwicklung trotzt, ist "Bücher Bender". Seit 250 Jahren gibt es das Familienunternehmen in der Mannheimer Innenstadt. "Bücher Bender" gilt laut Stadtmarketing als eine der ältesten Buchhandlungen in Deutschland.
Buchhandlung "Bender" - ein Familienunternehmen aus Mannheim
Seit mehr als 25 Jahren führt Stefan Heeg die Buchhandlung "Bender". Schon seine Urgroßeltern und Großeltern haben in dem Betrieb gearbeitet. Vor allem seine Großmutter habe nach dem Krieg viel geleistet, als man keine Bücher bekommen hat. "Meine Großmutter hat dann sehr lange Hamsterfahrten mit dem Zug oder zu Fuß gemacht", erzählt Stefan Heeg im SWR-Interview.
In den vergangenen 250 Jahren ist die Buchhandlung häufig im Bereich der Mannheimer Innenstadt umzogen. "Es ist schon eine spannende Geschichte und wenn man an den verschiedenen Standorten vorbeifährt, ist das ein ganz besonderes Gefühl", so Heeg. Am jetzigen Standort in den O4-Quadraten - einer Seitenstraße der Haupteinkaufsstraße - ist der jetzige Geschäftsführer groß geworden. Das mehrstöckige Haus mit Ladengeschäft und mehreren Wohnungen gehört der Familie. Eine hohe Miete fällt so nicht an. Das sei auch ein Grund dafür, warum es "Bücher Bender" nach wie vor gibt, so Heeg.
"Das eine Geheimrezept gebe es nicht"
Das eine Geheimrezept gebe es aber nicht. "Das Wichtigste ist das Persönliche, und dass wir nicht versuchen wie eine große Kette zu sein", erzählt der Geschäftsführer. In seiner Buchhandlung werden die Kunden oft mit Namen angesprochen - und zwar von Mitarbeitern, die oft seit Jahrzehnten im Geschäft arbeiten. "Das ist für die Kunden natürlich auch ein schönes Gefühl, feste Ansprechpartner zu haben", so Heeg weiter. Das bestätigen gleich mehrere Kunden: "Hier wird man individuell beraten. Und sie wissen, was ich lese. Das ist für mich sehr wichtig", erzählt ein Stammkunde aus Worms.
Ich war schon vor 40 Jahren öfter mal hier. Da gab es noch ganz viele kleine Buchhandlungen und heute ist das die einzige.
Anders als bei größeren Läden, verzichtet die Traditionsbuchhandlung auf den "ganzen anderen Schnickschnack", wie etwa Dekoartikel. Große Stapel mit Bestsellern findet man bei "Bücher Bender" auch nicht. "Wir versuchen auch anspruchsvolle Literatur von kleinen Verlagen, die keine großen Werbebudgets haben, anzubieten", erzählt Stefan Heeg.
Große Online-Plattformen seien für das Traditionsgeschäft keine starke Konkurrenz: "Große Filialisten leiden da eher noch drunter, weil die Kunden, die anonym oder über das Internet einkaufen, eher die Kunden sind, die in den großen Filialen einkaufen."
"Bücher Bender" in Mannheim: Junge Menschen lesen wieder mehr
Mit Blick auf die Zukunft sei man optimistisch. "Gerade bei jungen Frauen und auch jungen Männern sehen wir, dass sie wieder mehr lesen", erzählt Stefan Heeg. Durch das Lesen könne man bei den "ganzen negativen Nachrichten" etwas abschalten. "Das entdecken junge Menschen auch für sich und das, denke ich, wird nie aufhören", so Heeg.
Buchtrends bei TikTok und Co.
Auch Trends in den Sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel "BookTok" auf TikTok kommen bei "Bücher Bender" an. Unter dem Hashtag "BookTok" werden Bücher in kurzen Videos empfohlen. "Ich weiß, dass Filialisten dann oft Regale nur mit diesen aus TikTok bekannten Büchern haben", so Heeg. Dafür fehle in der Traditionsbuchhandlung aber "einfach der Platz".
Aber wir finden es fantastisch, dass junge Menschen sich über diese Kanäle gegenseitig Bücher empfehlen und zum Lesen kommen und dann hoffentlich auch weiter im Leben lesen werden.
Noch ist unklar, wer später einmal die Buchhandlung übernehmen wird. Stefan Heeg hofft aber, "dass die Geschichte nicht zu Ende ist".