Die Stadt Sinsheim sucht zurzeit einen Spielplatzprüfer. Neben ausgebildeten Technikern hat sich auch der siebenjährige Micha beworben. Statt eines Schülerpraktikums in einigen Jahren hat der Zweitklässler nämlich jetzt schon konkrete berufliche Vorstellungen - und diese auch schriftlich formuliert. In seinem Bewerbungsschreiben schildert Micha, warum Spielplätze aus seiner Sicht nicht nur sicher, sondern auch "richtig gut getestet" sein müssten.
Vorstellungsgespräch im Rathaus in Sinsheim
Die Stadtverwaltung hat offen auf die ungewöhnliche Bewerbung reagiert. Am Mittwoch war Micha zu einem offiziellen Vorstellungsgespräch im Rathaus: Dabei zeigt sich der Siebenjährige gut vorbereitet. In blauem Hemd sitzt er, gemeinsam mit seinen Eltern, vor den Mitarbeitern der Stadt und stellt sich deren Fragen. Auf Knopfdruck kann er beantworten, wie viele Spielplätze Sinsheim hat und auch welcher sein liebster ist. Und klare Gehaltsvorstellungen bringt der Zweitklässler auch mit: Für seinen Einsatz hätte er gerne einen Stundenlohn von 17 oder 18 Euro.
Anschließend folgt der praktische Teil und das blaue Hemd wird gegen Matschhose, Gummistiefel und Warnweste getauscht. Gemeinsam mit dem Personalabteilungsleiter, den tatsächlichen "Spielplatzprüfern" der Stadt Sinsheim und seinen Eltern macht sich Micha auf den Weg zur alla hopp!-Anlage, seinem Lieblings-Spielplatz, um diesen ausgiebig zu testen.
Praxistest mit Kinderblick auf dem Spielplatz
Auf diesem darf der junge Bewerber dann seine Eignung unter Beweis stellen. Kletterseile, Balancierstrecken, Schaukeln, Trampoline und Rutschen werden ausgiebig getestet - und das nicht nur aus der Kinderperspektive, sondern mit richtigem Test-Material. Die beiden "richtigen" Spielplatzprüfer Jochen Kaiser und Tim Schuchmann erklären ihm währenddessen ihren Job. Und den machen sie offenbar gut: Fast alle Geräte sind einwandfrei - nur bei den Ketten eines Wackelbretts müssen die Spielplatzprüfer nacharbeiten.
Auch die Einschätzung von Nachwuchs-Prüfer Micha fällt gut aus. Die Geräte sind intakt und noch viel wichtiger: Sie machen sehr viel Spaß! Nur über eines ist der Siebenjährige enttäuscht:
Ich dachte, als Spielplatzprüfer rutscht man mehr oder klettert.
Stadt Sinsheim freut sich über Beteiligung
Die Stadt betont, dass es sich um eine symbolische Aktion handelt - gleichzeitig aber auch um ein ernst gemeintes Zeichen für Beteiligung. Kinder seien schließlich die Nutzer der Anlagen. Außerdem seien sie überrascht von seiner guten Vorbereitung. Und auch Micha ist optimistisch: Man brauche ihn, denn:
Die Erwachsenen wissen ja gar nicht, was wirklich Spaß macht!
Ob Micha am Ende offiziell zum "Spielplatzprüfer" wird, bleibt abzuwarten. Eines steht jedoch schon jetzt fest: Engagement und Begeisterung bringt er reichlich mit - und vielleicht liefert er Hinweise, die Erwachsenen bisher entgangen sind.