Schwester Walburgis schaut bedrückt, wenn sie davon erzählt, wie schwer es sie getroffen hat, dass das Theresienkrankenhaus im Osten Mannheims bis spätestens Ende 2027 schließen soll. Sie, die seit mehr als 60 Jahren im Theresien arbeitet und lebt, kann das nicht nachvollziehen. "Es hat uns alle sehr traurig gemacht. Unser Haus hatte einen guten Ruf, die Menschen sind sehr gerne zu uns gekommen."
Der Alltag im Mannheimer Theresienkrankenhaus ist ohne seine Ordensschwestern nur schwer vorstellbar. Seit seiner Gründung im Jahr 1929 haben sie nicht nur Tag für Tag Patienten gepflegt. Sie arbeiteten auch in der Wäscherei, der Küche und in der Verwaltung des Krankenhauses. Immer hatten sie ein offenes Ohr für die Patienten und das Personal. Bis zu 130 Ordensschwestern arbeiteten einst am Theresienkrankenhaus. Heute sind es nur noch vier.
Ordensschwestern: Ein Leben für das Theresienkrankenhaus
Die 84-jährige Schwester Walburgis, von vielen als "Mädchen für alles" geschätzt, kam schon 1963 ans Theresienkrankenhaus. Der ausgebildeten Krankenschwester werden vor allem die gemeinschaftlichen Ausflüge und Feierlichkeiten in Erinnerung bleiben.
Unter den Erlebnissen, die Schwester Walburgis nicht vergessen wird, sind aber auch ein schwerer Wasserrohrbruch auf der Dialyse-Station und mehrere Neckar-Hochwasser. "Wir mussten immer wieder per Hand das Wasser aus dem Keller des Krankenhauses schippen", erinnert sich Schwester Walburgis. Auch Feueralarme seien für sie immer ein Schreck gewesen.
Vom Pflegealltag bis zur Nachtbereitschaft
Die Aufgaben der Ordensschwestern haben sich in all den Jahren deutlich verändert. Oft hätten sie in der Küche Obst geputzt und für die spätere Verwendung eingefroren, erzählt Schwester Marieta. Sie habe Knöpfe angenäht und Gummihandschuhe sterilisiert. "In der Anästhesie habe ich viel selbstständig machen müssen, was heute ärztliche Tätigkeiten sind", sagt sie weiter.
"Der Tag war lang. Es ging mitunter auch in der Nacht weiter", erinnert sich die 78-jährige gebürtige Mannheimerin. Sobald die Schwestern im Haus waren, hatten sie Bereitschaftsdienst. Wenn im OP-Saal noch Licht war, habe sie sich oft gefragt, ob sie gleich wieder arbeiten muss oder ins Bett gehen kann. "Für die damalige Zeit war das okay."
Arbeit als Ordensschwestern im Wandel
Heute sind die Ordensschwestern noch in der Verwaltung sowie in der Pflege und Seelsorge tätig. Außerdem organisieren sie Gottesdienste in der Kapelle des Theresienkrankenhauses. Schon immer folgen sie dabei einem geregelten Tagesablauf. Mehrmals am Tag beten sie. Der Mensch habe bei ihrer Arbeit immer im Mittelpunkt gestanden, sagt Schwester Marieta, die heute als Klinikseelsorgerin arbeitet.
Gottesdienst zum Abschied aus Mannheim
Als gebürtige Mannheimerin wird Schwester Marieta vor allem eins vermissen: den Mannheimer Schlag."Ich wusste immer, woran ich bin", sagt sie. Die Ordensschwestern werden mit einem Gottesdienst in der Kapelle des Krankenhauses und einem Empfang für geladene Gäste verabschiedet.
Ende April verlassen sie ihre alte Wirkungsstätte endgültig. Dann werden sie zum Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Freiburg zurückkehren. Dort, so erzählt es Schwester Walburgis, wollen die vier ankommen und erstmal auspacken. Ihre Erinnerungen an die Zeit im Mannheimer Theresienkrankenhaus werden sie mitnehmen.