Gestrichene Fernverbindungen wegen Deutschlandtickets

Schon knapp 8.000 Unterschriften für Heidelberger Petition gegen neuen Bahn-Fahrplan

Heidelberger Pendler wehren sich mit einer Petition gegen den Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn. Denn einige der ICE-Verbindungen am Heidelberger Hauptbahnhof fallen künftig weg.

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Von Autor/in Susanne Beßler

Ab Sonntag gilt der neue Fahrplan der Deutschen Bahn. Heidelberger Pendler schauen darauf mit Sorge. Die Bahn muss sparen, deshalb werden mit der Fahrplanänderung auch ein paar lieb gewonnene Verbindungen wegfallen.

Besonders betroffen ist Heidelberg. Ein paar ICEs, die vor allem Pendler nach Stuttgart, Mainz und Wiesbaden nutzen, werden dort am Hauptbahnhof ab der kommenden Woche nicht mehr halten. Um sich dagegen zu wehren, haben die Betroffenen vor einigen Wochen eine Petition gestartet, die inzwischen fast 8.000 Unterzeichner hat.

Initiative ging von Heidelberger Stadträtin aus

Drei Pendler auf dem Bahnsteig am Heidelberger Hauptbahnhof.
Frieda Fiedler (links) ist Stadträtin in Heidelberg (Grüne) und pendelt mehrmals die Woche beruflich nach Stuttgart.

Sie treffen sich fast täglich an Gleis acht, weil sie denselben Zug nach Stuttgart nehmen: Frieda Fiedler, Stadträtin im Heidelberger Gemeinderat (Grüne), die für ihre Partei in Stuttgart arbeitet, und ein paar andere Pendler. Doch mit dem neuen Fahrplan ist das ab nächster Woche vorbei.

Ich bin total erschrocken, weil mein Zug fehlt. Und dann hab ich mich mit ein paar anderen Pendlerinnen und Pendlern ausgetauscht und es fehlen mehrere Züge. Und ich hab das Gefühl wir in Heidelberg werden abgehängt.

Alternativen für die wegfallenden Fernzüge sehen Pendler kritisch

Betroffen ist die morgendliche Direktverbindung nach Wiesbaden und Mainz (ICE 1118) und die morgendlichen Direktverbindungen nach Stuttgart (IC 481, ICE 1611 und ICE 711), außerdem die Schnellzüge von Heidelbergüber Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) und Darmstadt nach Frankfurt (ICE 1672/ICE 932) und die direkte Anbindung an den Flughafen Frankfurt mit dem ICE 774 (zukünftig ICE 776).  

Gerade für Berufspendlerinnen und Pendler seien diese Verbindungen aber essenziell, heißt es in der Petition. In den letzten Jahren sei das Angebot auf diesen Strecken bereits mehrfach eingeschränkt worden. Übrig blieben nur Verbindungen, die für Pendlerinnen und Pendler zeitlich nicht nutzbar oder mit Umstiegen verbunden sind. Diese würden in der Praxis angesichts der bekannten Pünktlichkeitsprobleme der Deutschen Bahn nicht funktionieren. Auch Stadträtin Frieda Fiedler sieht in diesen Verbindungen keine gute Alternative, um planbar zur Arbeit zu kommen.  

ICE fährt in den Bahnhof Heidelberg ein.
Der tägliche ICE 1611 nach Stuttgart ist ein wichtiger Zug für Berufspendler. Nach dem Fahrplanwechsel hält er jedoch nicht mehr in Heidelberg.

Kritik kommt auch von der Stadt Heidelberg

Die angekündigten Einschränkungen im Fernverkehr ab Mitte Dezember bereiten auch der Stadt Heidelberg "große Sorge". Im SWR-Interview teilte Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) mit, dass er darüber Gespräche mit dem Landesverkehrsministerium führe. Heidelberg sei eine bedeutende Wissenschafts- und Wirtschaftsstadt und eng vernetzt mit den Zentren Stuttgart, Frankfurt und Mainz. Auch er teilt die Einschätzung, dass insbesondere die morgendlichen Direktverbindungen für viele Beschäftigte unverzichtbar seien. 

Laut DB sind die Fernzüge nicht ausgelastet

Die Deutsche Bahn AG argumentiert gegenüber dem SWR, dass die Fernzüge, die nun gestrichen werden, zu wenig ausgelastet seien. Der Grund: Das erfolgreiche Deutschlandticket. Bei vielen Fernverkehrszügen in den klassischen Pendlerlagen sei die Nachfrage zuletzt spürbar zurückgegangen. Die Kunden würden vor allem mit dem Deutschlandticket verstärkt den günstigeren Nahverkehr nutzen.

Zu den pendlerrelevanten Zeiten würden auch weiterhin Direktverbindungen von und nach Stuttgart angeboten. Gleichzeitig kämen für Heidelberg und Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) neue Direktverbindungen von und nach Berlin sowie deutlich bessere Umsteigeverbindungen über Mannheim hinzu. Angesichts von mehr als 50 täglichen Halten in Heidelberg könne von einem "Abhängen" der Region nicht die Rede sein. Viele Pendler würden nun Nahverkehrszüge nutzen.

Fahrgastverband Pro Bahn sieht das Land in der Pflicht

Auf SWR-Anfrage äußerte sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn zu dem Thema. Andreas Schöber vom Regionalverband Pro Bahn Rhein-Neckar sagte, das veränderte Nutzerverhalten durch das Deutschlandticket schlage sich jetzt eben auch im neuen Fahrplan nieder. Es sei nun am Land Baden-Württemberg, das für den Regionalverkehr zuständig sei, in bessere regionale Verbindungen zu investieren, um die wegfallenden ICE-Verbindungen zu kompensieren. 

Das Problem von Heidelberg ist das nahe Mannheim. Von dort gibt es die besten Fernverkehrsverbindungen, die aber dann nicht gleich wieder in Heidelberg halten.

Die Pendler könnten natürlich auch mit dem Regionalzug ins benachbarte Mannheim fahren. Dort startet künftig alle 30 Minuten ein ICE nach Stuttgart. Andreas Schöber von Pro Bahn räumt allerdings ein: "Die S-Bahn Verbindung zwischen Heidelberg und Mannheim ist sehr störanfällig. Und das ist für Pendler ein K.O.-Kriterium. Wenn man nicht weiß, ob man pünktlich den Anschlusszug bekommt, dann steigt man doch lieber gleich ins Auto."

Verkehrsminister ärgert sich auch über den Wegfall der Heidelberger Fernzüge

In einem Interview mit dem SWR kritisierte auch Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) den neuen Fahrplan. Die DB müsse wirtschaftlich arbeiten, aber das könne nicht auf Kosten des Landes geschehen. Schnelle Regionalbahnverbindungen seien essentiell. Aber diese könnten eben die Fernzüge nicht ersetzen. Der Bund, der den Ländern die Mittel für die Finanzierung des Regionalbahnverkehrs zuteilt, müsse sich dann schon auch an der Finanzierung des Ausbaus von Regionalstrecken beteiligen, so Herrmann.

Trotz aller Kritik, von Pendlern, Stadt und Land, wird die Streichung der Fernzüge in Heidelberg aber erst mal nicht mehr zu verhindern sein. Der neue Fahrplan tritt am kommenden Sonntag in Kraft. Pendlerin Frieda Fiedler hofft jetzt, mit ihren Anliegen bei der nächsten Fahrplanänderung mehr Gehör zu finden.

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