Neuer Preis des Landes Baden-Württemberg

Mannheimer Band Nikra und Musikproduzent Kalmbacher gewinnen "Popländ-Awards"

Baden-Württemberg verleiht einen neuen Preis für Popkultur: den "Popländ-Award". Zwei von drei Preisträgern kommen aus Mannheim: Der Produzent Jules Kalmbacher und die Band Nikra.

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Von Autor/in Leon Kaessmann

Jules Kalmbacher und Nikra: So heißen zwei von drei Preisträgern des "Popländ-Awards" - einer neuen Auszeichnung für Popkultur des Landes Baden-Württemberg. Eine weitere Auszeichnung erhält das Reutlinger Kulturzentrum "franz K". Am Sonntagabend (16. November) wurden die Preise in der Alten Feuerwache in Mannheim verliehen. Das Preisgeld: jeweils 10.000 Euro. Sowohl für die vierköpfige Band Nikra als auch für den Produzenten Jules Kalmbacher war es ein Heimspiel, denn sie kommen aus der Rhein-Neckar-Region.

Jules Kalmbacher - einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten

Ein Besuch im Studio von Jules Kalmbacher in Mannheim-Vogelstang. Mehr als 15 Gold- und Platinschallplatten hängen hier an der Wand, elf Auszeichnungen für den ersten Platz in den Single- und Albumcharts stehen auf einem Klavier. Der gebürtige Odenwälder lebt in Heidelberg, arbeitet in Mannheim und ist das Gesicht hinter einigen der erfolgreichsten Popsongs Deutschlands - darunter: Max Giesingers Hit "Auf das was da noch kommt" mit Lotte und Mark Forster mit "Sowieso". Kalmbacher bekommt den Preis in der Kategorie "Producing".

Jules Kalmbacher sitzt in seinem Studio in Mannheim.
In den Studios von Musikproduzent Jules Kalmbacher sind schon einige Hits entstanden.

Sparringspartner für Künstlerinnen und Künstler

"Der Preis ist ein schönes Signal in Richtung der Menschen, die hinter den Hits der Künstlerinnen und Künstler stehen", sagt Kalmbacher. Der Produzent und Songwriter begreift sich als Sparringspartner der Musiker, die er betreut. Dafür spielt er Instrumente ein, feilt mit den Künstlern an neuen Ideen oder ist einfach nur als Ansprechpartner für sie da: "Manchmal bin ich der Freund, manchmal der strenge Coach im richtigen Moment."

Aufgewachsen im Odenwald, Durchbruch mit Xavier Naidoo

Kalmbacher wächst in der Kleinstadt Erbach (Odenwaldkreis, Hessen) auf. Schon in jungen Jahren entdeckt er die Liebe zur Musik und lernt Schlagzeug, Klavier, Gitarre. Er studiert Musikbusiness an der Mannheimer Popakademie. Dann kommt der Durchbruch: 2012 macht er ein Praktikum in den Studios von Xavier Naidoo. Der schaut ihm über die Schulter, findet seine Arbeit gut - und lässt ihn schließlich dessen komplettes Album produzieren: "Bei meiner Seele", Platz eins der deutschen Albumcharts. Seitdem hat er mit allen möglichen Pop-, Rap- oder auch Country-Künstlern zusammengearbeitet: Mark Forster, Cro, Sarah Connor oder Sido.

Jules Kalmbacher, Musikproduzent aus dem Odenwald, als Kind am Klavier.
Schon als Kind war Jules Kalmbacher musikalisch: Früh lernte er bereits Klavier, Gitarre und Schlagzeug.

Eigenes Label mit Sitz in der Heimatregion

Inzwischen ist Kalmbacher auch erfolgreich mit seinem eigenen Label "Good Kid Music", das er in Mannheim mit Moritz Schunk und Jens Schneider gegründet hat. Über das Label haben unter anderem die inzwischen deutschlandweit bekannten Rapper Jazeek oder 1986zig ihre Musik veröffentlicht. Neben Berlin sei Mannheim einer der letzten großen Standorte Deutschlands, wo in so einem großen Umfang Musik produziert werde, so Kalmbacher.

Ich bin der Region wahnsinnig verbunden.

 Die Mitglieder der Band Nikra: Ben Geldner (Gitarre), Annabelle Müller (Gesang), Timo Zell (Bass).
Die Band Nikra aus Mannheim gewinnt den "Popländ"-Award in der Kategorie Band. Die Mitglieder (v. l. n. r.): Ben Geldner (Gitarre), Anabelle Müller (Gesang), Timo Zell (Bass). Es fehlt: Finn Jeschkeit (Schlagzeug)

Band Nikra: "Die Stimme der Rebellion"

Musikalisch etwas anders aufgestellt ist die Mannheimer Band Nikra, die ebenfalls einen "Popländ Award" (Kategorie: Band) erhält. Die vier Bandmitglieder verstehen sich als "Stimme der Rebellion". Sie haben ebenso wie Kalmbacher an der Mannheimer Popakademie studiert. Herkömmliche Popmusik machen sie allerdings nicht. "Eigentlich ist es vor allem Rockmusik", sagt Sängerin Annabelle Müller. "Wir bedienen uns da bei verschiedenen Genres." Musikalische Einflüsse gab es für Nikra lange im Punk-Bereich oder der "Neuen Deutschen Welle".

Die Themen, die die Band in ihren Songtexten behandelt, findet man auch in der Punk-Musik der 1970er und 80er Jahre wieder. Aktuell sind sie freilich noch immer, unter anderem: Chancengleichheit und Kapitalismuskritik. "In großen gesellschaftlichen Themen wird oft gerne ein Schuldiger oder eine Schuldige gesucht", sagt Müller. Doch wenn man immer "die Armen mit den Armen bekämpft, kommt man nirgendwo hin".

Nikra versteht sich als politische und queere Band

Politisch interessiert sind alle Bandmitglieder, denen auch ihre queere Identität wichtig ist. "Gewalttaten gegen queere Menschen haben auf jeden Fall zugenommen", sagt Bassist Timo Zell. Es sei ihm wichtig, "mit krasser Überzeugung zu sagen: Ich bin queer, für mich ist das ein total wichtiges Ding".

Erstes Album und Deutschland-Tour

So bekannt wie die Musik von Jules Kalmbacher sind die Songs von Nikra noch nicht, aber dafür geht es jetzt in großen Schritten vorwärts. Anfang März 2026 erscheint das erste Album der Band. Danach startet eine Deutschland Tour: Zum ersten Mal in ihrer vierjährigen Bandgeschichte wird Nikra Headliner sein, also Haupt-Band des Abends.

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Leon Kaessmann
Leon Kaessmann, Autor im SWR-Studio Mannheim-Ludwigshafen

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