In Heidelberg ist seit Donnerstag ein Scan-Auto mit Kamera unterwegs, um Parksünder zu erfassen. Dabei geht es um fehlende oder abgelaufene Parkscheine, fehlende Anwohnerparkscheine oder anders falsch geparkte Autos. Das Ganze ist ein Pilotprojekt. So lange die Testphase läuft, werden mit den Daten des Scan-Fahrzeugs keine Straftzettel erstellt. Das Auto fährt zunächst in der Heidelberger Altstadt und dem Stadtteil Bahnstadt. Dafür wurden extra Hinweisschilder aufgehängt.
Ein exaktes Ende der Pilotphase hat die Stadt Heidelberg nicht genannt. Eine erste Bewertung soll im Frühjahr erfolgen.
Baden-Württemberg erlaubt seit März, als erstes Bundesland, den Einsatz solcher Scan-Autos. Möglich macht das das Landesmobilitätsgesetz.
Scan-Autos erfassen Kennzeichen
Das Scan-Auto hat Kameras auf dem Dach, die im Vorbeifahren die Nummernschilder der parkenden Autos erkennen. Die Kennzeichen werden dann mit einer Datenbank verglichen. Das Ganze funktioniert aber nur, wenn Parkberechtigungen digital erfasst sind - mit Eingabe des Kennzeichens in Parkautomaten oder mit Park-Apps. Auch Parkausweise für Anwohner und andere Sonderberechtigungen müssen digital hinterlegt sein. So ist es in der Heidelberger Altstadt, wo nur Anwohner parken dürfen. In der Bahnstadt sind die Parkautomaten so ausgestattet, dass man ein Kennzeichen eingeben kann.
Auto erkennt Parkscheine und Falschparker
Die Scan-Autos erkennen, ob jemand einen Parkschein gelöst hat oder einen Bewohnerparkausweis besitzt. Sie erkennen aber auch Falschparker - wenn ein Auto auf einem Radweg oder einer Busspur abgestellt ist.
Digitale Parkraumüberwachung Meinung: Scan-Autos in Heidelberg allein sind keine Verkehrspolitik
In Heidelberg kommen jetzt Scan-Autos im normalen Straßenverkehr zu Einsatz. Sie erfassen vollautomatisiert Parksünder. Das ersetzt keine kluge Verkehrspolitik.
Mehr Parkkontrollen in weniger Zeit
Derzeit kontrolliert der Ordnungsdienst parkende Autos zu Fuß, mit dem Rad oder Dienstwagen. In Heidelberg machen das etwa 30 Menschen, in Mannheim ungefähr 55. "Eine Person kann mit einem Scan-Fahrzeug bis zu 1.000 Fahrzeuge pro Stunde kontrollieren." Zu Fuß seien es in der gleichen Zeit nur etwa 50 Fahrzeuge, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Das seien Zahlen, die aus Erfahrungen in anderen Städten wie in Amsterdam abgeleitet seien, sagte die Grünen-Staatssekretärin Elke Zimmer gegenüber dem SWR
Die neuen Scan-Autos sollen die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber nur entlasten und nicht ersetzen, heißt es vom Ministerium. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) erhofft sich dadurch auch mehr Sicherheit. Das Deutsche Institut für Urbanistik sowie die Unfallforschung der Versicherer gehen laut Verkehrsministerium davon aus, dass in etwa jeder fünfte Unfall innerorts in Zusammenhang mit ruhendem Verkehr steht, beispielsweise aufgrund von Sichtbehinderungen.
Entscheidung über Scan-Autos erst 2026
Die Daten des Pilotversuchs sind laut Verkehrsministerium dazu da, Technik und Abläufe zu analysieren. Nach der Auswertung Anfang 2026. Danach will die Stadt Heidelberg über die dauerhafte Nutzung der Scan-Autos entscheiden.
Test auf Parkplatz der Uni Hohenheim
Ein erster Versuch auf dem Parkplatz der Universität Hohenheim lief nach Angaben des Minisgteriums gut. Ein Scan-Auto habe die mehr als 1.200 Parkplätze innerhalb von 75 Minuten dreimal kontrolliert. Ein Mitarbeiter zu Fuß hätte dafür sieben Stunden gebraucht.
Weitere Städte in Baden-Württemberg folgen
Auch Mannheim will bald in die Testphase mit Scan-Autos starten. Die Stadt will ihren Fokus zunächst aufs Falschparken legen, vor allem da, wo grundsätzlich keine Autos geparkt werden dürfen, heißt es in einer Mitteilung. Beispiele sind Kreuzungen und Ecken, Feuerwehrzufahrten oder das absolute Halteverbot. Der Probebetrieb könnte laut Stadt frühestens im vierten Quartal 2025 starten. Der erste Stadtteil soll die Neckarstadt sein. Die Kartierung des Gebietes sei schon abgeschlossen.
Freiburg will wohl im ersten Halbjahr 2026 mit einem Scan-Auto in der Stadt starten, so ein Stadtsprecher. Auch in Waldshut-Tiengen (Landkreis Waldshut) ist ein Versuch geplant. Bisher gibt es Scan-Autos beispielsweise schon in Frankreich, Polen und den Niederlanden.
Datenschutz: Kennzeichen werden wieder gelöscht
Laut Verkehrsministerium werde die Daten richtig parkender Autos sofort wieder gelöscht. Die Daten falsch parkender Autos würden nach Ablauf des Bußgeldverfahrens aus dem System entfernt. Fußgänger könne das System direkt und automatisch verpixeln.
Das Projekt wird umgesetzt vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg und der Firma DCX Innovations GmbH.