Im Schlossgarten in Schwetzingen (Rhein-Neckar-Kreis) gibt es rund 6.000 Bäume. Laut Hanna Nimmenich ist jeder zweite davon geschwächt oder geschädigt. Als sogenannte Arboristin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg überprüft sie den Baumbestand im Schlossgarten. Hier sei das Gehölz besonders stark durch Hitze und Trockenheit belastet.
Bäume in Schwetzingen werden regelmäßig untersucht
Nimmenich koordiniert den Einsatz von Baumkontrolleuren. Sie sind täglich in der Anlage unterwegs. Fällt ihnen was auf, werden weitergehende Untersuchungen mit Spezialgeräten durchgeführt. Unter anderem kommen dann spezielle Schallmessgeräte zum Einsatz. Mit der sogenannten Schalltomographie wird zum Beispiel der Holzzustand im Inneren des Baumes untersucht. Inzwischen überprüfen die Kontrolleure jeden Baum alle neun Monate auf Stand- und Bruchsicherheit. Früher habe es die Kontrollen nur einmal im Jahr gegeben, so die Arboristin.
Wir verlieren Bäume viel schneller als früher.
Drohen Äste zu brechen, bleiben nur noch zwei Möglichkeiten: Einkürzen oder fällen. Ein Grund für den Verfall laut Nimmenich: Das Gleichgewicht zwischen Bäumen und schädlichen Pilzen habe sich aufgrund der Trockenheit verschoben. Wurde vor einigen Jahren etwa ein Zunderschwamm-Befall bei einer Rosskastanie festgestellt, hätten die Kontrolleure oft noch abgewartet und darauf gehofft, dass der Baum sich wieder erholt. Inzwischen würde die Rosskastanie in so einem Fall sofort gefällt werden, weil das Holz zu schnell verfault.
Astbruch auch bei gesunden Bäumen möglich
Besonders auffällig sei, mit welcher Geschwindigkeit der Verfall inzwischen bei einem Baum voranschreitet. Trotzdem warnt die Expertin vor voreiligen Schlussfolgerungen beim Thema Astbruch. Wichtig sei es zwischen Vitalität und Sicherheit zu unterscheiden. Denn ein Baum könne tot sein und trotzdem sicher, so Nimmenich. Im Gegenzug könnten aber auch gesunde Bäume Äste verlieren. Dieses Phänomen nennen Experten "Grünastbruch". Was der Auslöser dafür ist, stellt für die Wissenschaft immer noch ein Rätsel dar.
Ein Baum kann tot sein und trotzdem sicher.
Die studierte Baumexpertin Nimmenich ist davon überzeugt, dass der schlechte Zustand vieler Bäume mit dem Klimawandel zusammenhängt. Um den Bestand in den Städten zu sichern gibt es aus ihrer Sicht nur eine Lösung: Diversifizieren, also möglichst viele unterschiedliche Baumarten pflanzen. Denn in der Regel sind Pilze immer nur auf einen bestimmten Baum spezialisiert.
Damit die Bäume langfristig eine Chance haben, brauchen sie für ihre Wurzeln vor allem viel Platz. Den haben sie aber oft nicht. Nach Aussagen von Hanna Nimmenich gilt nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft folgende Daumenregel: Ein Kubikmeter pro Lebensjahr. Bedeutet: Wenn ein Baum 100 Jahre stehen soll, braucht er 100 Kubikmeter Wurzelraum.