Mit Schlüssel oder Kugelschreiber verteidigen

"Wehren lohnt sich immer": Senioren lernen Selbstbehauptung in Weinheim

Fit für den Ernstfall: Drei Tage lang haben Seniorinnen und Senioren in Weinheim geübt, wie sie im Alltag mehr Sicherheit gewinnen und sich in Gefahrensituationen selbst wehren können.

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Von Autor/in Sarah Keller

In Weinheim haben Seniorinnen und Senioren in einem Selbstbehauptungskurs gelernt, wie sie sich in Gefahrensituationen verhalten können. Regel Nummer eins: "Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf", sagt Seminarleiterin Patricia Wickert. Ihr Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der zwölf Teilnehmenden zu erhöhen. Sie zeigt, wie man sich mit einfachen Alltagsgegenständen zur Wehr setzen kann. Jugendliche Fitness brauchen sie dafür nicht, manchmal reicht ein Kugelschreiber oder ein Gürtel.

"Gerade die ältere Generation hat oft Angst"

Patricia Wickert ist selbst Rentnerin und war über 40 Jahre Kriminalhauptkommissarin beim Polizeipräsidium Mannheim. Heute engagiert sie sich ehrenamtlich beim Weißen Ring. Als Selbstbehauptungstrainerin ist es ihre Aufgabe, die Ängste der Kursteilnehmenden abzubauen.

Die Sorge vieler Älteren ist es, dass ihnen im Notfall keiner hilft.

Ältere Menschen hätten zum Beispiel häufig Angst, angegriffen zu werden oder Opfer eines Diebstahls. Diese Angst sei aber oft größer als die reale Gefahr, erklärt sie. "In der Polizeikriminalstatistik tauchen diese Fälle nicht so oft auf, wie die Älteren immer befürchten". Trotzdem sei es ihr wichtig, dass ältere Menschen sich sicher fühlen.

Eine der Teilnehmerinnen, Inge Pargenberg-Kern, erzählt dem SWR, sie sei häufig auch abends oder nachts alleine unterwegs oder fahre spät abends mit dem Zug. Wenn sie dann mal in einem einsamen Zugwagon sitze, verunsichere sie das auf jeden Fall. Der Kurs helfe ihr, sich in solchen Momenten selbstbewusster zu fühlen.

Eine Pinnwand mit den sechs Regeln für den Ernstfall.
Patricia Wickert stellt die "sechs Regeln für den Ernstfall" vor, unter anderem erklärt sie den Senioren, wie man sich am besten um die Opfer kümmert.

Rollenspiele sollen die Teilnehmenden auf den Ernstfall vorbereiten

Patricia Wickert zeigt den Senioren und Seniorinnen, wie sie am besten nach Hilfe rufen oder andere in Gefahrensituationen unterstützen können. Für ein Rollenspiel stellen sie mit ihren Stühlen den Innenraum einen Busses nach. Die Seminarleiterin, im Rollenspiel der Aggressor, versucht einer Teilnehmerin die Zeitung aus der Hand zu reißen. Alle Teilnehmenden halten den Aggressor von seinem Vorhaben ab. "Körperkontakt mit dem Aggressor solltet ihr vermeiden", erklärt Patricia Wickert im Anschluss. "Im hohen Alter bringt man sich damit eher in Gefahr".

Die Senioren sitzen wie in einem Bus, die Seminarleiterin reißt einer Seniorin die Zeitung aus der Hand.
Die Senioren bilden eine Bussituation nach und üben, sich gegen einen Angreifer (hier Patrizia Wickert) zu wehren.

Selbstbehauptung statt Selbstverteidigung

Die Seniorinnen und Senioren können sich nicht mit körperlichen Abwehrtechniken verteidigen. Im Kurs lernen sie deshalb, wie sie sich im Notfall schützen - oder selbst behaupten - können, und zwar mit einfachen Alltagsgegenständen wie einer Handtasche, einem Kugelschreiber oder einem Schlüsselbund. Wenn man etwas in der Hand hat, hat man viel mehr Kraft, als nur mit der bloßen Faust, erklärt Patricia Wickert.

Wehren lohnt sich immer.

Bei den Weinheimer Senioren kommt der Kurs gut an

Der Kurs in Weinheim hat zum dritten Mal stattgefunden. Er war schon nach ein paar Stunden ausverkauft, berichtet Katja Haller, die Ansprechpartnerin für Soziales der Stadt Weinheim. Bei den Teilnehmenden kam er auf jeden Fall gut an.

Ich habe gelernt, wenn man hilft, kommt auch direkt noch mehr Hilfe von anderen. Der Kurs ist für mich ein Gewinn.

Für die Seniorinnen und Senioren ist der Selbstbehauptungskurs kostenlos. Organisiert wird er von der Stadt, gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt und dem Stadtseniorenrat.

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