Horst Blass aus Mannheim hat den größten Vogel in der Region, um es mal mit einem Augenzwinkern zu sagen. In seinem Garten im Stadtteil Wallstadt in der Storchenstraße, die wirklich so heißt, hat sich eine Storchenfamilie angesiedelt. Das Jungtier ist sechs Wochen alt. Am Mittwoch war jetzt der große Tag der Beringung.
Endlich Storchenpapa – Jungstorch trägt den Namen des Papstes
Lange blieb Horst´s Horst unbewohnt. Es hatten sich zwar immer wieder Störche im Nest von Horst Blass angesiedelt, aber mit einem Jungtier hatten sie bis jetzt kein Glück, sagt der 67-Jährige. Alle hätten die ersten Tage nicht überlebt. Auch dieses Jahr waren mehrere Eier im Nest gewesen. Und dann endlich: Am 8. Mai schlüpfte ein Junges aus dem Ei. Da es am Tag der Papstwahl von Papst Leo zur Welt kam, taufte Horst Blass den jungen Storch auf den Namen Leo, ohne das Geschlecht zu wissen. Sollte sich herausstellen, dass der Storch weiblich ist, will er das Jungtier in Leonie umtaufen.
Das Beste, was ein Horst in der Storchenstraße machen kann und Enkel haben will: Er baut ein Storchennest.
Storchennest als Projekt im Ruhestand sollte Enkel bringen
Als Horst Blass in den Ruhestand ging, hatte er einen Wunsch - er wollte gerne Opa werden. Und da dachte sich der Rentner: Da ja bekanntlich Störche die Babys bringen, muss ein Storchennest her. Gedacht, getan: 250 Arbeitsstunden später und 8.000 Euro ärmer hatte er es geschafft. Seit 2019 steht ein gewaltiger zehn Meter hoher Lärchenbaumstamm im hinteren Teil seines großen Gartens. Der Stamm ist aus dem Odenwald. Darauf thront das runde Nest mit einem Durchmesser von rund zwei Metern. Es besteht aus Zweigen, die eine Klasse der Wallstadtschule geflochten hat, sagt Horst Blass. Den Stamm ließ er extra in ein Fundament betonieren. Denn im Laufe der Jahre würden die Störche die Nester immer weiter bauen. Ein Nest könne bis zu sechs Tonnen schwer werden, sagt Horst Blass.
Nach Begutachtung: Jungtier sieht sehr gut
Helmut Stein ist ehrenamtlicher Storchenberinger für Nordbaden. Er hat am Mittwoch Leo beringt und begutachtet. Mit dem Hubwagen ging es in zehn Meter Höhe. Der Jungstorch sehe sehr gut aus, er sei knapp sechs Wochen alt. Auch das Nest sehe sehr sauber aus, sagt der Storchenexperte. Alles perfekt. Nur über das Geschlecht könne er leider nichts sagen, das sehe man nicht. Das gehe nur über eine Federprobe. Da müsse man dem Jungtier eine Feder rausziehen und dann einschicken. Vorerst sei das nicht geplant. Leo bleibt also Leo.
“Horst´s Horst” – Horst Blass hat eigenen YouTube-Kanal
Ein Storchenest im Garten zu haben, das können nun wirklich die wenigsten Mannheimer von sich behaupten. Dazu hat der Informatiker auch noch eine eigene Kamera am Horst installierte. Als "Horst" wird in der Fachsprache das Storchennest bezeichnet. Horst hat also nicht nur seinen eigenen Horst, dazu wohnt er ja auch noch in der Storchenstraße. Da muss Horst Blass selbst lachen, das sei schon echt ein lustiger Zufall. Aber das alles hat ihm mit seinem Storchenprojekt noch nicht gereicht: Ein eigener YouTube-Kanal musste auch noch her. Der Name stand für ihn sofort fest: "HorstsHorst". Von dort werden tonlose Live-Bilder gesendet. Mit den Enkeln hat es übrigens mittlerweile auch geklappt. Wenn da mal nicht der Storch seine Finger im Spiel hatte.
Regenwürmer für Störche im Kühlschrank findet Ehefrau bisschen ekelig
Ehefrau Ingrid Blass war anfangs nicht ganz so begeistert von dem teuren und zeitaufwändigen Hobby ihres Mannes. Mittlerweile unterstütze sie ihn aber voll und ganz, sagt die 63-Jährige. In der Nachbarschaft seien sie Thema Nummer eins, seit der Jungstorch geschlüpft ist. Und auch im Gemüseladen in Wallstadt werden sie immer wieder auf die junge Storchenfamilie angesprochen. Die Nachbarn würden sich über das fröhliche Storchengeklappere freuen. Immer wieder seien die Störche auch auf den Nachbardächern zu sehen. Nur eins, das finde sie ziemlich ekelig: Dass die Regenwürmer für die Störche im Kühlschrank neben der Frischwurst stehen.
Storchenpopulation in Rhein-Neckar Region wächst
Erfreuliche Nachrichten von Storchenexperte Helmut Stein: Seit einigen Jahren steige die Anzahl an Storchenpärchen stetig. Der Storch sei ein sehr intelligentes Tier. Auch wenn die Sommer immer heißer werden und die Nahrungsfindung schwieriger, so habe sich der Storch angepasst. Die bevorzugte Nahrung seien Regenwürmer, kleine Fische oder Frösche. Aber wenn der Storch aufgrund der Trockenheit nichts finde, so suche er mittlerweile auch Futter auf Müllhalden, so Stein. Störche seinen sehr kreativ in der Nahrungssuche.