Die Zuckerrübenbauern bundesweit und damit auch in der Region stehen vor einer deutlich schlechteren Ernte als in der Vergangenheit. Der Südzucker-Konzern mit Hauptsitz in Mannheim erwartet eigenen Angaben zufolge deutliche Ertragseinbußen.
Trockenheit, Hitze, Schädlinge setzen der Rübe zu
Die Gründe sind vielfältig: die lange Trockenheit im Sommer, die extreme Hitze und Schädlinge: vor allem die Schilf-Glasflügel-Zikade macht den Landwirten zu schaffen. Wie sich das auf die Zuckerpreise und damit auf den Verbraucher auswirken wird, dazu äußert sich Südzucker nicht – wie es heißt, aus marktrechtlichen Gründen.
Ein Drittel weniger Zucker Historisch schlechte Zuckerrübenernte droht: Klima-Sorgen bei Südzucker
Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer geht von einem Drittel weniger Zucker aus. Südzucker in Mannheim sieht die Lage mit Sorge, wirtschaftliche Folgen sind offen.
Vor dem Hintergrund der erwarteten Ernteeinbußen wird der Blick in die Zukunft umso wichtiger. Peter Risser ist Leiter des Versuchsguts, das Europas größter Zuckerkonzern seit 1862 vom Land Baden-Württemberg gepachtet hat - eigenen Angaben zufolge für praxisnahe Feldversuche.
Die Versuchsfläche von über 300 Hektar liegt in Kirschgartshausen, zwischen Mannheim und Lampertheim (Kreis Bergstraße) direkt an der Bundesstraße 44. Hier wird unter anderem der Einsatz von Robotern und Drohnen im Rübenanbau getestet. Ein Beispiel ist ein solarbetriebener Ackerroboter – entwickelt für die automatische Aussaat und die Unkrautbekämpfung auf dem Acker. Peter Risser erklärt, dass der Roboter genau den Standort jeder einzelnen Rübe kennt und dadurch weiß, wo er harken muss, nämlich zwischen den Pflanzen. Das spart Zeit.
Auch Drohnen werden in Kirschgartshausen getestet, erklärt Risser. Denn sie seien mittlerweile günstiger geworden.
Wir können [mit der Drohne] wirklich Pflanzen zählen und Unkräuter erkennen.
Mit den Drohnen werden die Felder beobachtet. Daraus können Karten entstehen, die zeigen, wie viele Pflanzen zu sehen sind und es ist möglich, Unkräuter zu erkennen. Damit können gezielt – am besten weniger - Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Und größere Drohnen, erklärt der Agrarwissenschaftler, können sogar beim Säen unterstützen und die entsprechenden Maschinen ersetzen.
Südzucker setzt auch auf Biodiversität
Auf dem Versuchsgut wird auch mit sogenannten Blühstreifen mitten in den Rübenfeldern experimentiert. Die sollen mehr und vor allem unterschiedliche Insekten anlocken, Stichwort: Biodiversität, also Artenvielfalt.
Das Versuchsgut von Südzucker in Mannheim-Kirschgartshausen ist übrigens offen für Besucher. Es gibt zahlreiche Schau- und Infotafeln, auch Führungen sind möglich.