Ein großer Raubfisch stellt Angler im Hochholzer See in Walldorf vor eine besondere Herausforderung. Er lebt tief unter der Oberfläche und wird immer häufiger zum Problem: der Wels, auch Waller genannt. Die Tiere können mehrere Meter lang werden - und fressen fast alles, was sie vor die Barteln bekommen.
"Wenn es ins Maul passt, wird es gefressen"
"Wenn es ins Maul passt, wird es gefressen", sagt Steffen Weick, Ranger der Stadt Walldorf. Der Wels mache dabei keinen Unterschied: "Ob das jetzt ein Hund ist oder eine kleine Ente - das ist einfach Natur." Vor allem kleinere Tiere am oder im Wasser geraten so potenziell in Gefahr. Zwar sind Angriffe selten, doch besonders in der Laichzeit können Welse aggressiv reagieren, wenn sie ihren Nachwuchs verteidigen. Gleichzeitig steigt ihre Zahl. Und genau das bereitet Sorgen.
Wenn das Gleichgewicht kippt
Der Hochholzer See in Walldorf ist ein empfindliches Ökosystem. Zu viele Raubfische können es aus dem Gleichgewicht bringen.
Wenn zu viele Welse drin sind, kann das Verhältnis zwischen Fried- und Raubfischen kippen.
Der Grund für die wachsende Population liegt auch in der Geschichte des Sees: Der Wels wurde in den 1980er-Jahren ausgesetzt. Natürliche Feinde hat er hier keine. Die Folge: Die Tiere breiten sich aus und verdrängen andere Arten.
Klimawandel begünstigt Wels-Ausbreitung
Ein weiterer Faktor verstärkt die Entwicklung: steigende Temperaturen. "Der Wels bevorzugt wärmere Temperaturen und ist damit ein Gewinner des Klimawandels", sagt Weick. Wärmere Sommer und höhere Wassertemperaturen machen die Tiere aktiver - und fördern ihre Fortpflanzung.
Für Walldorfs Bürgermeister Matthias Renschler (FDP) ist das Teil eines größeren Problems: "Der Wels ist eine Gefahr für den Fischbestand und die Arten im See." Aber er sei nur ein Beispiel für die Auswirkungen des Klimawandels, die man inzwischen in vielen Bereichen sehe. Auch mit der asiatischen Hornisse, großen Ameisen und Waschbären müsse man lernen umzugehen.
Wachsende Wels-Population - Angler greifen ein
Um die Wels-Population zu reduzieren, organisiert der Angelsportverein Walldorf gezielte Fangaktionen. Dafür fahren die Angler ausnahmsweise mit Booten auf den sonst gesperrten See. Mit großen Ködern und speziellen Techniken versuchen sie, die nachtaktiven Räuber anzulocken. Auch akustische Reize kommen zum Einsatz: Ein sogenanntes Waller-Holz erzeugt ploppende Geräusche, die die Fische neugierig machen sollen.
Doch Welsfang ist Glückssache. "Man kann mehrere Nächte nichts fangen - oder plötzlich mehrere hintereinander", sagt Sportwart Frank Hornig. Nach zwei Nächten haben die Angler drei Welse gefangen. Der längste misst 1,80 Meter. Wie viele noch im See sind, wissen sie nicht.
Vom Kiesabbau zum Naturraum
Unter Spaziergängern und Hundebesitzern sorgt das Thema für gemischte Reaktionen. Während manche eine Gefahr für ihre Tiere sehen, bleiben viele andere gelassen. Die Stadt empfiehlt dennoch Vorsicht. "Sie sollten Ihren kleinen Hund nicht ans Wasser lassen", sagt Bürgermeister Renschler und verweist auf das generelle Badeverbot für den See.
Der Hochholzer See ist kein natürliches Gewässer. Er entstand durch Kiesabbau für den Bau der nahegelegenen Autobahn und hat sich seitdem zu einem wichtigen Biotop entwickelt. Heute leben hier zahlreiche Vogelarten, Insekten und Wildtiere. Gerade deshalb ist der Eingriff durch die Angler gewollt - nicht nur als Freizeitbeschäftigung, sondern auch als Beitrag zum Naturschutz.