Marktmacht großer Handelsketten

Warum ein Schweinebauer aus Oberschwaben sein Fleisch regional vermarktet

Discounter werben oft mit dem günstigsten Preis - und setzen damit mittelständische Produzenten unter Druck. Ob ein Urteil gegen Lidl das ändert?

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Von Autor/in Lutz Heyser

Wer gelegentlich bei Lidl einkauft, kennt vielleicht den Spruch von der "größten Preissenkung aller Zeiten". Der Discounter hatte im Mai 2025 damit geworben, sofort und dauerhaft 500 Produkte im Sortiment günstiger zu machen.

Verbraucherschützer können bis heute nicht nachvollziehen, um welche Produkte es sich dabei eigentlich handeln soll. Deshalb haben sie Lidl verklagt und vom Landgericht Heilbronn Recht bekommen. Ob das jetzt etwas an der Preispolitik im Lebensmittelhandel ändert? Vermutlich nicht.

Landwirt gegen Billigpreis-Strategie im Handel

650 Schweine der Rasse "Bunte Bentheimer" hält Landwirt Elmar Müller auf dem Amselhof in Ostrach-Einhart im Landkreis Sigmaringen. Er mästet sie dort bis zur Schlachtreife von gut 120 Kilo mehr als sieben Monate lang. Der Landwirt hält seine Tiere in Haltungsstufe 4, sie haben also mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben ist. Das erhöht die Baukosten pro Mastpatz. Billig sind seine Fleisch- und Wurstwaren daher nicht. Er vertreibt sie im eigenen Hofladen und in einem regionalen großen Supermarkt im benachbarten Sigmaringen.

Das kann nicht mehr über billig-billig funktionieren, sondern nur, wenn der Kunde bereit ist, dementsprechend einen höheren Preis zu bezahlen.

Auf dem Amselhof in Ostrach-Einhart im Landkreis Sigmaringen werden etwa 650 Schweine gehalten.
Auf dem Amselhof in Ostrach-Einhart im Landkreis Sigmaringen werden etwa 650 Schweine gehalten.

Lebensmittel durch Inflation deutlich teurer geworden

Doch mehr bezahlen müssen die Menschen inzwischen nicht nur für das Qualitätsfleisch von Landwirt Elmar Müller. Lebensmittel sind allgemein in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich teuer geworden. Die Preissteigerungen lagen teils deutlich über der allgemeinen Inflationsrate.

Verbraucher müssen also für Lebensmittel inzwischen deutlich tiefer in die Tasche greifen, zeigen Statistiken. Das könnte auch mit der Marktmacht im Lebensmitteleinzelhandel zu tun haben.

Für die mittelständischen Markenhersteller, auch aus dem Südwesten, wie beispielsweise Aquarömer, Rittersport, Hengstenberg oder Schloss Wachenheim-Sekt, ist die große Marktmacht der Händler ein Problem. Sie ist eine Herausforderung, weil es keine Augenhöhe mehr gibt in den Verhandlungen.

Vier große Handelsketten geben Preise vor

Denn im deutschen Lebensmitteleinzelhandel - auch in Baden-Württemberg - bestimmen vier große Handelsriesen letztlich das Geschäft: Edeka, die Rewe Group, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi kommen zusammen auf gut drei Viertel Marktanteil im deutschen Lebensmittelhandel. Das verschafft ihnen eine enorme Marktmacht - und damit großen Einfluss auf Preise und Produzenten.

Ob das ein Problem darstellt - darüber gehen die Meinungen allerdings auseinander. Professor Stephan Rüschen, Studiengangsleiter BWL-Handel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, sieht in der jetzt vor Gericht abgestraften Werbekampagne von Lidl nur Ausdruck dieses Preiskampfes - und ein Zeichen für funktionierenden Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel.

Ich glaube, dass es kein Problem ist, weil wir sehen doch am Markt intensive Preiskämpfe, also wie über den Preis versucht wird, anderen Marktanteile abzujagen.

Landwirt Elmar Müller sieht es anders: Er hofft, dass sich auch künftig genug Verbraucher finden, die bereit sind, für gute regionale Produkte mehr zu bezahlen.

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Lutz Heyser
Onlinefassung
Jutta Kaiser
Bild von Jutta Kaiser aus der SWR-Wirtschaftsredaktion.

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