Zum Jahresende 2025 sind vielerorts in Deutschland die Mietpreise bei Neuvermietungen weiter angestiegen. Das geht aus dem GREIX-Mietpreisindex des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervor. Teils seien die Wohnungsmieten doppelt so stark angestiegen wie die Inflation. Ende 2025 hätten Vermieterinnen und Vermieter auf dem Markt rund 4,5 Prozent mehr für ihre Wohnungen verlangt als noch Ende 2024, so das IfW.
Trend: Weniger Inserate, mehr befristete Angebote
Laut IfW lagen die Angebotsmieten Ende 2025 bundesweit im Durchschnitt bei 14,41 Euro pro Quadratmeter. In München wurde am meisten für Mietwohnungen gezahlt: Die durchschnittliche Kaltmiete lag hier bei 23,35 Euro je Quadratmeter. In Frankfurt am Main waren es Ende 2025 im Schnitt 17,36 Euro. Mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 16,11 Euro pro Quadratmeter landet Stuttgart auf dem dritten Platz - laut IfW wurden 2015 in Stuttgart noch etwa 11 Euro je Quadratmeter verlangt.
Gleichzeitig sie die Zahl an Wohnungsinseraten gegenüber 2024 in den untersuchten Städten um sieben Prozent zurückgegangen. Das IfW sieht darin ein Zeichen, dass Menschen mit älteren und günstigeren Mietverträgen ihre Wohnungen behalten und viele Objekte ohne Inserat vergeben werden. Ein weiterer Rekord zeige sich bei befristeten und möblierten Mietangeboten: Fast jede fünfte angebotene Mietwohnung in den acht größten deutschen Städten ziele auf ein kurzzeitiges Mietverhältnis ab.
Studentenwohnreport veröffentlicht Miete in BW: Studierende zahlen in Heidelberg am meisten
Heidelberg bleibt für Studenten die teuerste Stadt in Baden-Württemberg und auch in Deutschland nach den großen Städten. Doch auch andere Unistädte im Land sind nicht günstig.
Diese Lage macht es laut IfW für Menschen auf Wohnungssuche besonders schwer, etwas Passendes zu finden - vor allem Menschen mit niedrigerem Einkommen, in Ausbildung und Studium kämen auf dem Wohnungsmarkt an ihre Belastungsgrenze.
Wohnungssuche: Rentner fühlt sich "zweitklassig" behandelt
Anton Wagner ist Rentner und war vor Kurzem selbst auf Wohnungssuche. Nachdem ihm seine Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt wurde, war der 74-Jährige rund ein Jahr auf der Suche nach einem neuen Zuhause im Rems-Murr-Kreis. Dem SWR erzählt er, dass er in verschiedenen Zeitungen inseriert habe - rund 900 Euro habe er dafür ausgegeben. Trotz seiner ausgiebigen Suche hätten nur drei Vermieter auf die Anzeige reagiert. Für Wagner ein klares Zeichen, "dass ältere Menschen auf dem Wohnungsmarkt nicht erwünscht sind".
Aus seiner Wohnungsanzeige sei bereits hervorgegangen, dass er Rentner sei, erzählt Wagner. Die Vermieter hätten ihm das Gefühl gegeben, dass sie keine alten Menschen in ihrer Wohnung haben wollten. Für ihn sei das "armselig hoch drei".
Steigende Mieten wegen "flächendeckendem Wohnraummangel"
Laut Rolf Gaßmann, Landesvorsitzender des Mieterbundes Baden-Württemberg, sind die steigenden Mieten nicht nur ein Problem in großen Städten. Grund dafür sei vor allem der Wohnraummangel, sagt Gaßmann dem SWR. Allein in Baden-Württemberg fehlt es laut einer Studie an fast 200.000 Wohnungen.
Lage verschärft sich noch Studie: In Baden-Württemberg fehlen rund 200.000 Wohnungen
Wohnraum wird in Baden-Württemberg immer knapper und die Lage dürfte sich in den kommenden Jahren zuspitzen. Die Folgen spüren zunehmend auch ältere Menschen.
Laut Mieterbund Baden-Württemberg braucht es deshalb mehr Wohnungen und eine stärkere Förderung des öffentlichen Wohnungsbaus. Hinter den Trends zu befristeten Mietverträgen und möblierten Wohnungen steckt laut Gaßmann oftmals eine Masche, um die örtlich bestehenden Mietpreisbremsen zu umgehen. Von der Politik fordert er daher Sanktionen gegen Vermieter, die sich nicht an die Mietpreisbremse halten.
Haus & Grund: Mietbelastung unter 30 Prozent
Der Eigentümerverein Haus & Grund Stuttgart verweist darauf, dass die tatsächlichen Mieten in der Landeshauptstadt laut Mietspiegel um "gerade noch ein Prozent in zwei Jahren" gestiegen seien. Die durchschnittliche Mietbelastung der Stuttgarter Haushalte liege bei 29 Prozent der Haushaltsnettoeinkommen und entspreche der Mietbelastung in anderen Großstädten.
Haus & Grund übt Kritik an der Mietpreisbremse: Sie reduziere das Wohnungsangebot eher und erreiche "das gesellschaftlich legitime Ziel nicht, Bedürftige mit Wohnraum zu versorgen". Denn bei der Mieterauswahl würden weiterhin Interessenten mit guter Bonität bevorzugt. Es brauche andere Maßnahmen wie Wohngeld, Neubau, Sozialwohnungen und geringere Nebenkosten.