Hersteller verlängern Produktionszeiten

Fehlende Flaschengrößen und Marken: Wie die Hitze teilweise für Engpässe bei Mineralwasser sorgt

Mineralwasser ist zurzeit besonders gefragt - und die nächste Hitzewelle steht bereits an. Doch schon jetzt stehen die Hersteller vor Problemen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Jana Mack

Getränkemärkte in Baden-Württemberg können aktuell zum Teil nicht alle Sorten und Flaschengrößen ihres Sprudel-Sortiments anbieten. Das berichtet zum Beispiel ein Händler in Stuttgart-Weilimdorf. Der Grund dafür ist die Hitze, die bislang für mehr Absatz sorgte - und die nächste Hitzewelle ist schon im Anmarsch.

Getränkemarkt muss bei Mineralwasser umplanen

Im Getränkemarkt Dachtler in Stuttgart-Weilimdorf muss die Kundschaft derzeit häufiger auf gewisse Marken oder Flaschengrößen bei Mineralwasser verzichten. Ulrike Dachtler gehört zum Familienunternehmen und sagt: "In diesem Ausmaß erinnere ich mich nicht, dass es das in den letzten Jahren gab."

Für ihre Familie bedeute die Hitze gerade Hochphase, es fließe mehr Zeit und Aufwand in die Beschaffung. Einzelne Sorten seien später oder gar nicht lieferbar. Neben Mineralwasser betreffe das vor allem Süßgetränke wie Limonaden.

Mehrere Getränkehändler berichten von Schwierigkeiten

Thomas Eger, Geschäftsführer des Getränke-Centers BAYHA in Esslingen, berichtet ebenfalls von Schwierigkeiten. Auch er habe mehr Probleme, alle Produkte zu beschaffen als in den vergangenen Jahren. Zum Teil seien bis zu zehn Produkte nicht verfügbar gewesen.

Seine Kundschaft müsse in solchen Fällen auf andere Größen oder Marken ausweichen, zeige dafür aber Verständnis. An Alternativen mangele es ihm nicht, leere Regale seien nicht zu befürchten.

Andere Getränkehändler in BW berichten zwar ebenfalls von Ausfällen bei einzelnen Mineralwasser-Produkten, erleben die Ausfälle bei ihnen jedoch nicht als außergewöhnlich. Carolin Kiesel berichtet zum Beispiel aus ihrem Getränkemarkt in Bietigheim-Bissingen: "Es ist jeden Sommer das Gleiche."

Wasser auf Vorrat: Lücken im Pfandsystem

Gerade in Hitzeperioden kaufen viele Menschen Wasser auf Vorrat, sagt Michael Neuenhagen, Sprecher des Bad Dürrheimer Mineralbrunnens (Schwarzwald-Baar-Kreis). Die Kisten, die dann oft im Keller stünden, fehlten im Pfandsystem und könnten zum Teil für Verzögerungen sorgen.

Auch der Geschäftsführer von Teinacher Mineralwasser aus Bad Teinach-Zavelstein (Kreis Calw), Andreas Gaupp, ruft deshalb dazu auf, Pfand möglichst zeitnah zurückzugeben.

Hersteller reagieren: Mineralwasser wird priorisiert

Bei Bad Dürrheimer reagiert man mit drei statt zwei Schichten und längeren Produktionszeiten, sagt dessen Sprecher Neuenhagen. Im Gegensatz zu sonst werde auch samstags gearbeitet - eine Maßnahme, die in heißen Zeiten immer wieder und aktuell auch bei Teinacher ergriffen wird.

Außerdem liege der Fokus bei ihnen jetzt auf Wasser, Personal und Zeit werden verstärkt dafür eingeplant: "Bevor Wasser ausgeht, geht erstmal Limo aus", sagt Neuenhagen. Bei diesen Produkten gebe es deshalb aktuell Lieferverzögerungen. Auch bei Teinacher werden einzelne Produkte verzögert fertig, die Lieferketten seien extrem beansprucht. Solche "fordernden Zeiten" gebe es aber jedes Jahr, sagt Geschäftsführer Gaupp.

Ilona Jordan, Sprecherin von aquaRömer in Mainhardt (Kreis Schwäbisch Hall) spricht ebenfalls von einer Herausforderung. Die Produktionskapazitäten seien als mittelständisches Unternehmen begrenzt. "Aktuell erleben wir daher punktuell, dass die Nachfrage die Kapazitäten trotz guter Planung übersteigt." Dort setze man auf zusätzliche Logistikpartner, um mehr Auslieferungen zu ermöglichen.

Bier nicht von Mangel betroffen

Der Getränke-Fachgroßhandels-Kooperation Süd KG, die nach eigenen Angaben rund 200 Getränkefachhändler vereint, sind keine außergewöhnlichen Versorgungsengpässe bekannt. Auf Anfrage sagt Sprecher Nicolas Schiffler, es gebe im Sommer immer wieder Engpässe, in diesem Jahr sei ihm hinsichtlich des Mineralwassers in Baden-Württemberg aber noch nichts bekannt. Ähnlich äußert sich der Verband Deutscher Mineralbrunnen.​

Auswirkungen auf die Herstellung und das Angebot von Bier seien ihm noch nicht bekannt, sagt der Sprecher des baden-württembergischen Brauerbunds Axel Grehl auf Anfrage. Ein Boom blieb auch zu Beginn der Fußball-WM der Männer aus.

Tauberbischofsheim

Appell: Pfandflaschen zurückbringen Hitze und Fußball-WM: Was Getränkehersteller gerade auf Trab hält

Die Fußball-WM sorgt bei Getränkeherstellern aus der Region bisher für wenig zusätzlichen Umsatz, dafür aber die Hitze. Durch letztere könnten aber die Pfandflaschen knapp werden.

Reutlingen

Vier Tage Stillstand bei Mineralwasser-Abfüller Nach Cyberangriff: Produktion bei Romina in Reutlingen läuft wieder an

Nach der Cyberattacke auf den Mineralwasser-Abfüller Romina in Reutlingen-Rommelsbach fährt das Unternehmen die Produktionsanlagen wieder hoch. Die Kriminalpolizei ermittelt.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Wir haben nachgeschaut Leitungswasser oder Mineralwasser – Was ist die bessere Wahl?

Jeder von uns soll täglich etwa eineinhalb bis zwei Liter Wasser zu sich nehmen. Doch zu welchem Wasser greifen wir? Leitungswasser oder Mineralwasser?

Kaffee oder Tee SWR

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Jana Mack
Jana Mack

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!