Die Städte Balingen, Heilbronn, Pforzheim und Stuttgart nehmen als Modellkommunen am Landesprojekt „Gehwege freiräumen - Raum fürs Gehen schaffen“ teil und testen ein Jahr lang neue Lösungen für den Fußverkehr. Das teilte das Verkehrsministerium am Montag mit. Ziel sei es, die Zustände der Gehwege zu erfassen und neue Lösungen für typische Hindernisse auf dem Bürgersteig zu schaffen. Damit soll der Fußverkehr und damit auch die Lebensqualität und die Gesundheit für alle gefördert werden, so das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg.
Wer zu Fuß, mit einem Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs sei, brauche genügend Platz, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zum Projektstart.
Niemand sollte Slalom laufen oder auf die Fahrbahn ausweichen müssen aufgrund von Schildern, Mülltonnen oder parkenden Autos.
Ziel der neuen Strategie: 15 Minuten zu Fuß sollen möglich sein
Das neue Modellprojekt für die Gehwege ist Teil der ersten landesweiten Fußverkehrsstrategie des Landes Baden-Württemberg. Diese wurde vergangenen Donnerstag von Hermann vorgestellt.
Bis 2030 soll jeder zweite Weg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Auch längere Strecken von mehr als 15 Minuten sollen für viele Menschen selbstverständlich zu Fuß möglich sein. Für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Gehhilfe entscheiden oft wenige Zentimeter darüber, ob ein Weg passierbar ist oder zur Sackgasse wird.
Erfassung der Gehwegs-Zustände mit 360-Grad-Kameras
Auf ausgewählten Strecken erfassen die vier Städte zunächst den Zustand der Gehwege. Dazu werden die Wege digital dokumentiert, unter anderem mit 360-Grad-Kameras. Diese Daten bilden die Grundlage für Workshops vor Ort. Dort entwickeln Verwaltung, kommunale Betriebe, Gewerbe und Anwohnerinnen und Anwohner gemeinsam Lösungen. Im Fokus stehen typische Hindernisse auf Gehwegen, wie etwa Mülltonnen, überflüssige Verkehrsschilder, ganz oder teilweise auf dem Gehweg parkende Autos, Verteilerkästen, Parkscheinautomaten oder Werbeaufsteller.
Wir verteilen den Platz in unseren Städten und Gemeinden neu und schaffen mehr Raum für Fußgängerinnen und Fußgänger. Eine Stadt, in der man gut zu Fuß gehen kann, ist eine Stadt mit hoher Lebensqualität.
Gehwege sollen von Anfang an besser geplant werden
Künftig sollen technische Anlagen wie Parkscheinautomaten, Ladesäulen und Verteilerkästen möglichst in Multifunktionsflächen zwischen Gehweg und Fahrbahn platziert werden. So sollen Engstellen von Anfang an vermieden werden. Die in den vier Modellkommunen entwickelten Standards und Lösungen fließen bis Frühjahr 2027 in einen Praxisleitfaden ein. Dieser soll Kommunen in Baden-Württemberg und darüber hinaus unterstützen, das Zufußgehen attraktiver zu machen.