Allergie gegen Gräser und Co.

Pollenflug in BW: Was hilft bei Heuschnupfen?

Die Pollensaison wird immer länger - und die Allergien intensiver. Welche Pollen aktuell in Baden-Württemberg fliegen und was man bei Heuschnupfen tun kann.

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Von Autor/in Lilly Zerbst, Frank Wittig

Ein Blick auf den Gartentisch oder das Auto verrät es sofort: Der Frühling ist in vollem Gange, und mit ihm kommen die Pollen. Der gelbe Staubfilm, der sich vielerorts absetzt, stammt derzeit vorwiegend von Fichtenpollen. Die gute Nachricht für Allergiker: Sie sind harmlos.

Anders sieht es jedoch bei den Pollen von Buchen, Eichen und Gräsern aus, die jetzt wieder vermehrt unterwegs sind. Für viele Allergiker bedeutet das: Niesen, juckende Augen und andere typische Symptome. Eine Pollenallergie kann sich sogar zu allergischem Asthma entwickeln - ein zentraler Punkt am heutigen Welt-Asthma-Tag.

Wann genau welche Pollen in Baden-Württemberg durch die Luft fliegen, welche Maßnahmen Abhilfe schaffen können und warum die Belastung für Allergiker zunimmt.

Welche Pollen fliegen aktuell in Baden-Württemberg? 

Wie stark die Belastung durch verschiedene Pollen ist, hängt stark von der Jahreszeit ab. Der Pollenflug-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes sowie die Vorhersage des Polleninformationsdienstes zeigen die aktuelle Belastung in Baden-Württemberg:

  • Erle und Hasel: Die Frühblüher sind vor allem im Februar und März eine Belastung für Allergiker. Mittlerweile besteht keine Pollenbelastung mehr. 
  • Birke und Esche: Ihre Pollen fliegen vor allem im April. Aktuell ist eine noch mittlere bis geringe Belastungsintensität für den Südwesten Deutschlands vorhergesagt. Ende Mai können Allergiker dann endgültig aufatmen - der Pollenflug dieser Pflanzen ist vorbei. 
  • Buche und Eiche: Sie erreichen ihren Höhepunkt Anfang Mai. Im Südwesten Deutschlands verblüht die Buche aber bereits, sodass das Pollenaufkommen wieder sinkt. Der Pollenflug der Eiche ist in vollem Gange.
  • Gräser: Im Mai beginnt auch die Zeit der Gräserpollen, die sich bis in den August ziehen kann. In der Rheinebene hat der Pollenflug bereits begonnen, Allergiker sollten sich auf Symptome einstellen. 
  • Ampfer, Beifuß und Ambrosia: Zwar sind die Pollen des Ampfers schon jetzt im Südwesten teilweise unterwegs, doch ihren Höhepunkt erreichen sie erst zum Juli. Dann blüht auch der Beifuß, der im August seinen Höhepunkt erreicht. Und zuletzt folgt die Ambrosia im Spätsommer.
Pollen der Eiche - die Belastung ist für Betroffene mit Heuschnupfen aktuell besonders hoch.
Ein großer Teil der Pollen stammt aktuell von der Eiche. Betroffene mit Heuschnupfen sollten sich auf Symptome einstellen. Martin Wagner

Ob und auf welche Pollen eine Allergie besteht, lässt sich durch einen Allergietest klären. Durchgeführt wird er von Haut-, Lungen- oder HNO-Ärzten, teilweise auch von Kinderärzten. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Was hilft gegen Heuschnupfen?

  • Alltagstipps bei Heuschnupfen: Die Pollensaison ist in vollem Gange, und für Allergiker heißt es jetzt, die Pollenbelastung so gut wie möglich zu reduzieren. Das bedeutet: Kleidung nach dem nach Hause kommen wechseln - und das möglichst nicht im Schlafzimmer. Haarewaschen vor dem Schlafengehen und eine Nasendusche kann helfen, den Körper und die Atemwege von Pollen zu befreien. Und: Gezieltes Lüften morgens oder abends, wenn weniger Pollen unterwegs sind. Auch Pollenfilter an den Fenstern können helfen.
  • Rezeptfreie Medikamente: Zur Linderung der Symptome können Antihistaminika eingesetzt werden. Diese gibt es in Form von Tabletten, Nasensprays und Augentropfen. Allerdings wirken diese nur kurzfristig und nur für die akuten Symptome, erklärt die Allergologin Juliane Rieker-Schwienbacher gegenüber dem SWR.
Frau verabreicht Nasenspray gegen Pollenallergie - das Spray hilft bei einer verstopften Nase durch Heuschnupfen.
Nasensprays können bei einer verstopften Nase durch Heuschnupfen kurzfristig Abhilfe schaffen. Sie bekämpfen die Pollenallergie allerdings nicht ursächlich. Fotostand
  • Spritzen gegen Heuschnupfen: Wer nicht nur Symptome, sondern die Allergie in ihrer Ursache bekämpfen möchte, kann eine sogenannte Hyposensibilisierung durchführen. Dabei wird der Körper an die Allergene gewöhnt, um eine Toleranz zu entwickeln. Allerdings sollte die Behandlung nicht während der Haupt-Pollenzeit begonnen werden, da der Körper in dieser Phase bereits stark belastet ist, so Juliane Rieker-Schwienbacher. Die Hyposensibilisierung kann in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten erfolgen, wobei Spritzen laut Experten bislang die höchste Wirksamkeit zeigen. Dadurch besteht eine "80- bis 90-prozentige Chance, die Allergie auch wirklich (…) so abzumildern, dass man nicht mehr darunter leidet", erklärt der HNO-Facharzt Frank Riedel im Gespräch mit dem SWR. Das sei eine gute Möglichkeit, die Allergie zu bekämpfen, so Riedl - gerade, weil eine Pollenallergie auch chronisch werden kann und dann zu asthmatischen Beschwerden und Schäden an der Lunge führt.

Warum bekommt man im Alter noch plötzlich eine Pollenallergie? 

Selbst wer bis ins Erwachsenenalter keine Pollenallergie hatte, kann diese noch entwickeln. Ein Erklärungsansatz dafür ist die anhaltende Veränderung des Immunsystems, das selbst im späteren Leben empfindlicher auf bestimmte Reize reagieren kann. Ein weiterer Punkt: Das Immunsystem von Erwachsenen wurde bereits über viele Jahre und Jahrzehnte mit Allergenen - wie aggressiven Pollen - belastet. Der langanhaltende Stress kann schließlich zur Entstehung von Allergien führen.

Und auch der Wechsel von Lebensumständen kann im Erwachsenenalter noch zu Allergien führen - durch einen Umzug für Studium, Ausbildung oder Beruf. Neue Umgebungen bringen neue Allergene in der Nahrung und in der Luft und stressen das Immunsystem mit neuen Reizen.

Werden Pollenallergien intensiver?

Unsere Umwelt verändert sich. Vor allem in Städten machen Luftverschmutzung und Feinstaub Pollen aggressiver. Das wärmere Klima verlängert die Pollensaison und das Immunsystem hat länger mit den Pollen zu kämpfen.

Durch den Klimawandel werden außerdem neue Pflanzen in Deutschland heimisch - auch Pflanzen mit hochallergenen Pollen wie Ambrosia. Das bedeutet Stress für das Immunsystem. Der steigende CO2-Gehalt der Luft verstärkt das Problem. Denn das Treibhausgas ist ein Pflanzendünger: Mit mehr CO2 produzieren Pflanzen auch mehr Pollen, die zudem aggressiver sind.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Lilly Zerbst
Portraitbild der Reporterin Lilly Zerbst.
Frank Wittig
Frank Wittig, Reporter für SWR Wissen aktuell

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