Eine Kugel Eis für 2 Euro? Sobald die Temperaturen im Land steigen, zieht es die ersten Menschen wieder in die Eisdielen. Bei einigen Eisdielen im Land sind die Preise weiter gestiegen - aber wieso eigentlich?
Lebensmittel und Personal werden teurer
Grundsätzlich steigen die Preise für Lebensmittel immer weiter an - da sei auch das Eis keine Ausnahme, so Heike Silber von der Verbraucherzentrale BW. "Dass die Preise mal nach unten gehen, das habe ich noch nie gesehen", sagt auch Steven Bucciol, Chef der Eisdiele Miraval in Ulm. In diesem Jahr habe er die Preise zwar nicht erhöht, um seinen Kunden etwas Gutes zu tun. Doch 2027 stehe dann wohl wieder eine Preiserhöhung an, wenn er die Qualität seines Produkts halten wollen würde, so Bucciol.
Dass die Preise nach unten gehen, das habe ich noch nie gesehen
Als Gründe nennt er vor allem steigende Kosten für Personal und Lebensmittel. Auch Energiekosten seien gerade beim Eis, das ja immer gekühlt werden muss, ein Faktor, ergänzt Silber. Auch Mieten - besonders in großen Städten - seien oft teurer. Das merke man am Preis.
Eisdielen-Kunden zeigen Verständnis für Preiserhöhung
Bei der Eisdiele Gelato Go in der Heidelberger Altstadt sind in diesem Jahr die Preise gestiegen. Im vergangenen Jahr habe die Konkurrenz in der Stadt die Preise erhöht, erzählt die Inhaberin Wibke Münscher-Ieva - jetzt ziehe ihre Eisdiele nach. Die Reaktionen der Kunden seien bisher verständnisvoll, sagt sie. "Wir bieten für diesen Preis ein Eis in sehr guter Bio-Qualität."
Bei Münscher-Ieva haben vor allem die gestiegenen Kosten für die Bio-Grundzutaten - etwa für Zucker, Sahne und Milch - für die Preiserhöhung gesorgt. Schokolade sei zwar aktuell etwas günstiger, dennoch habe sie sich insgesamt für eine Preis-Erhöhung für die Kugel Eis entscheiden müssen.
Verbraucherzentrale: Preiserhöhungen nicht immer transparent
Die Verbraucherzentrale BW kritisiert, dass Preiserhöhungen oft nicht transparent seien und man beispielsweise nicht erkennen könne, wo genau die Gewinnabschöpfung stattfinde und ob die Qualität tatsächlich erhalten bleibe.
Man wünsche sich daher vor allem bei Eisdielen eine genaue für den Verbraucher ersichtliche Kennzeichnung etwa der Art des Eises. Verbraucher sollten zudem sich bei Missständen trauen, aktiv zu werden und sich etwa an die Lebensmittelüberwachung zu wenden.
Preis pro Kugel Eis zwischen 1,80 Euro und 2,20 Euro
Der SWR hat stichprobenartig acht Eisdielen in mehreren Städten in Baden-Württemberg kontaktiert. Die Preise für die Kugel Eis lagen dabei zwischen 1,80 Euro - in Tuttlingen, Heidenheim und Freiburg - und 2,20 Euro in Heidelberg. In einer Eisdiele in Heilbronn kosteten Premium-Sorten - etwa Pistazie - sogar 3,80 Euro.
Die Hälfte der Eisdielen hat sich für eine Preiserhöhung entschieden. Der Aufschlag liegt jeweils zwischen 10 und 20 Cent.
Umsatzsteuer-Senkung bringt kaum Entlastung
Die Bundesregierung hat im Januar die Umsatzsteuer für die Gastronomie von 19 auf 7 Prozent gesenkt. "Aber das hat keinen nennenswerten Effekt für die Eisdielen", sagt Daniel Ohl, Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Baden-Württemberg (DEHOGA). Denn der Steuersatz für Speisen zum Mitnehmen habe schon vor dem Januar bei 7 Prozent gelegen - und die meisten Menschen würden ihr Eis eben eher "to go" als in der Eisdiele essen.
Eispreise: Könnte es auch wieder günstiger werden?
Höhere Eispreise könnten auch Einfluss darauf haben, wie sehr sich Menschen gesellschaftlich eingebunden fühlen - ähnlich wie in der Gastronomie, sagt Silber. Eine Folge der Preissteigerungen könnte sein, dass sich der Konsum von Eis in Eisdielen beispielsweise hin zum Konsum von abgepacktem Eis verlagert.
Bedeutend günstiger wird die Kugel Eis wohl nicht werden. "Wenn es teurer wird, werden die Kosten schnell auf den Verbraucher abgewälzt", so Silber. Hingegen würden Kostensenkungen erst spät und oft nicht in großem Ausmaß an Verbraucher weitergegeben. Schlussendlich bleibt laut Silber aber abzuwarten wie sich die Eispreise entwickeln - schließlich sei man erst am Anfang der Saison.