"Källenius soll entlassen werden"

Zehntausende Mercedes-Beschäftigte protestieren gegen Sparkurs

Bundesweit haben am Freitag tausende Beschäftigte gegen den Sparkurs bei Mercedes-Benz protestiert. In Baden-Württemberg gab es unter anderem Kundgebungen in Sindelfingen und Rastatt.

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Von Autor/in Patrick Neumann, Geli Hensolt

In Baden-Württemberg haben sich laut Gewerkschaftsangaben 26.500 Beschäftigte an den Protesten beteiligt. Allein in Sindelfingen (Kreis Böblingen) waren es nach Gewerkschaftsangaben rund 20.000, Mercedes spricht von 10.000 Teilnehmenden dort. In Sprechchören forderten die Teilnehmenden in Sindelfingen während der Kundgebung immer wieder "Ola raus" - die Entlassung des Mercedes-Vorsitzenden Ola Källenius. Betriebsratschef Ergun Lümali kritisierte in seiner Rede vor dem Werkstor den Angriff auf die 35-Stunden-Woche und betonte, die Beschäftigten könnten nicht für die strategischen Fehlentscheidungen des Vorstands verantwortlich gemacht werden.

Seit 2004 und 2009 habe es laut Lümali keine vergleichbaren Proteste mehr gegeben. Damals kam es bei Mercedes zu den größten Beschäftigtenprotesten der vergangenen Jahrzehnte - ausgelöst durch Sparprogramme, Stellenabbau und Einschnitte bei den Arbeitsbedingungen.

Vorstand verweist auf schwierige Lage

Der Vorstand von Mercedes-Benz hatte die Beschäftigten Ende vergangener Woche in einem Schreiben und mit einem Video über weitere Sparmaßnahmen informiert. Das Unternehmen müsse die Kosten deutlich senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die wirtschaftliche Situation in Deutschland sei derzeit schwierig.

Einen Auszug aus dem Video hat das Unternehmen dem SWR zur Verfügung gestellt - darin ist unter anderem die für Personal und IT zuständige Vorständin Britta Seeger zu hören. Mit einer eindringlichen Botschaft wendet sie sich an die Beschäftigten der deutschen Werke: "Die Arbeitsstunde muss günstiger werden. Wir müssen in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten."

Sparmaßnahmen sorgen für Ärger

Anlass für die Protest-Aufrufe der IG Metall ist die vom Vorstand angekündigte "Produktivitätsoffensive für Deutschland" und die damit verbundenen Sparmaßnahmen. Unter anderem sollen Arbeitskosten gesenkt und die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich verlängert werden. Ein Mercedes-Sprecher erklärte vorab, man nehme mögliche Unsicherheiten und Sorgen ernst. Dem Unternehmen sei es wichtig, die Beschäftigten frühzeitig und transparent zu informieren - auch bei schwierigen Entscheidungen.

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Proteste an mehreren Standorten

Laut der Gewerkschaft IG Metall richten sich diese Maßnahmen einseitig gegen die Beschäftigten und würden zentrale tarifliche Errungenschaften infrage stellen. Neben dem Werk in Sindelfingen sind die Mitarbeitenden nach Angaben der Gewerkschaft auch am Standort in Stuttgart-Untertürkheim, in Esslingen-Mettingen und Rastatt zusammengekommen. 

Nach Angaben der IG Metall waren in Rastatt rund 2.000 Mitarbeitende bei den Kundgebungen dabei. Barbara Resch, die Bezirksleiterin der IG Metall Baden-Württemberg spricht von einer großen Enttäuschung bei den Beschäftigten: "Die Maßnahmen lösen keine Probleme. Eigentlich bräuchten wir die Strategie besser zu werden und nicht billiger. Das ist fantasielos."

Die Geschäftsführerin der IG Metall Stuttgart, Liane Papaioannou, sprach angesichts der Teilnehmerzahl von einem "klaren Zeichen" an Unternehmensleitung und Politik, dass solche Einschnitte mit den Beschäftigen und mit der IG Metall nicht zu machen seien.

Betriebsrat Lümali: "Investieren und Kompetenz nutzen"

Der Betriebsratsvorsitzende Ergun Lümali kritisiert die geplanten Maßnahmen von Mercedes-Benz. Die Wettbewerbsfähigkeit werde nicht dadurch verbessert, dass man Tarifverträge abbaue oder verschlechtere. Damit untergrabe man die Flexibilität der Mitarbeitenden. Lümali ist überzeugt, dass Mercedes Innovationen vorantreiben müsse, indem an den Standorten wieder mehr investiert und die Kompetenz der Mitarbeitenden genutzt wird.

IG Metall fordert Tarifschutz und Perspektive

Die IG Metall fordert mit den Protesten unter anderem dazu auf, die 35-Stunden-Woche zu verteidigen, Sonderzahlungen aufrecht zu erhalten und in die Standorte zu investieren. Laut der Gewerkschaft gehe es darum, die Produktion zu erhalten und eine Zukunftsperspektive zu schaffen.

Die IG Metall kündigte weitere Aktionen an. Für den 9. Juli ist unter anderem ein Autokorso in Stuttgart geplant. Die Gewerkschaft wirft den Unternehmen der Autoindustrie vor, auf Stellenabbau und Verlagerungen zu setzen, anstatt nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

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Patrick Neumann
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Geli Hensolt
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