Könnte Baden-Württemberg sich komplett selbst versorgen? Nun: Völlig autark kann das Land nicht sein. Mehr oder weniger Ressourcen müssen von außen kommen - und zwar von anderen Bundesländern und aus dem benachbarten Ausland.
- Kann sich BW selbst mit Energie versorgen?
- Wissenschaft: Wie gut sind die Unis in BW?
- Baumaterialien: Wie stark sind Sand, Holz und Kies gefragt?
- Wie steht es um die Versorgung mit Lebensmitteln?
- Wie gut ist die medizinische Forschung und Versorgung in BW?
Kann sich BW selbst mit Energie versorgen?
60 Prozent des Strombedarfs in Baden-Württemberg kann im eigenen Land erzeugt werden. Der Rest stammt überwiegend aus Norddeutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz.
Vor 20 Jahren stammten noch mehr als 90 Prozent aus Eigenproduktion. Allerdings war der Energiemix ein anderer: 59 Prozent des Stroms stammte aus Kernenergie - die es mittlerweile nicht mehr gibt. 13 Prozent des in Baden-Württemberg erzeugten Stroms kam aus Erneuerbaren Energien, heute liegt ihr Anteil bei zwei Drittel.
Wichtig sind deshalb Stromspeicher und der Stromhandel. In Forbach (Kreis Rastatt) wird das historische Pumpspeicherkraftwerk derzeit vergrößert. Ist zu viel Strom vorhanden, kann man diesen mit Hilfe von Wasser-Umwälzung speichern und abrufen, wenn er gebraucht wird. Im Ausland kaufen Stromhändler zu, wenn im Inland zu wenig vorhanden ist - und umgekehrt.
Wissenschaft: Wie gut sind die Unis in BW?
Während die Forschungslandschaft in den USA derzeit für einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unattraktiver wird, hofft Baden-Württemberg, Top-Forscherinnen und -Forscher anziehen zu können. Wissenschaftsfreiheit sei der Schlüssel zu akademischer Exzellenz, sagt die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Petra Olschowski (Grüne). "In Baden-Württemberg haben wir die meisten Exzellenzuniversitäten in Deutschland." Außerdem: das höchstdotierte Programm für internationale Forschung im Moment. Heidelberg sei die einzige Universität Europas, die einen direkten Vertrag mit Harvard habe. "Wir sind richtig gut und im Wettbewerb mit den ganz großen Standorten in der Welt", so Olschowski.
Allein in den letzten Monaten sind drei Forscher, die weltweit führend in ihrem Fach sind, an Universitäten in Baden-Württemberg gekommen: vom Karolinska-Institut in Schweden an die Uni Freiburg, vom australischen Brisbane ans Karlsruher KIT und aus Uppsala in Schweden an die Tübinger Universität.
Sand, Holz und Kies: Wie viel davon kommt aus BW?
Sand, Kies und Holz - ohne diese Rohstoffe würde in Baden-Württemberg kaum gebaut werden. Der Bedarf ist hoch: Insgesamt 100 Millionen Tonnen Rohstoffe braucht es für Wohnungsbau, Infrastruktur und Co. 38 Millionen Tonnen machen Kiese und Sande aus. Nur die Natursteine stehen mit knapp 45 Millionen Tonnen noch davor.
Baden-Württemberg kann sich mit seinen Vorkommen gut versorgen: vor allem in der Oberrheinebene und im Alpenvorland. Herausfordernd für die Unternehmen, die diese Rohstoffe abbauen, sind jedoch die häufig langen Genehmigungsverfahren für die Gewinnung. Diese dauern teils zehn bis 15 Jahre. In der sogenannten Regionalplanung müssen Mensch, Tier, Luft, Wasser und Boden berücksichtigt werden.
Auch Holz wird als Baustoff immer beliebter. Die Holzbauquote in Baden-Württemberg lag vergangenes Jahr im Haus- und Wohnungsbau bei rund 39 Prozent und damit höher als in allen anderen Bundesländern. Doch auch hier gibt es Herausforderungen: Neben steigenden Transportkosten ist auch der Klimawandel etwas, was die Firmen beschäftigt - etwa durch Wetterereignisse oder Trockenperioden. Die Wälder im Land müssen aktiv bewirtschaftet werden.
Kann sich BW allein mit Lebensmitteln versorgen?
Baden-Württemberg ist einer der größten Agrarproduzenten in Deutschland und Lebensmittelexportland, auch wenn es bei einzelnen Rohstoffen auf Import angewiesen ist. Das liegt zum Beispiel daran, dass Kaffee, Zitronen und Orangen hierzulande nicht gedeihen.
Mehr als 30.000 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften rund 1,4 Millionen Hektar Land. Auf heimischen Feldern wächst anteilig am meisten Getreide. Das wäre rein statistisch ausreichend für den Bedarf im Land, dasselbe gilt bei Äpfeln. Bei den allermeisten Lebensmitteln reicht die heimische Produktion jedoch nicht. Das gilt auch für Milchprodukte. Die Milchviehbetriebe im Land halten zwar rund 300.000 Milchkühe und produzieren rund 2,7 Milliarden Liter Milch pro Jahr. Das würde aber nur den Bedarf an Milch zum Trinken decken - nicht für die Produktion von Käse, Joghurt und anderen Milchprodukten.
Eine komplett eigenständige Versorgung mit Lebensmitteln in Baden-Württemberg wäre auch aus logistischen Gründen kaum möglich - jedenfalls nicht in der gewohnten Auswahl der Produkte. Die Lieferketten im Lebensmittelbereich sind komplex und eng aufeinander abgestimmt. Große Handelsketten und deren Logistik sind für die Versorgung unabdingbar - denn in ihren Verteilzentren mit zehntausenden Quadratmetern Fläche können unterschiedlichste Lebensmittel sortiert und an hunderte Märkte verteilt werden.
Wie gut ist die medizinische Versorgung in BW?
Die gesündesten Menschen Deutschlands leben in Baden-Württemberg, genauer gesagt in Freiburg. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Gesundheitsdaten aus allen Landkreisen und Städten. Insgesamt zählt Baden-Württemberg damit zur Spitzengruppe: starke Kliniken, Spitzenforschung, moderne Krebsmedizin. Insbesondere individuelle Krebstherapien sind auch international gefragt. Patienten kommen unter anderem aus Großbritannien oder den USA an das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, kurz NCT.
In Baden-Württemberg gibt es insgesamt vier Universitätskliniken. Alle vier zählen seit vielen Jahren zur Weltspitze. Baden-Württemberg besitzt das leistungsfähigste Kliniksystem in Deutschland: 232 Krankenhäuser, mehr als 52.000 Betten, rund 2.800 davon sogar Intensivbetten - einer der höchsten Werte bundesweit. Fast 1,9 Millionen Menschen wurden 2024 stationär in Baden-Württemberg behandelt.
Doch die meisten Menschen erleben Medizin beim Hausarzt, in der Facharztpraxis oder in der Klinik vor Ort. Und genau dort wächst der Druck: Schon heute fehlen im Land nach Angaben des Gesundheitsministeriums rund 1.000 Hausärzte - besonders im ländlichen Raum. Das sieht der Sozialverband VdK kritisch. Termine seien schwer zu bekommen, besonders für gesetzlich Versicherte.